Sonnengruß mit Seidla

Am Donnerstag war es wieder einmal soweit: Der Weltyogatag stand im Kalender.

 

Was früher – also noch vor knapp zehn Jahren – hierzulande keinen Menschen interessiert hat, ist im Jahr 2018 ein Event. Ähnlich wie Halloween oder auch der St.-Patrick’s-Day, wie Valentinsday oder auch der „Black Friday Shopping Day“. Der Globalisierung sei Dank!
    
Aber zurück zum Yoga. Was einst mit dem Sonnengruß (Surya Namaskara), dem Lotussitz (Padmasana) oder dem Kopfstand (Sirsasana) bekann, ist heute ein zumindest für den Nichtyogi unüberschaubares Milliardengeschäft geworden. Es gibt im Grunde nichts, was nicht in Verbindung mit der Jahrtausende alten asiatischen Körperkunst angeboten wird. Denn neben den vier klassischen indischen Yogawegen „Raja Yoga“ - die meditativ orientierten Stufen des Achtgliedrigen Yoga nach Patanjali - Jnana Yoga - Yoga der Erkenntnis und intellektuellen Richtung – dem Karma-Yoga - (Yoga der Tat und des selbstlosen Handelns – sowie dem Bhakti-Yoga  - Yoga der Liebe/Verehrung/Hingabe an Gott – werden auch Kurse zum Nackt-, Bondage- und Heavy-Metal-Yoga, ja selbst eine fränkisch anmutende Variante namens „Bieryoga“ angeboten.
Es Schorschla ist gerade bei letztgenanntem Angebot hellhörig geworden, um dann nach einer kurzen Recherche im Internet ernüchtert die Segel zu streichen. Denn trotz der Tatsache, dass anno 2018 Hunderttausende Deutsche regelmäßig mit einer bunten Gummimatte unterm Arm zur Selbstfindung und Entspannungslektion pilgern um den Geist zu entspannen, den Körper zu lockern und das Leben zu entschleunigen, so birgt diese Freizeitbeschäftigung doch auch etliche Gefahren.
2009 befragten Forscher erstmals Yoga-Lehrer, Yoga-Therapeuten und Mediziner in einer großen Studie zu den Risiken der Körperkunst. Ein Großteil der 1336 Spezialisten aus 35 Ländern bewertete dabei falschen Ehrgeiz als die größte Gefahr, gefolgt von einer schlechten Anleitung und einer falschen Technik. Der Nacken, der untere Rückenbereich, die Schulter, das Handgelenk und das Knie werden demnach am häufigsten verletzt.
Zwingen sich gesunde Yoga-Schüler in wacklige Positionen, holen sie sich im schlimmsten Fall einen ordentlichen Muskelkater. Mitunter leiden die Yoga-Schüler jedoch auch unter Vorerkrankungen, ohne es zu wissen. Dann können übertriebene Dehnungen und Drehungen verschlimmern, was sonst nicht zutage getreten wäre. "Wenn jemand von einer Vorschädigung der Wirbelsäule nichts weiß und seinen Rücken dehnt, ohne ihn vorher zu kräftigen, kann einem Bandscheibenvorfall Vorschub geleistet werden", sagt Beßler.
Dabei trifft es besonders häufig den Nacken und den unteren Rückenbereich: "Hals- und Lendenwirbelsäule werden im Alltag stark gefordert", sagt Klaus Völker, Leiter des Instituts für Sportmedizin am Universitätsklinikum Münster. "Die Lendenwirbelsäule etwa zeigt häufig schon im zweiten Lebensjahrzehnt Abnutzungserscheinungen. Da kann es bei Über- und Fehlbelastungen schon passieren, dass eine Bandscheibe zerquetscht wird oder Teile herausgedrückt werden."

Yoga-Risiken ließen sich einfach minimieren, indem die Schüler auf ihre körperliche Grenzen achten. Deshalb sei eine gute Anleitung das A und O. Dabei ist darauf zu achten, dass der Begriff „Yoga-Lehrer“ hierzulande nicht geschützt, die Hausfrau um die Ecke kann sich nach einem Wochenendkurs genauso nennen wie ein Guru nach einer jahrzehntelangen Ausbildung in Indien. Ein guter Lehrer sollte seine Schüler nach Vorerkrankungen fragen und Rücksicht auf ihre körperliche Verfassung nehmen. Außerdem sollte er oder sie gerade bei Anfängern den Kurs überblicken können und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Kein Leistungsdenken, ehr Wohlfühltipps, Korrekturen bei den Übungen selbst, manchmal nur winzige Details, denn nur so kommen Körper und Geist langsam aber sicher ins Gleichgewicht.
Wichtig zu wissen: »Yoga« bedeutet »Vereinigung«, ursprünglich die Vereinigung des individuellen Bewusstseins (oder der Seele) mit dem universellen Bewusstsein (oder dem Geist). Obwohl viele Leute unter Yoga nur Körperübungen verstehen – die Asanas oder Körperhaltungen, die in den letzten Jahrzehnten weit verbreitete Popularität gefunden haben –, stellen diese in Wirklichkeit nur den oberflächlichsten Aspekt dieser tiefgreifenden Wissenschaft dar, die dazu dient, das unendliche Potenzial von Geist und Seele des Menschen zu entfalten. Zweifellos ein lohnendes Ziel für uns alle – mit oder ohne ein frisch gebrautes fränkisches Bierchen. 

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