Erst denken, dann handeln!

So, wir haben gewählt. Endlich. Das Ergebnis der Abstimmung ist angeblich erschütternd. Ein Erdrutsch.

 

Eine Zeitenwende. Stand zu lesen.  Und wurde seit Sonntag in einer variablen Endlosschleife in allen Fernsehkanälen von übermüdeten, abgekämpften und manchmal auch streitsüchtigen oder zumindest überdrehten Volksvertretern wiederholt. Jetzt heißt es Wunden lecken, analysieren und – das Wichtigste – von allem – eine stabile Regierung bilden und damit die Basis für eine vernünftige und  verständliche Politik zu schaffen. Nur so bleibt unsere „Angi“ (Ja, Frau Merkel hat trotz aller Wählerwanderungen immer noch die größte Zustimmung im Land erhalten) weitere vier Jahre die Mutter der Nation! Es Schorschla bleibt interessiert und beobachtet die Gaulands und Seehofers und Lindners und Nahles‘ und wie sie auch alle heißen mögen und schreibt sicherlich auch in den kommenden Wochen den einen oder anderen Beitrag zu den neuesten Entwicklungen. Aber für den Moment ist eigentlich alles zu Papier gebracht!

Da bleibt Zeit, einmal nach Spanien zu blicken. Dort rumort es nämlich noch viel mehr als in unserem Land. Am 1. Oktober kommt es in Barcelona (wahrscheinlich) zu einer bahnbrechenden Abstimmung. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Abspaltung der wichtigsten Metropole des Landes. Was die Zentralregierung in Madrid natürlich mit allen Mitteln verhindern möchte. Die Rechtslage ist unklar, derzeit wird überlegt, ob man Carles Puigdemont, den Chef der katalanischen Regierung, festzunehmen lässt.
Puigdemont bekräftigt derweil, dass die für Sonntag ausgerufene Befragung trotz des Verbots durch das Verfassungsgericht und auch gegen den Willen der Zentralregierung in Madrid stattfinden werde. "Ich bestätige, dass es Urnen und Wahlzettel geben wird. Und noch wichtiger für die Abhaltung eines Referendums: Es wird Wähler geben", versicherte er. Puigdemont könne nicht sagen, ob eine Mehrheit der Katalanen überhaupt für die Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens sei. Aber er sei sicher, dass 80 Prozent dafür seien, abzustimmen.


Der Hintergrund des Streits ist auf den ersten Blick klar. Ähnlich dem Länderfinanzausgleich in Deutschland müssen die finanzstarken Katalanen einen Großteil Spaniens mitfinanzieren. Das kennen auch wir in Bayern. Den Katalanen geht es aber um mehr. Sie haben ihre eigene Sprache, sie wurden von Madrid ihrer Ansicht nach über Jahrzehnte im großen Stil ausgenutzt, ihre Rechte und ihre Identität wurden durch neue Auflagen immer wieder eingeschränkt. Es geht um Respekt, um ein Miteinander, um Konflikte, die so lange zurückliegen, dass sie viele der heutigen Separatisten nur aus „Erzählungen der Alten“ kennen. Ja, es geht um Emotionen. Und dagegen helfen keine Drohungen aus Madrid. Man könne die 700 Bürgermeister festnehmen lassen. Die Abstimmung sei illegal. Das Polizeiaufgebot werde erhöht. Wahlurnen werden beschlagnahmt. Alles nur sinnlose, heiße Luft. Was auch Ministerpräsident Rajoy wohl erkannt hat. Vielleicht etwas zu spät. Auch das kennen wir in Deutschland. Die überhebliche Verdrängung von Volksinteressen der politischen Führung spielt immer den Extremen in die Karten.

So erwartet Madrid und Barcelona ein ganz heißes Wochenende. El Classico auf höchster politischer Ebene. Die katalanischen Separatisten, die 2015 bei den Regionalwahlen gewonnen haben, streben nicht mehr und weniger als das Ausscheiden aus dem spanischen Staatsverband an. Stimmt die Mehrheit der etwa 5,4 Millionen Wahlberechtigten am 1. Oktober für die Unabhängigkeit, wollen sie binnen 48 Stunden die Trennung von Spanien ausrufen und die verfassunggebende Versammlung einberufen. Über mögliche Konsequenzen gibt es derzeit nur vage Vermutungen. Ähnlich dem Brexit. Erst handeln, dann denken. Das ist der Trend der Zeit. Traurig, aber wahr. Und im Grunde kann man nur hoffen, dass zumindest alles friedlich bleibt. In Spanien. In Deutschland. Und sonstwo auf der Welt!

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