Völlig abgehoben

Es Schorschla, bekennender Kurzurlaubfan, erinnert sich noch gerne zurück

 

an die Jahre, als Air Berlin sein nationales Drehkreuz am Nürnberger Albrecht-Dürer-Flughafen hegte und pflegte. An Zeiten, als sich Fluglinie mit dem rot-weißen Logo offiziell anschickte, der Lufthansa ihren angestammten Platz als „Nummer 1 in Deutschland“ streitig zu machen. Das ist lange vorbei. Leider. Mit dem Winterflugplan 2013/14 verabschiedete sich Air Berlin schrittweise aus der Frankenmetropole, ein eigener Terminal im Hauptstadtairport BER sollte Basis der hochgesteckten Ziele von Ex-Vorstandschef Hartmut Mehdorn und seinen hochbezahlten Manager-Kollegen werden. 

Doch es kam bekanntlich ganz anders. Statt in neue Sphären abzuheben, landete Air Berlin ganz hart auf dem Boden der Tatsachen. Am Dienstag vergangener Woche dann der vorläufige Tiefpunkt der Firmengeschichte: Insolvenz. Wirtschaftliche Bruchlandung!  
Jetzt verhandelt die insolvente Fluglinie Air Berlin mit drei Interessenten über eine Übernahme. Das Engagement der Lufthansa sehen Wettbewerbshüter skeptisch. "Air Berlin und Lufthansa sind auf vielen Flugstrecken direkte Konkurrenten", sagt der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, der "Rheinischen Post". Er warnt zudem: "Der 150-Millionen-Kredit des Staates könnte beihilfenrechtlich kritisch sein." Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärt entschuldigend, es sei darum gegangen, eine "nationale Krise" abzuwenden. Sonst hätten "pro Tag 80.000 Menschen in der Urlaubszeit an Flughäfen gestanden". Zugleich liegt aber nicht nur beim Schorschla die Vermutung nahe, dass die Politik sich mit den Staatshilfen vor der Bundestagswahl Wählerstimmen sichern will. CDU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer spricht von einem ordnungspolitischen Sündenfall.

Die Billigfluglinie Ryanair ärgert sich über die Staatshilfe: "Unserer Meinung nach ist es offensichtlich, dass die Bundesregierung mit Lufthansa Hand in Hand daran arbeitet, Konkurrenz für Deutschland fernzuhalten", sagt Marketingchef Kenny Jacobs der "Bild"-Zeitung. "Die Tatsache, dass Verkehrsminister Alexander Dobrindt betont, dass hier keine kartellrechtlichen Verstöße vorliegen, bestätigt, dass dies ein abgekartetes Spiel ist."

Das wichtige für Passagiere in aller Kürze: Alle Flüge finden weiterhin statt, die Flugpläne bleiben gültig, gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit. Der Kredit der Bundesregierung sichert den Flugbetrieb für etwa drei Monate. Und doch gibt es erste Einschränkungen für Air-Berlin-Kunden: Tickets, die vor dem 15. August ausgestellt wurden, werden nicht mehr erstattet; Entschädigungen für Flugausfälle und Verspätungen werden nicht mehr ausgezahlt; Gutscheine, die Air Berlin in den vergangenen Wochen als Entschädigung für Ausfälle verteilt hatte, können nicht mehr eingelöst werden. Auch eine Auszahlung sei nicht möglich.  Zudem können keine Bonusmeilen in Prämien oder Flüge eingelöst werden, das Vielfliegerprogramms Topbonus sei vorübergehend nicht verfügbar, teilt eine Etihad-Sprecherin mit.
In dieser Situation meldet sich auch der oben bereits genannte Hartmut Mehdorn wieder zurück. „Das war klar“, sagt Mehdorn zur Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin.  Mehdorn führte von September 2011 bis Januar 2013 Air Berlin und gewann in jener Zeit Etihad als Anteilseigner. Die Scheichs hatten Anfang des Jahres das Spitzenmanagement von Etihad um den Australier James Hogan abgelöst. Für Mehdorn war das auch ein Hinweis darauf, dass die Araber keine Geduld mehr haben mit Air Berlin, dem „Fass ohne Boden“.
Mehdorn nennt drei Gründe für das Scheitern: Die zu teuren Flugzeug-Leasingverträge, das – im Vergleich mit den Billigfliegern – hohe Lohn- und Gehaltsniveau bei Air Berlin sowie drittens das „extrem teure Wachstum in der Vergangenheit“.
Für die Zukunft ist er skeptisch: „Was die Lufthansa nicht nimmt, wird vermutlich platt gemacht“, sagt der frühere Manager zu Spekulationen, wonach Air Berlin zerschlagen und von der Lufthansa, Easyjet und womöglich Tuifly übernommen wird. Die Marke Air Berlin könne vom Konkursverwalter zu Geld gemacht werden. Auswirkungen auf den Berliner Großflughafen BER erwartet er nicht. „Dann fliegen andere Maschinen“, so Mehdorn, der nach seiner Zeit bei Air Berlin auch noch für gut zwei Jahre (bis Mai 2015) Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg war. „Die Air-Berlin-Flugzeuge werden überpinselt.“

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