Ein „Bätschi“ nach Berlin

CSU und SPD verlieren zweistellig, die FDP rutscht mit 5,1% hauchdünn in den Landtag, die Grünen feiern mit 17,5% das beste Ergebnis aller Zeiten,

die Freien Wähler werden Markus Söder mit ihren 11,6% wohl das Regieren im Freistaat ermöglichen und die AfD startet von 0 auf 10,2%. So weit, so gut. Oder schlecht. Politischer Erdrutsch! Bayerisches Bundesbeben. Watschn-Wahl. Der Freistaat aus den Fugen? So oder ähnlich titelten am Montag führende Medienhäuser. Große Aufregung landauf, landab. Dabei bewegt sich das Ergebnis der bayerischen Landtagswahl doch sehr nahe an den Prognosen und Umfragen der vergangenen Tage. Und der irische Schriftsteller George Bernard Shaw erklärte bereits vor knapp 100 Jahren: „Die Demokratie ist ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden als wie wir es verdienen“.

Bei der letzten Landtagswahl am 15. September 2013 waren „die Schuldigen“ für vermeintliche politische Fehlentwicklungen schnell gefunden. Die Nichtwähler! Nur 63,6 Prozent gingen damals an die Urne, ein Skandal, waren sich die Volksparteien ausnahmsweise einmal einig. 2018 aber ganz andere Vorzeichen. 72,4 Prozent setzten am Sonntag ihre Kreuzchen, , vor den Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen, Wartezeiten bis zu einer Stunde wurden dafür auch in Bamberg in Kauf genommen. Zweifellos eine sehr positive Entwicklung. Richtig genutzt hat diese allen Erfahrungen zum Trotz aber eben nicht den Volksparteien. Der Schatten eines dilettantisch-geführten Berliner Zweckbündnisses namens GroKo wog einfach zu schwer, die Tatsache, dass CSU und SPD in Bayern nicht einmal gemeinsam die Mehrheit der Wähler auf sich vereinen konnten, ist für Merkel, Seehofer und Nahles ein möglicher K.O.-Schlag. „Bätschi“, würde wohl die SPD-Fraktionsvorsitzende kommentieren. „Voll auf die Fresse!“

Passend zur Hilflosigkeit der einstigen Volkspartei SPD sind auch die Rücktrittsforderungen namhafter bayerischer Sozialdemokratenen an die Adresse der Spitzenkandidatin Natascha Kohnen. Das sei ein „schmerzhaftes, niederschmetterndes, katastrophales Ergebnis“, schimpft beispielsweise der ehemalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. Er spricht von „erdrutschartigen, existenzbedrohenden Verlusten“ für seine Partei. „Der zweifellos problematische Bundestrend taugt auch nicht als Entschuldigung, da die Spitzenkandidatin gleichzeitig Vize-Vorsitzende der Bundespartei ist“, so Ude.
Die CSU ist mit eineinhalb blauen Augen davongekommen, die 37,5% sind nach den verheerenden Umfrageergebnissen der vergangenen Woche fast schon ein Erfolg. Inwieweit das Duell Söder vs. Seehofer noch weiter ausgefochten wird oder ob eines dieser christlichen Alpha-Männchen letztendlich kurz vor dem Untergang kapitulieren wird, steht noch in den Sternen. Aber es stehen uns alle turbulente Zeiten bevor, allerspätestens nach der Hessenwahl. Wahrscheinlich aber schon früher. Und ein Generationenwechsel ist längst überfällig. In Bayern wie in Berlin. Ein „weiter so“ mit CSU und Freien Wählern, was ja rechnerisch möglich und politisch gesehen am einfachsten umzusetzen ist, will das Volk nicht wirklich. Eines ist sicher. Das politische Leben in Bayern und Berlin wird sehr schnell viel bunter werden als wir es gewohnt sind. Ob es dadurch auch besser werden wird, bleibt abzuwarten. Es Schorschla drückt die Daumen und blickt gewohnt optimistisch in die Zukunft. Auch wenn es bei einigen Ergebnissen – gerade auch in Stadt und Landkreis Bamberg – nur ungläubig und verständnislos mit dem Kopf schütteln kann.

Bamberg aus einer ganz neuen Perspektive erleben!

Auf unserer mobilen Webseite haben wir ein kleines Schmankerl für Sie.
Besuchen Sie uns über Ihr Handy und erleben Sie Bamberg auf eine völlig neue Art.