Voll aufgeroamt

Wird Europa zum Handyparadies? Fast mag man es meinen, sofern man die Meldungen

 

der vergangenen Woche genauer unter die Lupe nimmt. Hintergrund ist eine Entscheidung des EU-Parlaments, welche das Ende der so genannten  Roaminggebühren besiegelt. Ab Juni sollen Reisende ihr Handy im EU-Ausland ohne Zusatzkosten nutzen können - dafür sollen die Betreiber zahlen. Wow! Pünktlich zur Urlaubszeit? Mobil telefonieren und im Internet surfen wie zu Hause. Ein Traum? Es Schorschla meint: „Nein!“. Eher ein Albtraum! Warum ist schnell erklärt!

 Erst zwei Sätze zu den rechtlichen Grundlagen: Roaminggebühren sind die Preise, die der heimische Betreiber dem Auslandsanbieter dafür zahlt, dass sein Kunde zeitweise dessen Netz nutzt. Dafür etabliert die EU nun Obergrenzen von 3,2 Cent pro Minute für Anrufe und 1 Cent für SMS.
Für Datenvolumen sinken die Obergrenzen schrittweise von zunächst 7,70 Euro pro Gigabyte ab dem 15. Juni auf schließlich 2,50 Euro pro Gigabyte ab dem 1. Januar 2022. Diese Kostendeckel liegen nach EU-Angaben um etwa 90 Prozent unter den aktuellen Begrenzungen. Die neuen Regeln sollen ab Mitte Juni für die 28 EU-Staaten sowie für Island, Norwegen und Liechtenstein gelten. Der Ministerrat, die Vertretung der Mitgliedstaaten, muss formell noch zustimmen. Im Grundsatz hatten sich die Mitglieder mit dem Parlament bereits im Februar auf die Regelung geeinigt.

So weit, so gut! Und um Missverständnisse gleich auszuräumen. Natürlich freut sich auch es Schorschla, wenn es bei Kurzurlauben oder Geschäftsreisen keine Angst mehr haben muss, dass ein falscher Klick aufs Handy plötzlich zweistellige Eurobeträge kostet. Aber nachdenklich macht es Schorschla vor allem ein Punkt: Waren eben diese Kosten nicht für viele von uns auch ein schöner Grund, den ständigen Begleiter Handy einmal beiseite zu legen, offline zu gehen und gleich im Hotel zu lassen? Ja, es gab auch Urlaube ohne mobile Routennavigation, einfach einmal treiben lassen und durch die kleinen Gassen bummeln. Nicht auf der Suche nach der kürzesten Verbindung, keine Streckenoptimierung zum nächsten Restaurant. Eine Stadt erleben, nicht das Café vorab googeln, nicht auf yelp die Bewertungen der Bar checken. Augen auf, vielleicht sogar einmal einen Einheimischen fragen und sich auf seine persönlichen Eindrücke verlassen. Und notfalls auch etwas Lehrgeld bezahlen, was übrigens auch bei 300 positiven Bewertungen der Fall sein kann.

In naher Zukunft wird es also auch im EU-Ausland keine finanzielle Schwelle mehr geben, die handlichen Computer mit Telefonfunktion ständig als Ratgeber zu nutzen. Aber wir haben es ja trotzdem noch in den eigenen Händen, wie wir unseren wohlverdienten Urlaub verbringen. Und es gibt ja sicherlich echte Genießer, die durchaus das „Handyfasten“ in den Ferien im Hinterkopf haben. Fürs Schorschla ist das ein bisschen wie an einem guten Hotelbuffet. Da kann man ja auch nicht alles Essen, nur weil es keine Extragebühren mehr kostet. Sicher pickt man sich das eine oder andere zusätzliche Schmankerl heraus, aber man sollte es nicht übertreiben. Wie beim Handykonsum. Deshalb der Schorschla-Tipp der Woche: Legt die Dinger einfach mal ganz weit weg. Stellt sie auf stumm und vergesst auch mal das Mailchecken. Außer natürlich diejenigen, die so zwischen Tür und Angel auch in den Ferien schnell mal die Welt retten wollen und können. Der Rest kann es sich gut leisten, offline zu gehen. Gute Erholung, am besten schon in den Osterferien, wünscht allen WOBLA-Leserinnen und –Lesern das Schorschla!

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