A Dschobb is ka Hobbi

Schneefall am Ostermontag. April. April! Wohl dem, der bei diesem Wetter nicht Eier im Garten suchen muss oder darf, sondern sich bei hochgedrehter Heizung und hochgelegten Beinen einem netten Buch im heimischen Wohnzimmer widmen darf. So wie es Schorschla, der das eben erschienene „Feierabend!“ von Volker Kitz aufschlug.

Schon der Untertitel des 96-seitigen im Fischer Taschenbuch Verlag erschienenen Büchleins (Preis 8 Euro) weckt Interesse. „Warum man für seinen Job nicht brennen muss. Streitschrift für mehr Gelassenheit und Ehrlichkeit im Arbeitsleben“. Wow! Das sitzt. Eine kurze Zusammenfassung: Arbeit hat nichts mit Erfüllung oder Spaß zu tun. Und Firmen wollen auch nicht die Sinnsuche ihrer Mitarbeiter voranbringen - sondern Produktivität. Arbeitgeber, die das offen zugeben, hätten Respekt verdient, mein Kitz.

 

Selbstverwirklichung, Herausforderung, nette Menschen. Nicht weniger als den Sinn des Lebens. All das soll Arbeit heute bieten, wenn es nach Stellenanzeigen, Personalern oder Zeitschriftenartikeln geht. Der Autor hält das für nichts weiter als einen Mythos. Einen schädlichen noch dazu. Denn er zerstöre die Lust an der Arbeit und die Produktivität gleich mit. Dann folgt der Hammersatz schlechthin „Wir inszenieren die Arbeit - statt sie zu machen“. Da musste es Schorschla erst mal Durchschnaufen und von seinem selbst zubereiteten Glühwein nippen. „Wir inszenieren die Arbeit - statt sie zu machen“. Was bleibe, sind Erschöpfung, Enttäuschung.

Wer als Arbeitgeber ehrlich spricht, statt zu faseln, überrasche seine Mitarbeiter und gewinne ihren Respekt. Wahrheit entwaffnet, lasse Widerstände schwinden. Motivation durch Ehrlichkeit! Vor diesem Hintergrund liefert Herr Kitz ein „Manifest für ehrliche Arbeit“. Eines, welches man nicht blind und unkommentiert abnicken müsse. Aber eines, welches sicherlich zum Nachdenken anregen kann. Neun Punkte, welches es Schorschla seinen hochmotivierten Leserinnen und Lesern keinesfalls vorenthalten möchte.  
  
1. Dieser Betrieb wurde nicht erfunden, um euch mit der Arbeit zu beglücken, sondern um ein Produkt oder eine Dienstleistung für die Gesellschaft hervorzubringen - und damit euren und unseren Lebensunterhalt zu erwirtschaften.
2. Was ihr zu tun habt, ist im Großen und Ganzen vorgegeben. Es geht um ein gemeinsames Ergebnis, nicht darum, dass jeder seine persönlichen Vorstellungen verwirklicht.
3. Eure Arbeit ist meist Routine, sie wiederholt sich. Deshalb seid ihr so gut darin.
4. Eure Arbeit hat einen Sinn für die Gesellschaft, denn sie befriedigt ein gesellschaftliches Bedürfnis. Deshalb gibt es eine Nachfrage nach dem, was wir tun. Es ist nicht Aufgabe der Arbeit, eurem Leben einen Sinn einzuhauchen, den es ohne sie nicht hat. Für den Sinn eures Lebens seid ihr selbst verantwortlich.
5. Es ist nicht nötig, dass ihr vor Leidenschaft vibriert. Entscheidend ist nicht, wie engagiert und leidenschaftlich ihr arbeitet - sondern, wie gut. Das sind unterschiedliche Messgrößen.
6. Bei der Arbeit stoßt ihr nicht nur auf liebenswürdige Menschen, sondern auf die gesamte Bandbreite der Gesellschaft. Auch weniger nette Menschen müssen ihren Lebensunterhalt verdienen. Damit klarzukommen, ist Teil der Aufgabe.
7. Niemand ist unersetzlich, niemand kann und muss die Welt alleine retten. Wir schätzen die Masse der normalen Menschen, die jeden Tag normal ihre Arbeit macht, ohne Trara und Getöse, ohne Theaternebel und heiße Luft. Ihr seid es, nicht die anderen, die unsere Organisation am Laufen halten. Ihr seid es, die den Unterschied ausmachen.
8. Dafür werdet ihr bezahlt. Arbeit ist ein Tausch von Zeit gegen Geld. Wir bezahlen euch angemessen im Hier und Jetzt für die Arbeit, die ihr hier und jetzt leistet. Wir vergüten gleiche Arbeit mit gleichem Lohn. Wir erwarten nicht, dass ein Mensch mit einem Gehalt die Arbeit von dreien erledigt. Wir versprechen euch nicht den Sinn, wohl aber den Unterhalt eures Lebens. Wer Vollzeit arbeitet, muss vom Lohn für seine Arbeit leben können.
9. Wie wir euch nicht den Lebenssinn schenken, müsst ihr uns nicht euer Leben schenken. Ihr müsst unser Unternehmen nicht zu eurem Lebensinhalt machen. Wir erwarten, dass ihr uns eure Arbeitszeit überlasst wie vereinbart - und während dieser Zeit arbeitet, statt Urlaub zu buchen.


So ein Quatsch, sagen Sie. Dann sei aber an dieser Stelle noch die Arbeitnehmer-Schlussfrage von Herrn Kitz erlaubt: »Wenn Arbeit so toll ist, warum bezahlt ihr uns dafür?«

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