Süchtig nach Gold? Ach was!

Seit Samstagmorgen brennt das olympische Feuer in Rio de Janeiro. Das größte Sportereignis auf unserem Globus

 

liefert seither herrliche Bilder, Emotionen pur, mal tränenreich, mal himmelhochjauchzend. Postkartenidylle, wo immer man hinblickt: Mal zur Christus-der-Erlöser-Statue, die hoch oben auf dem Berg Corcovado mit ausgebreiteten Armen über dem Geschehen thront, mal Cobacabana-Flair mit weißen Sandstränden, Palmen und gebräunten, wohl definierten Körpern.
Vergessen wir an dieser Stelle einmal die ganzen dubiosen Dopingermittlungen und den oftmals blamablen Umgang der Funktionäre mit diesem Thema. Wie große Wasserbomben wird da ständig die Verantwortung von einem Komitee zum nächsten hin und her geworfen, man müsse hart durchgreifen, im Grunde alle Betrüger sperren, aber es sei eben nicht endgültig geklärt, wer sich was gespritzt habe. Und so dürfen dann Athleten, denen die Steroide schon aus den Pupillen quellen, doch noch in letzter Sekunde starten – was wieder die vermeintlich sauberen Athleten zur Weißglut bringt. Olympische Spiele sind eben ein Milliardengeschäft. Nein, viel mehr: Es ist Politik! Und damit oftmals undurchschaubar, manchmal etwas korrupt und fern jeder Logik.
Aber egal: Wir widmen uns lieber den sportlichen Geschichten. 206 Nationen sind am Samstag ins legendäre Maracana-Stadion eingelaufen, die Veranstalter präsentierten eine geschichtsträchtige, bunte Show, viel Partyatmosphäre, wunderbare Tanzeinlagen und ein spektakuläres Abschlussfeuerwerk – 75.000 Zuschauer vor Ort und rund eine Milliarde Menschen vor den Bildschirmen sind bei diesen Choreographien begeistert.
Seither gibt es unter dem Zuckerhut für die Deutschen Reporter eigentlich nur eine Frage: Wann hängt das erste Edelmetall um einen deutschen Hals?  In den ersten Tagen platzten alle Hoffnungen, auch die, welche die Journalisten eigentlich im Eifer des Gefechts erst selbst aufgebaut haben. Aber auch das ist im Grunde egal, denn es sind die Geschichten am Runde – ohne Edelmetall – die wirklich berichtenswert sind.          
Wie zum Beispiel der Auftritt und die sportliche Einstellung des Kunstturners Andreas Toba. Im Mannschaftswettbewerb am Boden reißt dem deutschen Mehrkampfmeister das Kreuzband, das Adrenalin schießt in seinen Körper. Doch Toba gibt nicht auf, steigt wenig später auf das Pauschenpferd, turnt die beste Übung der gesamten Mannschaft und sichert dem Team so die Qualifikation für den Endkampf. Danach fließen die Tränen in Strömen. 
Wie es ihm geht, fragt ein Reporter nach diesem heroischen Auftritt. „Mein Herz blutet. Es fühlt sich noch immer wie ein Traum an, aber es ist die Realität. Der Traum ist geplatzt, aber so wollte ich mich nicht von der Olympia-Bühne verabschieden“, so Toba. Nächste Frage: „Wie war das mit den Schmerzen? Toba: „Das Knie hat schon ganz schön hin und her geklackert. Ich hatte bei den Scheren am Anfang Probleme. Jedoch musste ich mit der Übung so sehr kämpfen, dass ich den Schmerz ziemlich gut verdrängen konnte“.
Beim Finale der besten acht Nationen landeten die Deutschen übrigens auf Platz sieben. Marcel Nguyen, Lukas Dauser, Fabian Hambüchen und Andreas Bretschneider gaben am Montag ihr Bestes, Japan sicherte sich den Titel.  Andreas Toba stand 15 Meter Luftlinie entfernt neben den Betreuern und Trainer Andreas Hirsch und streckte mit einem Lächeln den Daumen in die Höhe, als sein Name vom Hallensprecher verlesen wurde. Auf Krücken gestützt. Die Nummer 144, der "Hero de Janeiro", wie er von „Spiegel online“ betitelt wurde. 
"Das war ich der Mannschaft schuldig", ist Toba überzeugt. Und wird nach jeder Übung von seinen Mannschaftskollegen geherzt. Ja, es geht in Rio de Janeiro in den nächsten Tagen nicht nur um Siege und Medaillen. Es geht um den Sport, um Teamgeist, um die Verständigung der Nationen, um Freude, Spaß, große Leistungen und vorbildhaftes Verhalten. Passend dazu das Statement von Turn-Cheftrainer Andreas Hirsch: "Jeder hat gesehen, dass wir nicht mit vielen Reserven ausgestattet waren. Insofern und in Anbetracht der Entschlossenheit und des Teamgeistes sind wir sehr zufrieden mit dem Wettkampf." Auch ohne Edelmetall. Und das völlig zu Recht. Es Schorschla hat seinen Sportler des Jahres bereits gewählt: Andreas Toba. Nur leider werden das die stimmberechtigten Funktionäre und Journalisten völlig anders sehen. Da zählen dann eben doch wieder nur die große Siege!

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