50 Jahre Geld aus der Wand

Die 68er sind legendär. Daran gibt es keinen Zweifel. Studentenproteste, Aufruhr der Jugend, freie Liebe, Rock’n’Roll; Beatles, Rolling Stones, Vietnamkrieg, Apollo 8 - der Mond erscheint erstmals zum Greifen nah

- die Attentate auf den  Bürgerrechtler Martin Luther King auf  Senator Robert F. Kennedy. Ja, 1968 war zweifellos ein turbulentes Jahr. Da kann es leicht passieren, dass bahnbrechende Erfindungen, die unser Leben bis heute entscheidend beeinflussen, nahezu in Vergessenheit geraten sind.  

So zum Beispiel der Bankomat, diese kleine Maschine, die wie von Geisterhand unser wohlverdientes, harterarbeitetes und auf dem Giro-Konto deponiertes Geld nach ein paar Knopfdrücken aus der Wand zaubert. Oder dem Keller. So genau hat das es Schorschla nie untersucht. Fakt ist aber:  Deutschlands erster Bankomat wurde vor 50 Jahren in Tübingen eingebaut. Eine grandiose Idee, die Bedienung ziemlich vertrackt und alles andere als vertrauenserweckend. Und so mieden die Kunden der Kreissparkasse Tübingen lange Zeit diesen stummen Finanzdiener.

 

Was heute selbstverständlich ist, war damals eine Sensation. Am 27. Mai 1968 wurde der klobige Metallkasten in die Außenmauer der Bankfiliale eingebaut - wie ein Banktresor, der sich nach draußen verirrt hatte. Darauf stand nur ein Wort: "Geldausgabe".
"Diese Einrichtung", berichtete das örtliche "Schwäbische Tagblatt" in einem nüchternen Zweispalter, sei "die erste ihrer Art in der Bundesrepublik". Sie diene dem Zweck, den Bankkunden bei der Geldbeschaffung "größtmögliche Bequemlichkeit" zu bieten.

Nur für die jüngeren WOBLA-Leserinnen und –Leser. Bargeldloses Bezahlen und Smartphone-Apps waren damals noch nicht einmal eien Utopie, selbst  Magnetstreifen, auf welchen Informationen auf einer EC-Karte gespeichert werden konnten, waren kühne Zukunftsmusik. So brauchten die Kunden - neben Geduld und Geschicklichkeit - gleich drei Dinge, um an Deutschlands erstem Geldautomaten Bargeld zu erhalten: einen Doppelbartschlüssel, einen gelochten Plastikausweis mit den Maßen 10,4 mal 5,7 Zentimeter und einen Lochkartenscheck aus leichtem Karton, in dem Kontonummer sowie der Auszahlungsbetrag von 100 Mark eingestanzt waren..
Ach ja: 1888 hatte der US-Ingenieur Herman Hollerith die Lochkarte erfunden. Diese avancierte über die Jahre zum gebräuchlichen Medium zur Datenspeicherung bei Computern. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, der sich es Schorschla vielleicht bei Gelegenheit einmal ausführlich widmen wird.


Und noch ein netter Hinweis zum Abschluss: Den Anstoß für einen Bankautomaten – wie sollte es anders sein - gab ein Schotte: John Shepherd-Barron, Manager einer Firma, die Banknotenzählautomaten herstellte. Er wollte im Frühjahr 1965 einen Scheck gegen etwas Bargeld fürs Wochenende einlösen. Seine Bankfiliale hatte jedoch gerade geschlossen. Da geriet Shepherd-Barron ins Grübeln: Wenn es Automaten gab, aus denen man Schokoriegel, Nylonstrümpfe der Nudelsuppe ziehen konnte - warum sollte das nicht mit Geld möglich sein? Die Schecks, mit denen der Automat gefüttert wurde, waren mit dem schwach radioaktiven Kohlenstoff-Isotop 14C behandelt, um darauf Informationen zu speichern - gesundheitlich völlig unbedenklich, versicherte der Erfinder. Die Kunden identifizierten sich mit einer vierstelligen Geheimzahl. Der Automat prüfte die Schecks, behielt sie ein, entwertete sie. Dafür bekam der Kunde pro Scheck maximal zehn britische Pfund (etwa 55 Euro). Das war "damals mehr als genug für ein wildes Wochenende", erzählte Shepherd-Barron später der BBC.

 

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