Trumpel oder nicht?

"Ich habe mein früheres Leben geliebt. Ich habe so viele Sachen gemacht", sagt Donald Trump.

 

Er habe nicht erwartet, dass es eine so große Herausforderung wäre, Präsident der Vereinigten Staaten zu sein. "Das ist mehr Arbeit als früher. Ich dachte, es würde einfacher sein." Und weiter: "Ich vermisse mein altes Leben." Diese Aussagen sind keine Fake-News. Sie stammen aus einer Rede des US-Präsidenten. Kein Schnitt, alles im Film festgehalten. Donald Trump vor der Kamera. Ehrlich. Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen. Authentisch. So ist er halt, der angeblich mächtigste Mann der Welt.

Seit fast 100 Tagen ist er nun im Amt – und offenbar ziemlich unglücklich. Denn in besagtem Interview klagt er über das Leben im Weißen Haus und vor allem die fehlende Privatsphäre. Als ehemaliger Reality-TV-Star und milliardenschwerer Immobilientycoon sei er es auch in seinem "alten Leben" gewohnt gewesen, immer im Rampenlicht zu stehen. Schon damals habe er so gut wie keine Privatsphäre gehabt. Umso erstaunter sei er gewesen, dass diese noch weiter schrumpfen konnte.
Zum Teil scheint dies am Secret Service zu liegen, der das Leben des Präsidenten 24 Stunden am Tag überwacht. "Du lebst wirklich in Deinem eigenen, kleinen Kokon, weil Du so massiven Schutz erhältst, dass Du wirklich nirgendwo hingehen kannst", klagt Trump.
Wenn er das Weiße Haus doch mal verlasse, dann in einer Limousine oder in einem Geländewagen. Aber nur auf der Rückbank, niemals am Steuer. Einfach ins Auto zu springen, vermisse er sehr: "Ich fahre gerne."

In seinem aggressiven Wahlkampf wurde Donald Trump nicht müde, US-Präsident Barack Obama für seine Golfausflüge zu kritisieren. "Es wird keine Zeit geben, in Urlaub zu fahren, es wird keine Zeit geben, dauernd Golf zu spielen", blickte er beispielsweise im Sommer 2015 in die eigene Zukunft. Auch hier hat ihn die Realität inzwischen eingeholt. Trump habe bis Mitte April bereits 19 Mal Golf gespielt, berichten US-Journalisten.

Wie sieht es aber aus bei den wirklich wichtigen Dingen: Den großen Wahlversprechen. Hier lautet das Credo: Viel versucht, viel geredet, aber wenig durchgesetzt. Reduzierte Einwanderung, Bau der Mexiko-Mauer, neue Krankenversicherung, Steuerreform: Ja, viel ist noch nicht umgesetzt. Aber ehrlich gesagt: Es sind gerade einmal 100 Tage vorbei. Und man kann Herrn Trump- ob man ihn nun mag oder nicht – keinesfalls vorwerfen, dass er sich zurückgezogen hätte und er Tatendrang vermissen lasse. Ganz im Gegenteil: Er wollte förmlich die Welt einreißen – im wahrsten Sinne des Wortes. Doch die eigenen Gerichte stoppten seine Visionen. Gottseidank.
Ifo-Chef Clemens Fuest sieht den wirtschafts- und finanzpolitischen Kurs von Donald Trump weiter skeptisch. Zur-100-Tage-Bilanz des US-Präsidenten erklärt Fuest, es sei erwartbar gewesen, dass Trump seine Ankündigungen nicht ohne Weiteres umsetzen könne. Größere Veränderungen brauchten in einer Demokratie immer Zeit. "Aber dass er so schnell mit so vielen Projekten scheitert, ist schon erstaunlich", sagt Fuest der Nachrichtenagentur dpa.
Es werde nicht klappen, Steuern drastisch zu senken, gigantische Infrastrukturmaßnahmen auf den Weg zu bringen, eine Mauer zu Mexiko zu bauen und die Welt mit Strafzöllen zu überziehen. Eine geringere Unternehmensbesteuerung wie geplant könnte mehr Investitionen auslösen wie schon in den 1980er Jahren unter Ronald Reagan - aber zugleich die Staatsverschuldung in die Höhe treiben. Nicht auszuschließen sei auch, dass eben dieser Boom Trump über die Amtszeit rette. Viele der Versprechen könnten dann in Vergessenheit geraten: "Wenn es einen Wirtschaftsboom gibt, dann kann es durchaus sein, dass Trump nach der ersten Amtszeit wiedergewählt wird". Aber warten wir mal ab. Vielleicht geht Herrn Trump ja das Weiße Haus so richtig auf den Wecker. Und er möchte wieder selbst Autofahren. Dann müsste nur noch ein adäquater Gegenkandidat für die nächste Wahl nominiert werden. Und dieser sollte nicht den Nachnamen Clinton tragen.

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