Ein Sternchen für die Mundpropaganda

Gerade wenn es draußen so richtig trüb und ungemütlich ist, dann sehnt sich es Schorschla

 

nach richtig gutem Essen. Da dürfen dann auch mal die Kerzen brennen und ein paar Bestecke mehr rund um den Teller liegen. Ja, so ein Menü des Tages mit einigen kulinarischen Überraschungen – das vertreibt doch am Abend jede „Heute-habe-ich-gar-keine-Sonne-gesehen“-Stimmung. Dazu noch den passenden Wein und schon fällt man abends mit einem breiten Grinsen in die Federn und Minuten später in einen tiefen Wohlfühlschlaf.

Ein breites Grinsen im Gesicht hatte in den vergangenen Tagen auch Véronique Jacquet, eine engagierte Köchin im Restaurant „Bouche à Oreille“ (zu deutsch "Mundpropaganda") in Bourges. Sie wurde von heute auf morgen und ohne große Anstrengungen  von der Feinschmeckerbibel „Guide Michelin“ geadelt und erhielt einen der in der Szene heißbegehrten Sterne.  Sehr zur Verwunderung von Frau Jacquet selbst, die zwar wusste, dass sie ihren Gästen Tag für Tag  gute und ehrliche Küche auftischte.  Aber ihr Mittagsmenü wird für nur 12,50 Euro serviert, die Hauptmahlzeit auf der kleinen Karte ist „Boeuf Bourguignon“, ein rustikales Fleischgericht aus dem Burgund: Sehr gehaltvoll, schmackhaft – aber eine richtige Portion und keine Schlemmer-Sternchen-Schnitte. 

Den Gourmetfreunden war’s egal: Sie stürmten das kleine Bistro mit seinen vier Kellnern und lobten die Speisen und Frau Jacquet Kochkünste über den grünen Klee. Die „Mundpropaganda“ leistete ihren Dienst und so ging es einige Tage in Bourges drunter und drüber, berichtet die Zeitung "Le Parisien".

Bis sich der Irrtum aufklärte: Das ausgezeichnete Restaurant „Bouche à Oreille“ liegt nämlich 180 Kilometer weiter nördlich in Boutervilliers nahe Paris. Der dortige Chefkoch, der eher Hummer serviert, nahm das Missverständnis mit Humor. "Es war eine kleine Ungeschicklichkeit, die niemandem geschadet hat, und es wurde korrigiert", kommentiert Aymeric Dreux, der seinen ersten Stern 2015 bekam. Er habe mit Jacquet telefoniert und sie hätten beide darüber gelacht.
"Ich habe ihr zum Michelin-Stern gratuliert, den sie nie erhalten hat", erzählt der Chefkoch. Er habe Jacquet zu sich ins Restaurant eingeladen. Sie habe gelacht und auch ihn eingeladen. "Eine Geschichte wie diese passiert nur ein einziges Mal im Leben", sagt Dreux. "Sie wohnt in Bourges, ich wohne in Boutervilliers. Mein Restaurant ist auf der 'Rue de la Chapelle', ihres auf der 'Route de la Chapelle'. Ihres heißt 'Le Bouche à Oreilles', meins auch." Beide Restaurants hätten von der enormen Präsenz in den Medien profitiert.
Eine nette Geschichte, die eigentlich nur Gewinner hat. Vor allem die vielen Gäste, die sich freuten, dass sie für ganz kleines Geld plötzlich Sterneküche genießen durften. Mein Gott, wie es ihnen geschmeckt hat und wie froh sie doch waren, in diesem Geheimtipp der Gourmetszene überhaupt einen Platz zu bekommen. Dieses Gefühl kann und will ihnen keiner mehr. Auch nicht Frau Jacquets Köchin Pénélope Salmon, die natürlich von den Medien gefragt wurde, ob sie jemals von einem Michelin-Stern geträumt habe. "Nein, nicht im Geringsten“, so Frau Salmon. „Ich koche mit dem Herzen". Deshalb schmeckt es in Bourges auch weiterhin  so gut. Für 12.50 Euro!

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