Kathrine Switzer und die Startnummer 261

Wenn sich am Sonntag beim achten Weltkulturerbelauf rund 11.300 Menschen aller Altersklassen, Männlein und Weiblein, Jungs und Mädels auf die verschiedensten Strecken machen, steht die Freude an der Bewegung im Vordergrund.

Natürlich haben sich viele ehrgeizige, persönliche Ziele gesetzt, aber im Ziel am Maxplatz angekommen gilt doch für das Gros der Starterinnen und Starter: Dabeisein ist alles.

Bei hoffentlich perfektem Laufwetter wird dann eine Person die Startnummer 261 auf seinem Leibchen tragen. Und sich keine großen Gedanken darüber machen. Obwohl diese Zahl in der Marathon-Historie eine unglaubliche Rolle gespielt hat. Wir blicken 50 Jahre zurück.   
Boston-Marathon. 1967. Es ist der 19. April, als sich Kathrine Switzer nach einigen Aufwärmübungen auf den Weg macht. Gut 42 Kilometer liegen vor ihr, wie auch für die 740 anderen Teilnehmer. Was Kathrine Switzer von den anderen Startern unterscheidet, fragen Sie sich? Ganz einfach: Sie ist eine Frau. Die erste Frau mit offizieller Startnummer bei einem Marathon. Damals, anno 1967, noch eine reine Männerdomäne.

Und dementsprechend verärgert reagieren die Rennchefs als Frau Switzer nach den ersten Kilometern ihre Wollmütze abnimmt, die sie beim Start vor der Kälte und den Schneeflocken geschützt hatte. Jetzt kann jeder ihre schulterlangen, dunklen Haare sehen. Ein Skandal für die Organisatoren – nicht für ihre Mitläufer. Denn die hatten schon viel früher erkannt, dass dieser Marathon ein historisches Rennen und Switzer mit reichlich Komplimenten bedacht.

"Verlass verdammt noch mal mein Rennen und gib mir die Startnummer", fauchte Rennleiter Jock Semple. Eine Frau im Männerrennen - das gab es noch bei keinem Marathon, das durfte auch bei der 71. Auflage des Langstreckenklassikers in Boston nicht sein. Semple greift nach der Startnummer 261, erwischt aber nur die rechte obere Ecke. Denn von links rauscht Switzers Freund Tom Miller heran, Hammerwerfer und Ex-Footballspieler. Der 115-Kilo-Mann rempelt Semple mit einem wuchtigen Schubs einfach weg. Und was macht Kathrine Switzer: Sie läuft und läuft und läuft … und leistet Großes: einen Beitrag zur Gleichstellung in einer Männerdomäne. "Frauen seien zu schwach und zu anfällig für einen Marathon", hieß es damals unisono bei Lauftrainern und vermeintlichen Sportexperten.

Der Marathon vor 50 Jahren habe ihr Leben "komplett verändert", sagt Switzer heute, ihr "eine Vision sowie ein Ziel für meine Zukunft gegeben". Nach dem Ende ihrer Wettkampfkarriere schrieb sie ein Buch und entwickelte ein Programm mit 400 Frauenläufen in 27 Ländern und mehr als einer Million Teilnehmerinnen, das eine entscheidende Rolle für die Aufnahme des Frauen-Marathons ins Olympische Programm spielte. Heute ist sie, mit inzwischen 70 Jahren, immer noch aktiv und setzt sich für Frauen ein, die aufgrund von Religion, Hautfarbe oder Rasse benachteiligt werden. Ihr Projekt heißt "261 fearless", in Anlehnung an ihre Startnummer, es ist eine weltweite Lauf-Community von und für Frauen.
Am vergangenen Montag wurde wieder der Boston Maraton gestartet. Am Start waren knapp 30.000 Teilnehmer erwartet, darunter 13.700 Frauen. Eine von ihnen: Kathrine Switzer. So trug natürlich Startnummer 261. Genau wie vor fünfzig Jahren.

 

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