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"Minibar" mal ganz anders

Das Wort „Diskriminierung“ ist derzeit in aller Munde. Nicht zuletzt

 

nach der als „Generalabrechnung“ titulierten Özil-Twitter-Trilogy wird im Lande diskutiert, wer und warum sich manche Menschen für etwas Besseres halten und unbedarfte Mitmenschen mobben. Auf der anderen Seite wird auch darüber debattiert, wie empfindlich der eine oder andere reagiert, wo Diskriminierung überhaupt beginnt und welche Lösungen für ein sinnvolles Miteinander in Sicht sind.

Frauen. Flüchtlinge. Fußballer. Und jetzt auch noch Festival-Liliputaner? Ja, Sie haben richtig gelesen.
Bei einem Festival am Niederrhein betreiben Kleinwüchsige eine "Minibar", an der "Kurze" verkauft werden. Eine Meldung, welche dem Schorschla beim ersten Lesen schon ein breites Lächeln ins Gesicht zauberte. Offensiv mit dem Anderssein umgehen und auch noch eine witzige Note mit ins Spiel bringen. Warum nicht? Doch was die Veranstalter für eine kluge Art halten, um mit Diskriminierung umzugehen, empört Inklusionsaktivisten.

Dazu vorab etwas Hintergrundwissen: Wer das Parookaville-Festival kennt, weiß, dass dort abwegige Ideen zum Konzept gehören. Auf dem Gelände des angesagten Elektromusik-Events in Weeze am Niederrhein steht immer eine fiktive Kleinstadt. Zehn Bühnen, umringt von Rathaus, Kirche, Postamt, Gefängnis. Und dieses Jahr gibt es eine Neuheit, die „Wacky Shack“.

Der ehemalige Flughafenbunker fungiert als "Klub ohne Regeln" für bis zu 150 Feiernde. Streit gibt es nun um den dortigen Getränkeausschank: Betrieben wird die "Minibar" von mehreren Kleinwüchsigen, ausgeschenkt werden Kurze, also Schnäpse. Die Idee sei geschmacklos und torpediere jahrelange Bemühungen um Inklusion, schimpft der 27-Jährige Michel Arriens, selbst kleinwüchsig. Er gehe häufig tanzen und werde immer wieder angegafft, fotografiert und sogar ausgelacht. Arriens spricht von einer "Zurschaustellung".
Die Betreiber des Parookaville weisen das zurück. Niemand werde zur Schau gestellt, sagt Festivalsprecher Philipp Christmann. Kleinwüchsige an einer 80 Zentimeter hohen Theke Kurze ausschenken zu lassen, sei auch gar nicht die Idee der Festivalorganisatoren gewesen - sondern die der Kleinwüchsigen: "Die engagieren sich als Kleinwüchsige selbst als Künstler", sagt er. Es geht im Kern um zwei Fragen: Können Kleinwüchsige, von denen es in Deutschland etwa 100.000 gibt, sich selbst diskriminieren? Und müssten sie und andere Betroffene dann davor geschützt werden, auch gegen ihren Willen? So sieht es jedenfalls der, der nach eigenen Angaben mehr als 3500 Mitglieder vertritt. Kleinwüchsige sind laut BKMF Menschen, die aufgrund einer der etwa 650 Kleinwuchsformen auch als Erwachsene nicht größer werden als 150 Zentimeter.

Arriens verweist noch auf andere gesellschaftliche Minderheiten. "Wie wäre es, wenn da Schwarze in Dschungelkostümen Schokoküsse verkaufen?", sagt er, "da könnte man ja auch mit Humor argumentieren." Und weiter: "Wir müssen als Gesellschaft ja auch keinen Sexismus akzeptieren, nur weil einige Frauen sich freiwillig für Werbekampagnen ausziehen."
Barkeeper Gatzweiler weist diese Kritik zurück: "Ich halte den Vergleich für total abwegig." Seiner Meinung nach sei die "Minibar" eine Kunstform: "Natürlich polarisieren wir", sagt er, aber das sei ja auch Sinn der Sache. "Kunst muss übertreiben, um Erfolg zu haben." Seine Kleinwüchsigkeit gehöre zu seinen Talenten, und die wolle er als Künstler in seine Arbeit einbringen.

Übriegns: Nach einer Prüfung der Angelegenheit und einem Gespräch mit der Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinde hat das Ordnungsamt die "Minibar" für zulässig erklärt. Die Debatte aber dürfte gerade erst begonnen haben.

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