Setzen wir auf die deutsch-türkische Freundschaft

Wenig Diplomatie, viel Demütigung: Auf diesen kurzen Slogan könnte man derzeit

 

das deutsch-türkische Verhältnis reduzieren. Wobei es Schorschla gleich eines deutlich machen möchte: Es geht im Folgenden nicht um die Menschen und Nachbarn, welche schon vor vielen, vielen Jahren zum Leben und Arbeiten nach Deutschland gekommen sind. Es geht auch nicht um die nette Familie von nebenan, um den Klassenkameraden oder den Arbeitskollegen mit türkischen Wurzeln. Der aktuelle Konflikt ist einzig und allein ein Konstrukt der hohen Politik, im Mittelpunkt stehen Machtbesessenheit und Größenwahn einiger Weniger. Politik vorbei am Volkwillen, vorbei am gesunden Menschenverstand.       

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Kritik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan entschieden zurückgewiesen, der der Bundesregierung "Nazi-Praktiken" vorgeworfen und angedeutet hatte, er werde auch gegen den Willen der Bundesregierung nach Deutschland kommen. Später legte auch noch sein Außenminister Mevlüt Çavusoglu (AKP) nach. Sein für Montagabend geplanter und letztendlich aus Brandschutzgründen abgesagter Auftritt in Hamburg, sei eine Farce. "Ich werde gehen, niemand kann mich aufhalten", erklärt Çavusoglu der Tageszeitung Hürriyet.

Noch vor wenigen Jahren, vielleicht sogar Monaten, stand die Türkei an der Schwelle zu Europa. Istanbul galt als eine der aufstrebenden internationalen Metropolen, als Weltstadt, als Schmelztiegel der Nationen, als Brücke zwischen Orient und Okzident. Dann kamen zuerst der Syrienkrieg, das große Pokern um Flüchtlinge, später der undurchsichtige Putschversuch, Erdogans Massenverhaftungen und „Säuberungen“, zu Silvester noch der Terror gegen das moderne Leben in einem beliebten Nachtclub am Bosporusufer. Jetzt, wenige Wochen vor der Volksabstimmung in der Türkei, mit welcher Erdogan sich endgültig zum Alleinherrscher ausrufen lassen möchte, gerät die Situation offensichtlich komplett außer Kontrolle. Angela Merkel mahnt zur Besonnenheit, auch wenn der Ton für  ihre Verhältnisse doch rau geworden ist. Statt der zur Kanzlerinnen-Raute gefalteten Finger schlägt sie aktuell schon mal mit der Faust aufs Rednerpult. Aber: trotz ernster Meinungsunterschiede mit der Türkei und dem nicht zu rechtfertigenden NS-Vergleich gälten in Deutschland eben die Werte der Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Punkt.

Auch wenn es schwer fällt: Etwas Positives kann es Schorschla selbst  dieser völlig bescheuerten Entwicklung abgewinnen. Europa wächst plötzlich scheinbar wieder etwas näher zusammen. Der gemeinsame Feind verbindet. Wie so oft in der Weltgeschichte. Deutschland, Frankreich, ja auch Holland und Dänemark senden die gleichen Signale Richtung Ankara. Die da heißen: Nicht mit uns! Freie Meinungsäußerung? Ja, natürlich. Aber ohne Beleidigungen und haarsträubende NS-Vergleiche. Und vor dem Hintergrund der Inhaftierung des Journalisten Deniz Yücel: Eine freie Presse. Ohne Diskussionen.  

Interessant: Trotz aller Schimpftiraden hält sich Erdogan derzeit (noch) an den vereinbarten Flüchtlingsdeal. Was die EU und insbesondere Deutschland sehr begrüßen. Mit gutem Grund: Kamen 2015 noch mehr als 850.000 Flüchtlinge nach Deutschland, waren es 2016 nur noch 170.000. In diesem Jahr sind es bisher etwa 2000. Aber auch dieser Deal ist ein zweischneidiges Schwert: Denn Herr Erdogan lässt sich für seine „Türsteherdienste“ auch sehr gut bezahlen, laut Vertrag fließen drei Milliarden Euro aus Brüssel in die Türkei. Geld mit dem unter anderem der Wahlkampf von Herrn Erdogan finanziert werden kann. Ein kompletter Irrsinn!

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