„Merz spezial Dragees“ für Merkel?

Schuld ist Berlin. Nicht mehr. Nicht weniger. Da ist man sich einig. Zumindest bei den ehemaligen Volksparteien. CDU. CSU. SPD. Eigentlich egal. Wer regiert, verliert.

Das hat Bayern deutlich gemacht. Und Hessen am Sonntag bestätigt. Nichts geht mehr in Sachen GroKo. Andrea Nahles? Untragbar. Horst Seehofer? Unbelehrbar. Und die Kanzlerin? Unbeirrt. Bis Montagmorgen. Denn da hat sich Angela Merkel ans Mikrofon gestellt und ihre politische Abschiedstour eingeläutet. Kanzlerin, ja, das würde sie gerne bleiben bis 2021, dem Ende der aktuellen Legislatur-Periode. So sei es ja auch vereinbart. Danach ist aber Schluss, ein Rücktritt ohne Netz und doppelten Boden: Als Kanzlerkandidatin werde sie nicht mehr antreten. Und sie strebe auch kein anderes politisches Amt auf nationaler oder europäischer Ebene an. Punkt!

Zehn Prozent in Bayern, elf in Hessen. Die Verluste der Parteien mit dem großen „C“ haben nicht nur das Selbstbewusstsein der Union zertrümmert. Auch die „Wir schaffen das schon“-Mentalität von Frau Merkel bekam tiefe Risse. 18 Jahre lang stand „Angi“ an der Spitze der Christdemokraten, dieses Amt auszuführen, sei für sie bis heute eine "tägliche Ehre". Nun habe sie aber das "sichere Gefühl", es sei an der Zeit, ein "neues Kapitel aufzuschlagen". Eine Erkenntnis, die vielleicht etwas spät bei der „Frau mit der Raute“ kam. Aber nicht spontan, denn so schlecht die Landtagswahlen in Bayern und Hessen auch ausgefallen sind, ihr Entschluss sei bereits vor der parlamentarischen Sommerpause gefallen. Merkel erklärte der versammelten Presse, ihr Plan sei gewesen, ihren Abschied von der Parteispitze in der kommenden Woche bekannt zu geben. Die Entscheidung habe sie jetzt nur aufgrund der politischen Entwicklungen und Stimmungen eine Woche vorgezogen.

Offen übte Merkel auch harsche Selbstkritik an der von ihr geführten Großen Koalition. "Das Bild, das die Bundesregierung abgibt, ist inakzeptabel", so die Kanzlerin wörtlich. Das habe tiefere Ursachen als kommunikative und liege an der schlechten Arbeitskultur der GroKo. Der hessische CDU-Spitzenkandidat Volker Bouffier lobte bei der gemeinsamen Pressekonferenz seine Parteivorsitzende. Merkel habe eine "starke, noble und richtige Entscheidung" getroffen.

Wer aber erbt das Amt der Langzeit-Parteivorsitzenden? Unter allen Nachfolgekandidaten ist Kramp-Karrenbauer Merkel wohl am nächsten: Die 56-Jährige ist seit Februar CDU-Generalsekretärin - gewählt mit fast 99 Prozent der Stimmen. Oder Bundesgesundheitsminister und Merkel-Kontrahent Jens Spahn. Frisches Blut an der CDU-Spitze. Der 38-jährige Münsterländer ist Hoffnungsträger für viele, die sich eine Verjüngung der CDU wünschen und gleichzeitig auf konservative Positionen setzen. Auch der NRW-Ministerpräsident gilt als Merkel-Vertrauter. 2005 wurde er in Nordrhein-Westfalen Deutschlands erster deutscher Integrationsminister und machte mit vergleichsweise liberalen Aussagen zur Ausländerpolitik auf sich aufmerksam. Die "Bild"-Zeitung bringt mit Friedrich Merz ein ganz heißes Eisen ins Kanzler-Spiel, was zumindest die Börsianer sofort jubeln lässt. Mit Merz würde ein langjähriger Rivale Merkels ihre Nachfolge antreten – ein echter Umschwung in der CDU wäre mit dieser Personalie auf jeden Fall garantiert. Und vielleicht ist es genau das, was das Land jetzt braucht. Kein weiter so. Keine Rauten-Freundin. Ein echter Wechsel an der Macht. Ach ja, Sie haben natürlich recht. Es geht ja gar nicht am die Kanzlerschaft, sondern erst mal „nur“ um den Parteivorsitz. Aber diese beiden Ämter gehören doch zusammen, hat Angela Merkel über viele Jahre gebetsmühlenartig wiederholt. Und sind wir doch einmal ganz ehrlich: An eine Kanzlerin Merkel bis 2021 glaubt außer der aktuellen Amtsinhaberin doch keiner mehr wirklich. Da schaut es Schorschla doch gleich mal nach den Wettquoten bei den englischen Buchmachern ...

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