Respekt haben sie doch alle verdient

Das war wieder einmal eine echte „Mia san mia“- Aktion! Polternd und mit grimmigen

 

Gesichtern ließen die Herren Hoeneß und Rummenigge kein gutes Haar an den Medien. "Heute (Also am Freitag, Anm. vom Schorschla) ist ein wichtiger Tag für den FC Bayern", eröffnete Rummenigge die halbstündige Gardinenpredigt. Mit hochroten Köpfen und voller Inbrunst erklärten die beiden FCB-Monarchen, wie guter Journalismus aus ihrer Sicht so auszusehen habe. Es sei einfach unterirdisch, wenn vermeintliche Nachrichtensender 12-Jährige Nachwuchskicker beim Training filmen und fragen, ob und weshalb der Bundestrainer nach dem Spiel gegen Frankreich entlassen werden müsse, schimpft Herr Hoeneß. Und hat damit völlig recht. Das geht nicht, das ist respektlos und hat mit gutem Journalismus nichts mehr zu tun …
Auch die Aussage von Karl-Heinz Rummenigge, dass so mancher seinen Spaß daran habe, den FC Bayern mal nicht als Tabellenführer zu sehen, ist sicher korrekt. So ist das eben bei Serienmeistern und Teams, die über Jahre eine Liga dominieren. „Wir werden uns mit diesem Tag diese herabwürdigende, hämische, faktische Berichterstattung nicht mehr bieten lassen. Ich möchte in diesem Zusammenhang mal an Artikel 1 des Grundgesetzes erinnern: 'Die Würde des Menschen ist unantastbar'. Ich weiß nicht, ob der Fußball da eine Sonderrolle einnimmt oder ob sich für den Fußball da eine eigene Gesetzgebung - von zumindest einigen Medien - erlaubt wird."

Wow. Unantastbar. Die Würde des Menschen? Oder der FC Bayern? Mensch Kalle, Mensch Uli. Ihr seid doch Vollprofis. Mit allen Wassern des Profis-Sports gewaschen. Und ihr nehmt doch auch kein Blatt vor den Mund. Seid stolz darauf, Eure Meinung frei von der Leber weg rauszuposaunen. In die geliebte Medienwelt. Auch zu Themen, die Euch erst mal nur wenig angehen. Zu Mesut Özil. Zu Joachim Löw. Zur Nationalmannschaft. Oder auch mal Borussia Dortmund. Ihr beide habt gemeinsam mit Lichtgestalten wie dem abgetauchten „Kaiser Franz“, Fußball-Spielern und –Trainern von Weltruhm über Jahr und Jahrzehnte eine einzigartige Marke aufgebaut. Und verliert jetzt – nach einem Fehlstart in die Saison und einigen schwächeren Spielen derartig die Nerven? Es Schorschla ist erstaunt. Wobei es in der Sache selbst großes Verständnis hat. Denn auch dem Schorschla missfällt seit Längerem die Art und Weise wie mit Politikern, Sportlern oder auch Firmenchefs – im Grunde allen öffentlichen Personen – in Prinz und TV so umgesprungen wird. Dem Schorschla fehlt dabei der Respekt, für mögliche reißerische Schlagzeilen werden gerne selbst einfachste Umgangsformen über den Haufen geworfen.
Aber – und genau hier fängt die Scheinheiligkeit dieser Pressekonferenz an: Wieso plädiert man für mehr Respekt, droht mit Gegendarstellungen und sonstigen Strafmaßnahmen, um Sekunden später den verdienten Ex-Spieler Juan Bernat in die Mangel zu nehmen. Uli Hoeneß wörtlich: "Als wir in Sevilla gespielt haben, war er alleine dafür verantwortlich, dass wir fast ausgeschieden waren. Und an dem Tag ist entschieden worden, dass wir ihn abgeben. Weil er uns fast die ganze Champions League gekostet hat“ Oder in Sachen Özil. Hoeneß: "Ich hätte nicht Dreck sagen sollen, sondern Mist. Ich wollte mit einer überspitzten Formulierung das Thema auf den Sport reduzieren."

Die Bayern haben am Samstag übrigens 3:1 gegen Wolfsburg gewonnen, die Kommentare und Berichte am Tag 1 nach der Medienschelte von „Karl-Uli Hoenigge“ waren neutral und besonnen. Selbst den spanischen Nationalspieler Juan Bernat lässt die harsche Kritik offenbar kalt. "Ja, ich habe davon gehört, aber ich habe darüber nichts zu sagen. Mir wurde schon als Kind beigebracht, dankbar zu sein", erklärt der 25 Jahre alte Außenverteidiger von Paris St. Germain nach dem 5:0-Erfolg am Samstag gegen SC Amiens. Zuvor hatten bereits seine Berater Stellung bezogen. "Ich glaube, dass die Aussagen des Präsidenten Hoeneß alles andere als glücklich sind und einem Präsidenten von einem großen Klub nicht gerecht werden", kommentiert Jose Tarraga in der "Bild"-Zeitung. Für Vicente Fores sind die Aussagen von Hoeneß "überaus unglücklich". "Vor wenigen Monaten war er nämlich noch derjenige, der mit dem Spieler um fünf weitere Jahre verlängern wollte." Und Tarraga ergänzt entspannt: "Wir haben stets gedacht und denken immer noch, dass Bayern ein großer Klub ist, in dem alle handelnden Personen professionell agieren. Ich denke, dass wir alle - aber vor allem der Präsident Hoeneß - darauf achten müssen, dass wir, wenn wir über Fußballer sprechen, dies mit Respekt tun". Dem ist nicht mehr hinzuzufügen.

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