Organspende ohne Widerspruch

Das Thema Organspende erhitzt die Gemüter. Und das völlig zu Recht. Schließlich geht es um Leben und Tod und die Frage, wie man Menschen helfen kann, die seit Jahren verzweifelt auf ein passendes Spendeorgan warten.

Es Schorschla hat nach der provokanten, aber durchaus auch sinnvollen Forderung von Gesundheitsminister Jens Spahn, zukünftig die Rechtslage umzukehren zu wollen und jeden zum Organspender zu machen, sofern er dies zu Lebzeiten nicht ausdrücklich ablehnt habe, ein wenig recherchiert. Auf der Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) wird gleich im Einleitungstext die positive Einstellung zum Thema Organ- und Gewebespende in Deutschland gelobt. Derzeit sei diese mit 84 Prozent so hoch wie nie zuvor. Immer mehr Menschen besäßen zudem einen Organspendeausweis, waren es 2012 noch 22 Prozent, seien es im Jahr 2018 bereits 36 Prozent.

Auf der anderen Seite bemängelt die Deutsche Stiftung Organtransplantation, dass die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr mit 797 einen traurigen Tiefpunkt erreicht habe. Zwar freue man sich über eine Zunahme im ersten Halbjahr 2018, doch laut Spahn warteten im August rund 10.000 Menschen in Deutschland auf ein Spendeorgan. „Sich mit der Organspende auseinanderzusetzen, muss für uns alle zur Selbstverständlichkeit werden. Jeder sollte daher für sich eine Entscheidung treffen und diese auf dem Organspendeausweis dokumentieren. Viele haben das schon getan. Aber das reicht noch nicht. Deshalb wollen wir weiter Überzeugungsarbeit leisten. Zudem werden wir die Transplantationsbeauftragten in den Kliniken stärken und die Vergütung so verbessern, dass sich die Kliniken wirklich um dieses Thema kümmern.“
Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, weiß um den großen Informationsbedarf zu diesem Thema. „Es ist Ansporn für uns, diese Menschen bei ihrer Entscheidung zu unterstützen - mit einem breiten Informationsangebot im Rahmen der BZgA-Kampagne ‘Organspende - die Entscheidung zählt“, so Thaiss. Und weiter: „Von den Personen, die eine Entscheidung getroffen haben, stimmen die meisten - 72 Prozent - einer Organ- und Gewebespende nach dem Tod zu, 14 Prozent widersprechen ihr, 9 Prozent übertragen die Entscheidung auf eine andere Person und 5 Prozent machen eine andere Angabe.

Spahn spricht sich für die sogenannte „Widerspruchslösung“ aus. "Nur so kann die Organspende zum Normalfall werden", erklärt der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung. Widerspruchslösung bedeutet, dass jeder automatisch als Organspender gilt - außer man selbst oder Angehörige widersprechen ausdrücklich. Bisher sind Entnahmen in Deutschland nur möglich, wenn jemand ausdrücklich zustimmt.
Eine solche Neuregelung stelle zwar einen Eingriff des Staates in die Freiheit des Einzelnen dar. Doch alle bisherigen Versuche der Politik, die Zahl der Organspender zu steigern, seien ohne Erfolg geblieben. Einen Gesetzentwurf werde er (Spahn) dazu aber nicht in den Bundestag einbringen, das Thema aber immer wieder in den Raums stellen.
Zur Steigerung der Spendenzahlen hatte Spahn bereits vor wenigen Tagen angekündigt, dass Transplantationsbeauftragte in Krankenhäusern mehr Zeit für diese Aufgabe bekommen und die Vergütung der Einrichtungen für den ganzen Prozess einer Organspende verbessert werden sollen.
Organspenden und Transplantationen sind eben auch ein großes Geschäft, so traurig das auch klingen mag. Und so gibt es selbstverständlich auch ein Transplantationsgesetz. Dieses schreibt vor, dass Krankenkassen und Krankenversicherungsunternehmen ihre Versicherten ab dem vollendeten 16. Lebensjahr alle zwei Jahre über die Möglichkeiten einer Organ- und Gewebespende informieren. Versicherte sollen hiermit unterstützt werden, eine informierte Entscheidung zur Organ- und Gewebespende zu treffen und sie im Organspendeausweis und/oder einer Patientenverfügung zu dokumentieren.
Ja, aus Schorschla-Sicht gibt es zu diesem emotionsgeladenen Thema im Grunde viel Für und wenig Wider, was auch eine intensive Lektüre eines Informationsblattes mit ausgewählten Studienergebnissen zeigt (Download unter www.bzga.de/presse/daten-und-fakten). Denken Sie einfach einmal darüber nach, wie sie zur Organspende stehen würden, wenn ein geliebter Familienangehöriger oder der beste Freund nach einem Unfall oder einer schweren Erkrankung auf eine lebensrettende Operation angewiesen wäre. Informieren Sie sich ausführlich auf Webseiten wie www.organspende-info.de und treffen eine Entscheidung. Es Schorschla sagt schon einmal Danke. Im Namen der derzeit 10.000 Patienten, die aktuell um ihr Leben ringen und für die ein passendes Spendeorgan die letzte Hoffnung bedeutet.

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