Weltkatzentag

Gut fürs Gemüt, schlecht fürs Klima? Wir kennen Sie nun alle, die Klimasünder auf unserem Globus: Die Dieselfahrer.

Natürlich die Vielflieger. Die Kohleindustrie. Ganz vorne auch Kreuzfahrttouristen. Ja, selbst die Kuh als lästiger Wiederkäuer wurde schon für den Klimawandel verantwortlich gemacht. Doch damit nicht genug. Am Dienstag, ausgerechnet am Weltkatzentag, wurde eine US-Studie veröffentlicht. Mit neuen, tierischen Erkenntnissen. Denn ob Sie es glauben oder nicht: Auch Hunde und Katzen brauchen Energie zum Leben. Das Problem: Diese stammt hauptsächlich aus Fleisch - und dessen Produktion erzeugt schädliche Treibhausgase. Heißt es dort schwarz auf weiß. Fake News aus Übersee? Es Schorschla hat recherchiert.

Der Katzenjammer bei Klimaschützern ist nicht ganz aus der Luft gegriffen.  Eine vom Fachmagazin "PLOS ONE" vorgestellte Hochrechnung schreibt Hunde und Katzen allein in den USA einen jährlichen Treibhausgas-Ausstoß von rund 64 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu. Ein Wert, der in etwa der Klimabilanz aller Einwohner von Berlin und Hamburg entspricht. Zur Erklärung: In den USA sind Haustiere so beliebt wie sonst nirgends auf der Welt. Knapp 70 Prozent der Haushalte besitzen mindestens eines - in Deutschland sind es dagegen „nur“ etwa 44 Prozent. Man uns das aber schon wieder zu Umweltschützern. Können wir mit erhobenem Zeigefinger auf die bösen Amis dauten. Sicher nicht. Aber ein interessanter Aspekt ist das schon, den niedlichen Vierbeinern die Schuld für Klimaerwärmung und steigende Meeresspiegel in die Schuhe zu schieben. Übrigens: In Berechnungen zum Umwelteinfluss des Nahrungsmittelkonsums im Land flössen Haustiere aber bisher nicht ein, erklärte jüngst Gregory Okin von der University of California in Los Angeles (UCLA).
"Ich mag Hunde und Katzen, und ich empfehle definitiv nicht, dass Menschen ihre Haustiere loswerden sollten oder sie vegetarisch ernähren, was ungesund für sie wäre", so Okin. "Aber ich denke, wir sollten uns klar sein über die Auswirkungen, die Haustiere haben, und ehrlich darüber reden."
Für seine Hochrechnung schloss der Forscher zunächst aus der Zahl der Katzen und Hunde in den USA sowie den Inhaltsstoffen marktdominierender Futtermittel auf den Fleischverbrauch der Haustiere. In den USA leben etwa 94 Millionen Katzen und 90 Millionen Hunde. Was an Futter hineingehe, müsse natürlich auch wieder hinaus, schreibt Okin: Gut fünf Millionen Tonnen Kot fielen jährlich an, hat er errechnet.
Doch damit nicht genug: Die Umweltfolgen einer fleischbasierten Ernährung sind bekanntlich weitaus größer als die einer pflanzlichen - unter anderem werden mehr Fläche, mehr Energie und mehr Wasser für die Produktion benötigt. Methan (CH4), etwa aus der Rinderhaltung, und Kohlendioxid (CO2) wirken in der Atmosphäre als Treibhausgase: Sie halten Wärmestrahlung zurück, die Erde heizt sich allmählich auf.
Hinzu kommen Faktoren wie Bodenerosion, Pestizideinsatz und Abfallmenge. Auf Hunde und Katzen entfallen Okin zufolge etwa ein Viertel der im Land verbrauchten Kalorien aus der Viehhaltung. Noch nicht in der Rechnung des Forschers berücksichtigt sind die Folgen der Produktion von Haustierprodukten für Umwelt und Klima. Zwar enthält Tierfutter auch einiges, was Menschen nicht essen würden oder sollten, erklärt Okin. Zunehmend würden Haustiere aber als Familienmitglieder angesehen und erhielten nur das vermeintlich Beste - auch beim Fleisch.
Und hier könnte man ansetzen: "Ein Hund braucht kein Steak zu fressen", so der Forscher. "Ein Hund kann Dinge fressen, die nichts für den Menschen sind." Würde nur ein Viertel des derzeit für Futter verwendeten Fleisches wieder dem Menschen zugutekommen, würde das dem Fleischkonsum von 26 Millionen Amerikanern entsprechen, schätzt Okin. Das sei in etwa der Fleischkonsum der Einwohner des US-Bundesstaats Texas, wo gut 25 Millionen Menschen leben.
"Ich bin selbst kein Vegetarier, aber Fleisch zu essen, hat nun mal seinen Preis", so Okin. Darum müsse der Mensch nicht nur über seine eigene Ernährung, sondern auch die seiner Haustiere nachdenken. Eine mögliche Option wären demnach alternative Proteinquellen für Hunde- und Katzenfutter. Was wohl „Waldi“ und „Mietzi“ zu diesem umweltfreundlichen Ernährungsplan sagen würden? Wahrscheinlich würden sie Herrchen und Frauchen mit Missachtung strafen. Und das will ja wirklich niemand. Vor allem nicht am Weltkatzentag. Da gibt es eine Sonderportion Trüffelleberpastete für „Schnurri“. Das hat sie sich ja auch verdient!  

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