Ein bisschen Lärm muss sein

Nicht zuletzt durch die teils scheinheiligen Debatten rund um die Dieselaffäre(n)

 

rückte das Thema „E-Mobility“ in das Licht der Öffentlichkeit. Liegt tatsächlich in Fahrzeugen der Marke Tesla oder den verschiedenen e-Serien bekannterer Automobilhersteller die Zukunft der Fortbewegung? Wie umweltbewusst sind diese Antriebe überhaupt in der Praxis? Wie sieht ihre Öko-Bilanz tatsächlich aus? Fragen über Fragen, die je nach Lobbi-Zugehörigkeit und Weltanschauung unterschiedlichst beantwortet werden können. Im Grunde war man sich bislang nur in einem Punkt einig. Die neuen Elektro-Fahrzeuge überzeugen mit einer wunderbaren Laufruhe und erzeugen keinerlei Lärm – nicht mal beim Beschleunigen.
Mit dieser Ruhe ist aber nun Schluss. Es Schorschla ist in der vergangenen Woche beim Internetsurfen über die Überschrift „Elektroautos müssen künftig wie Benziner und Diesel klingen“ gestolpert. Denn die Stromer sind leise und speziell bei niedrigem Tempo bis 30 km/h nicht zu hören. Was vor allem für blinde Mitbürger eine große Gefahr darstellt. Die US-amerikanische Verkehrsbehörde NHTSA will herausgefunden haben, dass elektrische Fahrzeuge 37 Prozent häufiger in Unfälle mit Fußgängern verwickelt sind als ihre konventionellen Pendants.
Ab dem 1. Juli 2019 müssen neue Elektroautos in Europa mit einem sogenannten AVAS ausgerüstet sein. Die Abkürzung steht für Acoustic Vehicle Alerting System, also eine akustische Warneinrichtung. Ab dem Sommer 2020 ist ein solches System für alle neu in den Verkehr gebrachten rein batterieelektrischen Autos, sowie für Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge vorgeschrieben. Zu ihnen zählen nicht nur Pkw, sondern auch Nutzfahrzeuge mit vier oder mehr Rädern, ebenso Busse.
Das Gesetz basiert auf einer bereits im Jahr 2014 beschlossenen EU-Verordnung welche vorsieht, dass ein Geräusch bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h abgestrahlt wird. Der Ton soll einem Verbrennungsmotor nachempfunden werden und aus mindestens zwei Terzbändern bestehen, wobei ein Terzband unterhalb 1600 Hertz liegen muss, damit auch ältere Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit das Signal auf jeden Fall wahrnehmen können. Die Lautstärke muss minimal 56 dB(A) betragen und darf 75 dB(A) bei 20 km/h nicht übersteigen. Beim Beschleunigen des E-Autos soll der Ton von einer tiefen hin zu einer höheren Frequenz gehen. Rückfahrgeräusche sind verpflichtend, während Standgeräusche optional sind.
Die Weltblindenunion (WBU), die Europäische Blindenunion (EBU) und der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) haben auf internationaler Ebene über Jahre auf ein akustisches Sicherheitssystem gepocht.
Aktuell sind in verschiedenen E-Modellen bereits „Noise-Systems“ integriert. Über die Menüführung im Display lässt sich der Heulton deaktivieren, schaltet sich aber bei jedem Neustart wieder ein. Bei modernen Karbonkarossen, welche Außengeräusche nicht so wirkungsvoll abhalten wie altmodische Stahlmodelle, sind diese Töne auch im Fahrzeug recht präsent. Ein Manko, welches Mercedes nicht dulden wird. "Unser Anspruch ist es, den künstlich erzeugten Ton nicht nach innen gelangen zu lassen", sagt Michael Kelz, Baureihenleiter und Chefentwickler des EQC.

Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben in Deutschland etwa 1,2 Millionen sehbehinderte und blinde Menschen. Den Verbänden geht es aber gar nicht nur um Blinde. "Wir denken dabei auch an ältere Mitbürger und Kinder", sagt Gerhard Renzel, Leiter für Umwelt und Verkehr beim DSBV. Ebenfalls geschützt werden müssten "die vielen Jugendlichen, die, abgelenkt durch Smartphone und Kopfhörer, am Straßenverkehr teilnehmen". Und spätestens an diesem Punkt kann es Schorschla bei allem Verständnis für Mitbürger mit Handicap nicht mehr folgen. Denn es kann doch nicht sein, dass man künstlich Lärm in ruhige Fahrzeuge muss, um die Musik aus Kopfhörern bei abgelenkten Menschen im Straßenverkehr zu übertönen. Verrückte Welt!

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