Nach vorne oder zurück?

Die Sicht der Jugendlichen

Lieber im Gestern als in Zukunft

Die Jugend, das ist unsere Zukunft. Wie oft hat es Schorschla diesen Satz schon gehört. In den unterschiedlichsten Zusammenhängen, meist in Diskussionen über die Bildung. Stephan Sarek, deutscher Schriftsteller und hauptberuflicher Feuerwehrmann in Berlin hat den Satz geprägt: „Der Jugend gehört die Zukunft, den Alten die Vergangenheit, dem Weisen der Augenblick.“ Ja, so war es schon immer. Und so sollte es auch bleiben. Das ist der Lauf der Zeit. Doch der Himmel hat sich verdunkelt. Unsere Welt hat sich gewandelt. Und plötzlich blicken die Jungen nicht mehr positiv in die Zukunft und sehen die Chancen und Ziele der kommenden Jahre und Jahrzehnte, sondern die Gefahren. Der Blick richtet sich nicht mehr auf Herausforderungen und Visionen, sondern auf Probleme und Leid. Eine traurige und bedauernswerte Entwicklung, die in folgender Kernaussage einer aktuellen Studie gipfelt: „Viele junge Menschen würden lieber in der Vergangenheit leben!“ Ja, es Schorschla kann das einerseits verstehen, andererseits ist es aber auch erschreckend: Die 18- bis 34-Jährigen wünschen sich mehrheitlich ein Leben im Gestern. Das war nicht immer so – vor einem Jahrzehnt sehnten sich die meisten dagegen noch in die Zukunft. Ursache sind nicht nur die unsicheren Zeiten. Der Traum jüngerer Leute in Deutschland ist nicht mehr die Zukunft, sondern die Vergangenheit. Ein Leben in vergangenen Zeiten wäre attraktiver, finden 56 Prozent der Generation zwischen 18- bis 34 Jahren. Das zeigt eine repräsentative Online-Befragung für die Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco. Während nur 44 Prozent die Zukunft bevorzugen, waren dies vor knapp einem Jahrzehnt in einer ähnlichen Befragung 70 Prozent. Nur 30 Prozent wollten bei der Umfrage 2013 lieber in der Vergangenheit leben. „Das ist wirklich neu und sehr ungewöhnlich“, resümiert der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt. Die Jugend habe das Leben noch vor sich und sollte darum eigentlich der Zukunft eher zugewandt sein. Mit dem Begriff Vergangenheit würden die Befragten in der Regel ihre eigene Kindheit und Jugend verbinden. Auf die Frage, warum sie lieber in der Vergangenheit leben wollten, gibt es über alle Altersgruppen hinweg mehrere Gründe: Früher sei der Zusammenhalt größer gewesen (42 Prozent). „Weil es früher einfach besser war“ (35 Prozent). Es habe „mehr Sicherheit und Beständigkeit“ gegeben (34 Prozent). Man war glücklicher“ (29 Prozent). Es gab „weniger Kriege und Krisen“ (23 Prozent. Die Umweltbedingungen waren besser (22 Prozent). Man habe Angst vor der Zukunft (20 Prozent). Gerade junge Leute vermissten Zusammenhalt und Gemeinschaft, erklärt Reinhardt, der auch Professor für Empirische Zukunftsforschung an der Fachhochschule Westküste in Heide ist. Offenbar treffe man sich in der weitgehend digitalen Welt weniger zu Außer-Haus-Aktivitäten. Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen sei klar, dass Freunde auf Facebook oder Instagram nicht reichten, so Reinhardt. „Das ersetzt nicht die Freunde, auf die man sich auch dann verlassen kann, wenn Fragen zum Leben da sind, wenn die Unsicherheit groß ist und wenn man vielleicht einfach Spaß haben möchte.“ In der Coronapandemie habe sich das Problem verstärkt. 

Der Ukrainekrieg spiele für die Umfrageergebnisse dagegen keine große Rolle. Reinhardt habe in Befragungen immer wieder festgestellt, dass die junge Generation nach Sicherheit strebe, auch in der Arbeitswelt. „Das Beamtentum erlebt damit eine Renaissance“, resümiert der 51-jährige Zukunftsforscher. In den Jahrzehnten davor habe dagegen der Wunsch dominiert, die Welt zum Besseren zu verändern. Jetzt seien die Unter-34-Jährigen zurückgewandt. Was Reinhardt sehr kritisch sieht: „Es ist auch eine Generation, die komplett gepampert wurde von ihren Eltern.“ 

Übrigens: Auch bei älteren Generationen kommt die Nostalgie gut an. Befragte im Alter von 35 bis 54 Jahren favorisierten zu 66 Prozent die Vergangenheit, nach zuvor 54 Prozent. Bei den Älteren ab 55 Jahren sehnen sich laut der Umfrage nahezu konstant 68 Prozent zurück. Und was sagte doch einst der große Charlie Chaplin. „Die Jugend wäre eine schönere Zeit, wenn sie erst später im Leben käme. “

PS: Die Meinung vom Schorschla muss nicht immer mit der der Redaktion übereinstimmen.

Bamberg aus einer ganz neuen Perspektive erleben!

Auf unserer mobilen Webseite haben wir ein kleines Schmankerl für Sie.
Besuchen Sie uns über Ihr Handy und erleben Sie Bamberg auf eine völlig neue Art.

Öffnungszeiten

Geschäftsstelle

Aktuell ist aufgrund der geltenden Vorschriften das Verlagsbüro für den direkten Kundenverkehr geschlossen
Private und gewerbliche Kleinanzeigen: Wir sind Montag von 9.00 bis 14.00 Uhr sowie Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 9.00 bis 12.00 Uhr telefonisch unter 0951/966990 direkt erreichbar. Außerhalb dieser Zeiten sprechen Sie bitte auf unseren AB, wir rufen gerne zurück! Alternativ können Sie uns auch ein Mail an info@wobla.net senden.

Geschäftskunden: Unser Team der Mediaberaterinnen Petra Billhardt (0951/9669922), Karin Rosenberger (0951/9669924) und Daniela Kager (0951/9669923) berät Sie gerne individuell und kompetent zu Ihren Anzeigen und Beilagen im WOBLA.