Gefährliches Planschen

Fürs Schorschla ist es im Grunde unfassbar. Nahezu täglich hört man in den Nachrichten von tödlichen Badeunfällen.

Die derzeitige Hitzewelle lockt Groß und Klein ins Wasser, etwas Abkühlung muss
einfach sein. Doch das Problem: Immer weniger Kinder können heutzutage richtig schwimmen. Experten beklagen schon seit einiger Zeit, dass Schüler zu wenig Schwimmunterricht erhalten.
Häufig ereignen sich Badeunfälle wegen Leichtsinn, einer hohen Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung, erklärt Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in einer
vorläufigen Sommerbilanz. Aber auch Eltern, die sich in Wassernähe mehr mit ihrem Handy beschäftigen, als auf ihre Kinder zu achten, bereiten der DLRG Sorgen. Seit Jahresbeginn sind schon
mehr als 300 Menschen beim Baden ums Leben gekommen. Zu den Todesopfern zählten mehr als 20 Kinder unter 15 Jahren und über 40 junge Frauen und Männer zwischen 16 und 25 Jahren. Einige Beispiele
der vergangenen Tage: Auf der niederländischen Insel Texel ertrinkt ein Vater, der seinen Sohn retten will, als dieser beim Schwimmen in Not geraten war; An der Ostsee wurden zwei Badegäste
leblos am Ufer entdeckt, Wiederbelebungsversuche scheiterten; Im bayerischen Marktredwitz kam ein siebenjähriger Junge beim Baden um; In Münster stirbt ein Mann nach dem Sprung in den
Dortmund-Ems-Kanal. Bäderschließungen, fehlender Schwimmunterricht an Grundschulen sowie ein mangelndes Engagement der Eltern, ihren Nachwuchs bis zum Schwimmabzeichen Bronze zu bringen, sind häufig genannte
Kritikpunkte der DLRG. Hinzu kommen Flüchtlinge, die laut DLRG eine besondere Risikogruppe darstellen. Denn in vielen Herkunftsländern gehöre das Schwimmenlernen einfach nicht zum Aufwachsen dazu.
Das beste Alter, um schwimmen zu lernen, ist ungefähr fünf Jahre“, erklärt die 48-Jährige Schwimmlehrerin Sandra Rother. In ihren Kinderkursen beobachtet sie zudem zunehmend motorische
Schwierigkeiten – die Kleinen erzählen sich untereinander mehr von den neuesten Tablets und Smartphones als vom Klettern auf Bäume. „Die Eltern geben gerne die Verantwortung ab“, sagt sie.
„Viele Kinder waren vor dem Kurs noch nie in einem Schwimmbad.“ Sie befürchtet, dass die Situation sich weiter verschlechtert. „Heute können auch viele Eltern nicht richtig schwimmen und vermitteln die Angst vor
dem Wasser.“ Was es Schorschla besonders erschreckend findet, ist die Tatsache dass rund ein Viertel aller Grundschulen in Deutschland keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad hat. Der Bundeselternrat
plädiert länderübergreifend für mehr Schwimmunterricht. „Die Politik muss ihre Aufgaben wahrnehmen und für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen. Hierzu gehören ausgebildete Lehrkräfte
ebenso wie entsprechende Lehrschwimmbecken“, sagt der Verbandsvorsitzende Stephan Wassmuth. Für Eltern ist es oft nervenaufreibend, überhaupt einen Schwimmkurs für ihr Kind zu finden. Bei Angeboten von Ver-
einen gibt es häufig Wartelisten – zuweilen dauert es zwei Jahre, bis ein Platz frei wird. Darüber hinaus sind gerade private Schwimmschulen oft teuer. „Eine systematische Förderung
gibt es leider nicht“, sagt Axel Dietrich, Bildungsreferent beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV) mit Blick auf ganz Deutschland. In einigen Bundesländern unterstützen Krankenkassen Eltern oder Anbieter beim
Schwimmunterricht. Auch Stiftungen und Betriebe engagieren sich, manchmal sogar der Staat. DSV-Bildungsreferent Dietrich ist überzeugt, dass es mit dem Vermitteln der Schwimmtechnik nicht getan
ist. „Vielen fehlen die notwendigen Kenntnisse über das eigene richtige Verhalten im Wasser“, sagt er. So seienMenschen in diesem Sommer ertrunken, weil sie nichts über die Wassertemperaturen
und Strömungen in dem jeweiligen Gewässer wussten oder weil sie mit einem plötzlichen Krampf im Bein mitten im See nicht umgehen konnten. Deshalb ein Tipp vom Schorschla: Langsam abkühlen bei
der Hitze. Und behalten Sie Ihre und am besten auch fremde Kinder immer im Auge. So wie „wir Alten“ es früher immer schon gemacht haben.

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