Martins Blitzstart in der K-Frage

„Jetzt geht’s los“, singen die Fans beim Sport immer dann, wenn sie auf eine entscheidende Wende

 

im Spiel hoffen. Meist folgt dann überzeugendes „Wir sind nicht mehr aufzuhalten“. Ja, die Strophe suggeriert Aufbruchsstimmung. Selbstbewusstsein. Siegeswillen.

In der Politik wird nicht gesungen. Da wird abgestimmt. Woche für Woche. Und ausgewertet. Von den unterschiedlichsten Instituten. Wobei am Montag eine echte Überraschung vermeldet wurde: Der kurz vor Saisonstart in die deutsche Politik gewechselte Martin Schulz legte einen Blitzstart in Sachen Kanzlerduell hin. Die von ihm angeführte SPD überrollte gleich zu Beginn des K-Wahlkampfes die weitaus höher eingeschätzte Truppe der CSU/CDU. Oder anders ausgedrückt: In einer eben veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag der "Bild"-Zeitung klettern die Sozialdemokraten auf 31 Prozent - und liegen damit sogar vor der Union. „Wow, das ist ein Achtungserfolg“, meint nicht nur es Schorschla.

"Die Entscheidung für Martin Schulz hat die Stimmung zugunsten der SPD gedreht", kommentiert Insa-Chef Hermann Binkert in der Bild. Eine von der SPD geführte große Koalition käme derzeit auf 61 Prozent. Rot-Rot-Grün erhielte 48 Prozent. Die AfD blieb den Angaben zufolge bei zwölf Prozent – was dem politischen UEFA-Cup entspräche. Auf den Plätzen folgen die Linke mit zehn Prozent, die Grünen mit sieben Prozent und die FDP mit sechs Prozent. Was aber sagt die Spielführerin des „Serienmeisters“ CDU/CSU? Sie wirkt etwas angeschlagen, verkündete am Montag aber trotzig ihre „Vertragsverlängerung auf der K-Position? Wobei es auf ihrer Position in diesem Team eh keinen Ersatz gab. Ausgerechnet in München – auf für sie gefährlichem und unsicherem Boden - präsentierte sich die Dauerkanzlerin am Montag an der Seite von Horst Seehofer, ihrem  streiterprobten, sturen Mitstreiter aus der Unions-B-Mannschaft. Sie wirkt dabei relativ gezwungen, gequält humoristisch, man könnte fast sagen mit einem Funken Galgenhumor.

Angi ist angeschlagen. Nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Den ARD-Deutschlandtrend kann sie nicht leugnen, er ist ein echter Wirkungstreffer. „Schulz deutlich beliebter als Merkel“, heißt es da Schwarz auf Weiß. Horst Seehofer zeigt sich optimistisch und begründet das „Ja“ für die „Spielführerin Merkel“ mit dem gemeinsamen Spielsystem: Das Fundament sei wirklich stabil. Es sei offen und ehrlich und klar gesprochen worden. "Das ist ein guter Kompass." Und Merkel erklärt, CDU und CSU hätten es wahrlich nicht leicht miteinander gehabt. Das Zusammenrücken in München sei notwendig gewesen, weil Gemeinsamkeit in der Wahrnehmung der Menschen ein hohes Gut sei.

Über das geplante Spielsystem der CDU/CSU drang nur wenig nach außen. Setzt die Kanzlerin auf pure Offensive und bringt neue Ideen ins Spiel? Oder verstärkt sie die Abwehr – Viererkette, Fünferkette, Obergrenze? Da wird hinter den Kulissen noch hoch gepokert. "Wir werden unseren beiden Generalsekretären den Auftrag erteilen, gemeinsam mit den Experten der beiden Parteien bis zum Sommer ein gemeinsames Wahlprogramm auszuarbeiten", so Seehofer. "Es macht keinen Sinn, im Februar eines Jahres schon alles festzulegen und zu verkünden."

Hat man einen durchschlagkräftigen, überraschenden und erfolgsversprechenden Spielplan in der Tasche? Oder wird kurzfristig improvisiert, ein bisschen gebetet und auf die Unterstützung von oben vertraut, wie es das „C“ im Teamnamen suggerieren lassen könnte? Wer weiß! Nur eines scheint sicher. Der Herausforderer SPD ist bester Stimmung und genießt den Sprung aus dem Schatten ins Sonnenlicht. Mal schauen, wie lange die „Jetzt geht’s los. Wir sind nicht mehr aufzuhalten“-Stimmung bei den Genossen noch anhält. Und auf welchem Balkon im November dann die Meisterschaft gefeiert wird. Spannung ist garantiert, das Duelle Merkel vs. Schulz endgültig eingeläutet!

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