Der Ritter und seine Affen

Expeditionsbericht nach 200 Jahren. Sonderausstellung im Naturkunde-Museum bietet bis

 

30. Dezember 2018 einen natur- und kulturhistorischen Exkurs. Vor 200 Jahren wagten zwei fränkische Naturforscher eine abenteuerliche Forschungsreise nach Brasilien. Der Zoologe Johann Baptist Spix und der Botaniker Carl Friedrich Philipp Martius bestiegen am 10. April 1817 im Auftrag von König Maximilian I. Joseph  in Triest die Segelschiffe einer österreichischen Brasilienexpedition. Ihre Aufgabe: die naturkundliche Erforschung des fernen Landes. Nach einer gefahrvollen Seereise erreichten sie am 14. Juli 1817 den Hafen von Rio de Janeiro. Drei Jahre lang bereisten sie das Land, nicht selten unter dem Einsatz ihres Lebens. Auf Maultieren durchstreiften sie die Savanne und die Halbwüsten, auf Lastschiffen folgten sie dem Amazonas. Dabei sammelten sie eine Unzahl von Tieren, Pflanzen und ethnographischen Objekten.
Nach ihrer Rückkehr begannen sie, die mitgebrachten Schätze wissenschaftlich auszuwerten. Spix blieben dazu nur noch sechs Jahre. Er verstarb am 13. Mai 1826 an den Folgen einer Tropenkrankheit, die er sich während der Brasilienreise zugezogen hatte. Sein Vermächtnis sind die zahlreichen Tierpräparate, die den Grundstock der heutigen Zoologischen Staatssammlung München bilden sowie die einschlägigen wissenschaftlichen Arbeiten über das mitgebrachte Material. Für seine großen Verdienste wurde Spix vom König in den Ritterstand erhoben. Seitdem durfte er sich Johann Baptist Ritter von Spix nennen.

Spix brachte aus Brasilien auch rund 40 verschiedene Affenpräparate mit, von denen manche Arten bis dahin noch unbekannt waren. Diese wurden von Spix erstmals beschrieben und jeweils mit Gattungs- und Artnamen benannt und publiziert. So wurden diese Präparate, die in der Zoologischen Staatssammlung München gehütet werden,zu sogenannten „Typusexemplaren“. Typusexemplare dienen auf immer und ewig für die eindeutige Identifikation einer Art und für ihre Abgrenzung gegenüber anderen Arten. Trotz ihres schlechten Zustandes werden diese Präparate auch heute noch immer wieder von Zoologen zu Vergleichszwecken herangezogen.

Vor zwei Jahren beschloss eine Gruppe von Münchener Künstlern die Spix`schen Affenpräparate im Andenken an die 200 Jahre zurückliegende Brasilienreise der beiden fränkischen Naturforscher detailgetreu in Gouachetechnik auf edles Papier zu bannen.  Aber nicht geschönt und aufgepeppt, sondern mit all ihren Rissen und Macken, die sich nach 200 Jahren eingestellt hatten, mit all dem skurrilen Charme, der von diesen ausgestopften Tieren ausgeht. Auch die präparatorischen Mängel, die sich vor 200 Jahren aufgrund damals fehlender technischer Voraussetzungen und Kenntnissen eingestellt haben, wurden dokumentiert. Zusammen mit den ebenfalls auf den Zeichnungen wiedergegebenen Sammlungsetiketten, welche den Wandel in der zoologischen Beurteilung und Einordnung der Spezies dokumentieren, stellen die Portraits nicht nur zoologische sondern gleichermaßen kulturhistorische Dokumentationen dar.
Die Kunstwerke, deren Herstellung 18 Monate in Anspruch nahm, waren zunächst in der Zoologischen Staatssammlung München ausgestellt. Nun werden sie im Bamberger Naturkunde-Museum präsentiert, zusammen mit vergleichbaren historischen Affenpräparaten aus der eigenen Museumssammlung sowie großen Leuchttafeln und einer filmischen Dokumentation des Bayerischen Fernsehens. Infobanner, die vom Botanischen Garten Erlangen realisiert wurden, beleuchten die abenteuerliche Brasilien-Expedition.

Der Grund für die ausführliche Würdigung von Spix im Bamberger Naturkunde-Museum sind nicht zuletzt die konkreten Bamberg-Bezüge des seinerzeit berühmten, heute jedoch weitgehend vergessenen Zoologen. Im nahegelegenen Höchstadt an der Aisch geboren, durfte Johann Baptist als begabtes Kind die Domschule in Bamberg besuchen, danach seine Ausbildung im Aufseesianum fortsetzen. Ihm war das Priesteramt bestimmt. Doch während seines weiteren Studiums in Würzburg und dem dortigen Kontakt mit dem berühmten Naturphilosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, fand er seine eigentliche Berufung in den Fächern Naturgeschichte und Medizin. Als Doktor der Medizin kehrte er nach Bamberg zurück, um einige Zeit als praktischer Arzt unter dem für Bamberg so bedeutenden Mediziner Adalbert Friedrich Marcus zu arbeiten. Kein Wunder, dass Spix auch das Bamberger Naturalienkabinett, heute Naturkunde-Museum, besuchte. 1808 wurde er schließlich auf Betreiben Schellings an die Königliche Akademie der Wissenschaften berufen.
Die Ausstellung ist bis zum 30. Dezember dieses Jahres im Naturkunde-Museum in der Fleischstraße 2 zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Informationen zu speziellen Führungen erhalten Interessenten unter Tel. 0951 – 8631249.

Bild: Studien zum Spix`schen Original des Rückenstreifen-Kapuzineraffen der Münchener Künstlerin Barbara Ruppel (Foto: Markus Unsöld).

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