Erst freigestellt, dann bloßgestellt

Am Dienstag, kurz vor Redaktionsschluss unserer letzten Ausgabe, da überschlugen

 

sich plötzlich die Meldungen. Ein Chefarzt am Klinikum soll sich während seiner Dienstzeit mit verschiedenen Arzthelferinnen in seinem Büro vergnügt haben. Die Spielchen machten die Runde, kamen so auch dem Arbeitgeber zu Gehör, was letztendlich zu einer einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsvertrages führte. So weit, so gut. Oder auch schlecht.

Eine Beziehungsgeschichte. Zweifellos. Ungebührliches Verhalten im Bettenturm. Mit Sicherheit. Eine Mischung aus „Götter in Weiß“, „50 Shades of Grey“ und „Pretty Woman“. Ja. Aber ein Skandal? Nein, danach hörte sich das nicht an. Zumindest fürs Schorschla. Am vergangenen Dienstag. Doch die Gier nach Sensation kennt heutzutage leider keine Grenzen mehr. Und so stürzten sich die sozialen Medien wie Hyänen auf diese Meldung. Plötzlich wusste jeder etwas, machte sich wichtig, hatte etwas gehört, sei sich sicher, kenne jemanden, der jemanden kennt. Und so weiter. Und so fort. Viel schlimmer ist aber noch die Tatsache, dass neben den klassischen Facebook-Schmierfinken auch vermeintlich seriöse Medienvertreter völlig triebgesteuert und fern jedes Pressekodex agierten. Fotos des sehr bekannten und hoch angesehenen Arztes wurden gedruckt, sein Name auf Webseiten ausgeschrieben, wilde Gerüchte als Fakten verkauft und – fürs Schorschla die Krönung der journalistischen Inkompetenz – diese Liebe-und-Triebe-am-Arbeitsplatz-Story immer wieder mit einem anderen, hochkriminellen Fall vermischt, bei welchem ein Chefarzt junge Frauen gegen ihren Willen erst betäubte, sich an ihnen verging und eine Tausende von Fotos schoss. Ein Verbrechen, für welches nach 71 Verhandlungstagen eine Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten wegen schwerer Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs in mehreren Fällen verhängte.

Noch einmal ganz offen: Was sich hinter den verschlossenen Türen des Chefarztbüros wirklich abgespielt hat, wissen nur wenige Personen. Die offiziellen Statements klingen nach einer gefährlichen Kombination aus Liebe, Lust und Leidenschaft, aus Eifersüchteleien und Enttäuschungen, vielleicht auch nach etwas Größenwahn und Selbstherrlichkeit. Vieles klingt hier nach der Floskel „Aus Spaß wurde Ernst“, am Wörtchen „einvernehmlich“ scheiden sich offensichtlich die Geister. Und so ermittelt nun nach ganz viel Drama die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Vergewaltigung. Der suspendierte Chefarzt soll nach bisherigen Erkenntnissen im Dezember eine Frau dazu gedrängt haben, gegen ihren ausdrücklichen Willen den Oralverkehr bei ihm auszuüben, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilen. Ein Vorwurf, der zumindest nicht alltäglich klingt und beim Schorschla so einige neue Fragen aufwirft. Aber spekuliert wurde in diesem Fall ohnehin schon viel zu viel …

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