Einzelkämpfer statt Teamwork

Über die Gemeinsamkeiten Europas wird ja gerne diskutiert. Nicht nur an Stammtischen.

Was verbindet unseren Kontinent, wo liegen die unüberwindbaren Grenzen? Ist die Europäische Union eher ein Zweckbündnis oder stehen doch gemeinsame Werte im Vordergrund. Gerade in Zeiten eines Donald Trumps als US-Präsident mit seinem – nennen wir es einmal - äußerst individuellen und abwechslungsreichen Politikstil wäre doch das Gegengewicht eines geeinten Europas ein positives Zeichen für die ganze Welt. „Europe first“ als Antwort auf Trumps erfolgreichen Wahlkampfslogan „America first“.

Denkste! Österreichs Finanzminister Hartwig Löger wollte mit einem eigens entworfenen Anstecker versuchen, das Gemeinschaftsgefühl unter seinen europäischen Kollegen zu stärken. Deshalb ließ er beim Treffen der EU-Finanzminister am Freitag und Samstag in Wien einen blauen Pin mit eben jener Aufschrift verteilen: "Europe first".
Im Grunde eine schöne Idee, ein Zeichen des Zusammenhalts. Einziges Problem: Kaum einer der anwesenden Zentralbankchefs und Minister wollte den Pin zum Familienfoto anstecken - auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) verzichtete.
Löger sagte, er habe den Pin "bewusst" für das Finanzministertreffen entwickelt. Dort wurde hart um die Einführung einer stärkeren Besteuerung von großen Internet-Konzernen in Europa gerungen, von denen die meisten aus den USA stammen. Der Pin solle zum Ausdruck bringen, "dass wir versuchen, nicht auf nationaler, individueller Ebene die Diskussion zu führen", so Löger, der für die konservative ÖVP in der Wiener Regierung ist. Es sei vielmehr "der Appell, sich daran zu erinnern, dass Europa eine Gemeinschaft ist und wir nur gemeinsam die Stärke haben, auf globaler Ebene dann auch Diskussionen zu führen".
Klingt alles sehr gut. Doch Europa ist eben anders. Individueller. Komplizierter. Da möchte man auf der einen Seite auf keinen Fall auch nur den Hauch von Nationalismus nach außen tragen. Keine unnötigen Angriffspunkte. Lieber ein bisschen Weichspülmodus und ein Maximum an Diplomatie. Floskelpolitik ohne Fakten, nur nichts sagen, was man später überprüfen könnte. Für eine bessere Welt, die Krisenherde unserer Erde vor Ort entschärfen. Fluchtursachen bekämpfen? „Ja, natürlich!“. „Alle an einem Strang ziehen!“ „Das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen.“ Und natürlich: „Unseren Erben einen sauberen und lebenswerten Planeten hinterlassen“. Was dann dazu führt, dass wir in Hamburg Straßen für Dieselfahrzeuge sperren und gleichzeitig im Hafen fünf große Kreuzfahrschiffe die Leinen festmachen. Ja, Sie haben Recht. Es Schorschla schweift vom ursprünglichen Thema ab. Fakt ist aber: Wenn es drauf ankommt, ist sich jeder selbst am Nächsten. Leider. In Amerika wie in Deutschland, in Frankreich oder sonstwo auf unserem Globus. Und vor allem in unserem wunderbaren und in unzähligen Agendas vereinten Europa.
Die Sticker haben die Finanzminister übrigens sofort in die Taschen gesteckt beziehungsweise dort versteckt. Und zu Hause werden sie diese vielleicht beim nächsten Familientreffen ihren Enkeln schenken und diesen dann erklären, wie wichtig die Europäische Idee und ein Zusammenhalt auf dem gesamten Kontinent sein wird. Eben „Europe first“. Eine schöne Show!

 

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