Erst Italien – dann Frankreich

"Ich denke, wir waren die bessere Mannschaft. Aber es war trotzdem ein harter Kampf. Der Elfmeter ist blöd.

Ich wollte die Hände weglassen, damit es kein Foul ist, aber bekomme sie nicht mehr runter“. Diese Kurzanalyse von Jérôme Boateng nach dem unfassbaren Viertelfinal-Krimi gegen Italien kann man nur unterschreiben. Und vielleicht noch etwas ergänzen: es war sicher nicht das beste Spiel einer deutschen Nationalmannschaft. Aber eines der spannendsten. Von der Taktik geprägt. Dreier- statt Viererkette. Beide Mannschaften wollten vor allem das Spiel des Gegners zerstören. Bereits im Aufbau. Und so waren gefährliche Torraumszenen eher Mangelware. Die Reporter sprechen in einem solchen Fall inzwischen von „Anschauungsunterricht für Fußballästheten“. Was übersetzt nichts anderes heißt wie: Die Teams neutralisieren sich im Mittelfeld und als Höhepunkt zeigt die Statistik 60:40 Prozent Ballbesitz für Team A. Was natürlich keinem weiterhilft, aber inzwischen einfach dazu gehört zum modernen Fußball. Auch dass Team A nach 70 Minuten 2,8 Kilometer weiter gelaufen ist, was – so der Reporter im Brustton der Überzeugung - „natürlich so zu erwarten war aufgrund der Spielanlage“. Auch eine Aussage aus der Schublade „heiße Luft“. Aber ganz egal: Jogis Jungs haben den „legendären Italien-Fluch“, den es ja laut Interviews ohnehin nie gegeben hat, überwunden. Sie stehen im Halbfinale, nach 18, teils furchtbar peinlichen Elfmetern. Auf beiden Seiten. Gut, es lastet ein unwahrscheinlicher Druck auf jedem einzelnen Schützen. Oder wie es der Kurt immer ausdrückt: „Der Doorward hadds laichd, dä konn blos gewinna“. Aber trotzdem: Man kann vom Punkt ruhig mal an den Pfosten schießen – wie Özil – oder über das Tor – wie Schweinsteiger. Aber Zirkuselfmeter wie von Thomas Müller oder den italienischen Penalty-Clowns Simone Zaza und Graziano Pellè wirken arrogant – wenn man trifft – und lächerlich, wenn man an den eigenen Nerven scheitert.

Letztendlich scheiterten die Italiener am Samstag einmal mehr als die Deutschen. Hektor erlöste die ganze Nation, der Jubel auf dem Feld und im ganzen Land kannte danach keine Grenzen. Das war schon auf Europameister-Niveau, doch bis zum finalen Party-Showdown fehlen noch zwei Siege. Am Donnerstag wird erst einmal Gastgeber Frankreich – der den Publikumslieblingen aus Island am Sonntag relativ humorlos mit 5:2 die spielerischen Grenzen aufzeigte – alles daran setzen, um dem amtierenden Weltmeister ein Bein zu stellen. Die „grande nation“ hat sich nach einem verhaltenen Turnierstart und viel Kritik der eigenen Fans gegen die „Wikinger“ richtig in Spiellaune geschossen und ist ein harter Prüfstein für Jogis Jungs. Hummels (Gelbsperre), Khedira und Gomez (verletzt), Boateng (angeschlagen) – die „Schlacht von Bordeaux“ hat ihre Opfer hinterlassen.

Doch alles Jammern nutzt nichts. Am Donnerstag muss im Halbfinale wieder einmal jeder für jeden kämpfen, gegen eingespielte und individuell bestens besetzte Gastgeber und gegen das Publikum in Marseille. Das kennen wir doch irgendwoher. Es Schorschla gerät ins Träumen: Die Erinnerung an Belo Horizonte, an das WM-Halbfinale 2014. Auch da traf Deutschland auf die Heimelf, spielte die Halbzeit des Jahrhunderts und bezwang Brasilien mit 7:1 – längst Stoff für jedes Fußballmuseum.

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