May oh May, Mr. Trump!

Es soll Zeiten gegeben haben, da waren Politiker noch echte Staatsmänner. Ja, Frauen waren zu diesen Zeiten wirklich kaum in den Plenarsälen dieser Welt zu anzutreffen.

Und die Herren Politiker wirkten damals souverän, eloquent, teilweise sehr selbstverliebt und oftmals auch etwas überheblich. Sie rauchten Zigarren, wenn es schnell gehen musste auch mal zwei oder drei Zigaretten am Stück. Helmut Schmidt, Herbert Wehner, Franz-Josef Strauß gehörten zu dieser Generation.

Heue wird nicht mehr geraucht. Heute begleiten auch Frauen diese Ämter. Aber statt ungesundem Qualm fabrizieren sie nur Schall und Rauch, heiße Luft. Es Schorschla hat sich zwei Kandidaten rausgepickt. Geschlechtsneutral. Männchen und Weibchen, USA und Europa, Donald Trump und Theresa May. Zwei ganz besondere Charaktere, welche in der vergangen Woche auf der Insel und im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wieder einmal ein neues Kapitel moderner Politik geschrieben haben.

Ladys first. Beginnen wir mit Frau May. Die 60-Jährige hatte darauf spekuliert, mit einer außerplanmäßigen Neuwahl die Mehrheit der Konservativen deutlich auszubauen und sich Rückendeckung für die Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens zu schaffen. Doch es kommt ganz anders. Die britischen Tories verlieren bei der Wahl viele Parlamentssitze, sie werden abgestraft für die unsägliche Innen- und Außenpolitik der Staatschefin in den vergangenen Wochen und Monate.   Und wie reagiert Frau May. Denkt sie über einen Rücktritt nach. Mitnichten.
Mit keinem Wort erwähnt die Premierministerin in ihrer kurzen Ansprache vor der Downing Street Nummer zehn, dass die von ihr angesetzte Neuwahl spektakulär nach hinten losgegangen war. Sie redet, als habe sie ihr Wahlziel erreicht und spricht davon, dass das Land jetzt Führung brauche. Mit den Worten "An die Arbeit jetzt", schließt sie ihre Ansprache. Beobachter sind irritiert, schütteln nur ungläubig die Köpfe. Der Bestsellerautor Robert Harris twittert, May sei jetzt "im Nordkorea-Modus".

Standortwechsel: Washington, Weißes Haus. Der von Donald Trump entlassene Ex-FBI-Chef James Comey wirft in Saal 216 des Hart Buildings der Regierung bei einer Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss des Senats am Donnerstag vor, "Lügen" verbreitet zu haben. Die Haltung Trumps in der Russlandaffäre nennt er "sehr beunruhigend", der Präsident persönlich habe ihn dazu gedrängt, die Ermittlungen in der Russland-Affäre einzustellen. Und wie reagiert Herr Trump auf die schwerwiegenden Vorwürfe. Natürlich per Twitter.  Am Freitagmorgen schreibt er: "Trotz so vieler falscher Aussagen und Lügen, vollständige und umfassende Rehabilitation...und WOW, Comey ist ein Leaker."
Gegenüber US-Medien erklärt Trump zudem, er sehe die Russland-Affäre mit der Aussage Comeys für sich als abgeschlossen an. Er sei komplett entlastet. Man wolle zur Tagespolitik zurückkehren. Auf die Frage, ob es von den Unterredungen mit Comey Aufzeichnungen gebe, sagt Trump, dazu wolle er sich "in naher Zukunft" äußern. Diese Antwort gibt der US-Präsident zuletzt immer dann, wenn er Zeit gewinnen will und muss.

Es gab Zeiten, da sprach man in solchen Fällen von vollständigem Realitätsverlust. Doch heute hat man sich (leider) daran gewöhnt. Ob May, ob Trump: Es Schorschla kann bei den Aussagen dieser Staatsoberhäupter nur ungläubig und wütend mit dem Kopf schütteln. Vielleicht hilft ja etwas Humor, um diese moderne Art der politischen Volksverdummung ertragen zu können. Buchautor und Lehrer Thom Renzie bringt den Status Quo perfekt auf den Punkt, wenn er schreibt. „Das große politische Geschäft zieht weniger Leuchten als Armleuchter an“. Dem ist nichts hinzuzufügen!

 

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