Die Schattenseiten einer Sonnenscheinstadt

Es ist schon ein witziges Phänomen. Wir Bamberger, es Schorschla eingeschlossen,

sind ja furchtbar stolz auf unsere Heimatstadt. Das Bier. Die Bauwerke. Der Blues. Der Basketball. Und und und. Am Stammtisch, bei Partys und auf Reisen schwärmen wir ausgiebig und gerne von der „Traumstadt der Deutschen“ und empfehlen Auswärtigen besser heute als morgen einen längeren Aufenthalt im Welterbe einzuplanen. Bamberg ist eben immer einen Besuch wert.

Soweit, so gut. Doch jetzt kommt der kuriose Part der Geschichte. Bummeln wir dann am Samstag gemütlich durch die Fußgängerzone, dann regen uns die ganzen Touristengruppen plötzlich furchtbar auf – es Schorschla eingeschlossen. Wie sie wie beim „Rattenfänger von Hameln“ hinter ihrem Stadtführer gelangweilt herwatscheln, wie sie an den engsten Stellen der Stadt uns Einheimische aufhalten oder aber Dinge fotografieren, die aus unserer Sicht unfotogener gar nicht sein könnten. Das Leben und die Reiseerinnerungen sind eben alles Ansichtssache!
      
Diese Stimmungsschwankungen zwischen offen zelebriertem Heimatstolz und unterschwellig ausgelebtem Besitzanspruch ist übrigens keine Bamberger Eigenart: Sie sind rund um den Globus zu beobachten. Was auch ein aktueller „Spiegel online“ Artikel genau beleuchtet. „Massentourismus. Wie Europas Städte gegen Überfüllung kämpfen“ ist dieser überschrieben und seine Kernaussage lautet: „Tolle Städte eint ein Problem: In ihren Gassen drängen sich zu viele Touristen.“

Ob auf dem Markusplatz in Venedig, der Promenade "La Rambla" in Barcelona, der Altstadt von Dubrovnik oder eben auch im Herzen des Bamberger Welterbes: Wo es schön ist, stehen sich die Touristen in der Hochsaison gegenseitig auf den Füßen. Wobei die Hochsaison vielerorts 365 Tage im Jahr andauert. Das nervt nicht nur die Reisenden, der ausufernde Massentourismus erzürnt auch die Einheimischen, bemerkt der Autor. Und noch ein Problem wird offen angesprochen: Durch Ferienwohnungen für Touristen geht Wohnraum verloren, die Mieten steigen, hinzu kommen der Lärm und der Müll, den Urlauber produzieren. "Die Einwohner haben das Gefühl, dass ihnen die Stadt nicht mehr gehört", erklärt Frans van der Avert, Chef von Amsterdam Marketing. Und diese Aussage könnte man auch von einem fränkischen Franz, Anwohner der Bamberger Altstadt, hören. 


Ja, es gibt inzwischen sogar einen neudeutschen Begriff für den auch auf der ITB in Berlin vieldiskutierten „Gäste-Gau“: Der "Overtourism" bereitet der Reisebranche auf der weltgrößten Touristikmesse mehr und mehr Kopfschmerzen. Gemeint ist der Punkt, an dem Gastfreundschaft und Heimatstolz umschlagen und Urlauber plötzlich als Plage betrachtet werden. "Schließlich schafft Tourismus Arbeitsplätze und Wohlstand und bekämpft die Armut - aber er sollte für jeden ein Vorteil sein", sagt Gloria Guevara, Präsidentin des Welttourismusverbandes WTTC. "Wir sind gefragt, an Lösungen zu arbeiten und nicht als Branche Opfer unseres eigenen Erfolges zu werden", mahnt auch der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft, Michael Frenzel.


Fest steht: Ein Patentrezept für jede betroffene Stadt oder Region gibt es nicht. "Wir fischen ein bisschen im Trüben und wissen noch nicht so wirklich, was wir machen sollen", räumt der Tourismusforscher Prof. Jürgen Schmude Schmude ein. Relativ einig ist man sich aber darin, dass eine clevere Lenkung der Besucher und Alternativen zu touristischen Hotspots besser sind als Verbote. Einfach wird das alles nicht. Denn die Asiaten - das ist auch eine Kernbotschaft der ITB 2018 - fangen mit dem Reisen weltweit gerade erst so richtig an. Der nächste Besucherrekord kommt bestimmt. Auch in Bamberg!

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