Ab jetzt ist die Ehe für alle da

Es war ja auch wirklich ein eigenartiges Wortkonstrukt: „Die eingetragene Lebenspartnerschaft“.

Ab sofort ist dieses sperrige und im Grunde schon immer überflüssige Paragrafendeutsch Geschichte, die vielzitierte „Ehe für alle“ ist endgültig da. Am Sonntag folgte ein Schritt, für den Schwule und Lesben jahrzehntelang gekämpft haben. Allen Widerständen und Schikanen zum Trotz: Ja, ab sofort  dürfen homosexuelle Paare in Deutschland offiziell heiraten. Ein längst überfälliges Gesetz in einem freiheitlich-demokratischem Land. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da standen "Homosexuelle Handlungen" noch als Straftat im Strafgesetzbuch. Erst 1994 wurde der Paragraf 175 ersatzlos gestrichen. Ein erster Meilenstein auf dem Weg zur Gleichstellung Homosexueller. Für die „Ehe für alle“ wurde Paragraf 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches geändert. Seit 1. Oktober steht dort: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen." Es dürfen also nicht mehr nur Mann und Frau heiraten.
Entscheidend für die Paragrafenänderung war die Tatsache, dass Angela Merkel (CDU) im Juni 2017 überraschend vom klaren Nein der CDU zur „offenen Ehe“ abwich und auf einmal von einer Gewissensentscheidung sprach. Die übrigen Fraktionen im Bundestag machten daraufhin Druck, um eine schnelle Entscheidung im Bundestag zu erreichen. Kurz darauf votierte das Parlament in offener Abstimmung mit großer Mehrheit für die Öffnung der Ehe.
Es Schorschla ist schon ein bisschen stolz auf diese Entwicklung. Obwohl sie eigentlich gar keine besondere Erwähnung wert sein sollte. Denn in unseren heutigen irren, unberechenbaren und von Gewalt, Neid und Missgunst geprägten Zeiten sollte überall auf der Welt eines gelten. Solange die Menschen sich untereinander nicht schaden, sich respektieren, kein Eigentum der anderen zerstören und vernünftig miteinander umgehen, gibt es doch keinen Grund für gesetzliche Einschränkungen. Seinen persönlichen Weg sollte jeder selbst wählen können - sei es beruflich, oder privat. Singleleben, Zweisamkeit auf Lebzeit oder mit wechselnden Partnern, Männlein mit Weiblein – oder eben auch gleich und gleich. Keine moralischen Diskussionen, keine Vorurteile, keine idiotischen Diffamierungen. Eine bunte, freie Welt. Dafür steht Deutschland in aller Welt. Ein Ruf, den man auch in anderen Bereichen hegen und pflegen muss. Was unsere Damen und Herren Politiker spätestens nach der noch heiß diskutierten Bundestagswahl 2017 gelernt haben sollten.


Daten und Zahlen

In Deutschland lebten nach dem jüngsten Mikrozensus 2015 rund 94.000 homosexuelle Paare zusammen, 43.000 von ihnen in eingetragenen Lebenspartnerschaften. Laut einer Umfrage unter Standesämtern gibt es bislang mehr Anmeldungen für Umwandlungen bestehender eingetragener Lebenspartnerschaften als für neue Eheschließungen. 
In den Eheregistern kann die gleichgeschlechtliche Ehe übrigens erst vom 1. November 2018 an richtig erfasst werden. Bis dahin gibt es dort laut Innenministerium nur die bisherigen Einträge "Ehemann" und "Ehefrau". Das heißt, bei schwulen und lesbischen Paaren wird vorerst jeweils einer der beiden an falscher Stelle einsortiert. Gerhard Bangert vom Bundesverband der deutschen Standesbeamten spricht von einem Versäumnis im Gesetzgebungsverfahren.

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