Ehrlich pflückt am längsten

Sie sind wunderschöne Farbtupfer, die blühenden Gladiolenfelder am Straßenrand. „Zum Selberpflücken“

 

steht auf großen Tafeln oder Kartonschildern, wer ein Messer, eine Schere und etwas Zeit hat, kann sich einen wunderbaren Strauß für die eigene Wohnung zusammenstellen.

„Vielen Dank für die Blumen“ sang bereits Udo Jürgens, die Melodie ist auch als Titelmusik der Zeichentrickserie Tom & Jerry bekannt. Wobei auch bei diesen Blumenfeldern die Jagd nach den Mäusen (der Kunden) von besonderem Interesse ist. Denn die Frage ist schon, wie viele Blumenfreunde auch ehrlich sind und den angegebenen Preis für die abgeschnittenen Blüten in die bereitstehende Kasse werfen.    

Die Händler vertrauen einfach auf die Ehrlichkeit ihrer Kunden. So zum Beispiel der Agrarwissenschaftler Dieter Bär aus Bad Krozingen. Er ist ein alter Hase in Sachen Selberpflücken, bereits vor 25 Jahren hat er sein erstes Blumenfeld angelegt.

Er schätzt, dass inzwischen rund 900 Anbieter in Deutschland mit Blumen und Obst zum Selbstpflücken ein Zubrot. Mancher kann sogar ganz davon leben, sagt Bär. Er selbst besitzt inzwischen 30 Felder rund um Bad Krozingen, Freiburg und den Kaiserstuhl. Herr Bär hat übrigens Erfreuliches zu melden: Die Quote der ehrlichen Zahler wächst. Vor allem dann, wenn die Kunden auf Infoblättern erfahren, dass eine Familie hinter dem Blumenangebot steht und von dem erwirtschafteten Geld ihren Lebensunterhalt bestreitet.
Der Landwirt berät auch andere Anbieter, die in das Geschäft einsteigen möchten. Seine Tipp: eine gut sichtbare Lage der Felder neben einer größeren Straße, Parkmöglichkeiten, Stadtnähe und gleichzeitig möglichst wenig Konkurrenz durch ähnliche Angebote seien wichtige Standortvorteile.

Das Blumengeschäft ist inzwischen international. Wobei in Skandinavien leben die redlichsten Selbstpflücker, erklärt Bär: "Den Klimanachteil machen sie mit ihrer Ehrlichkeit wett."
Doch auch die Deutschen Selbstpflücker – sei es für Blumen oder Obst – haben an dieser Stelle ein Lob verdient. Die allermeisten Leute zahlen hier ehrlich den geforderten Preis. Für eine Gladiole oder Sonnenblume sind das durchschnittlich 80 Cent, Tulpen kosten um die 50 Cent und Dahlien im Schnitt 40 Cent. Damit kommen die Kunden meist deutlich günstiger weg als im Supermarkt oder Blumengeschäft. Dafür müssen sie halt selbst Hand anlegen. Aber ein bisschen Gärtnern und ein Päuschen von der Autofahrt sollen ja auch der Gesundheit zugutekommen.  

Geschäftsschädigend sei im Grunde nur mieses Wetter. Aber auch hier hat Herr Bär einen guten Rat für die Bauern parat. Die Mischung macht’s!  Frostschäden hätten heuer viel Erdbeerbauern verkraften müssen. Außerdem fehlten den Frühsorten die Niederschläge, so dass die süßen Früchte weniger Gewicht auf die Waage brachten. Dafür seien die Sonnenblumenfelder heuer ein wahres Paradies: Dank der Hitze habe die Saison zwei bis drei Wochen früher begonnen als sonst. Es Schorschla hat übrigens einen wunderbaren Sonnenblumenstrauß im Wohnzimmer stehen. Einfach nur herrlich. Und selbstverständlich ehrlich bezahlt. Sogar noch etwas nach oben aufgerundet. Denn es ist schon eine wunderbare Tradition in unserem ohnehin einmalig schönem Frankenland. Eine Tradition, die jeder gerne unterstützen darf. Da blüht man förmlich auf: Nicht nur beim Pflücken!

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