Genug von Denkzetteln

So, das Volk hat entschieden. Sehr deutlich entscheiden sogar.  Zumindest

 

die Bürgerinnen und Bürger, die es interessiert hat. „Für den Hauptsmoorwald“. Mit gut 70 Prozent der Stimmen.  Die engagierte und erfolgreiche Bürgerinitiative (BI) feiert mit einem Gläschen Sekt. Und das völlig zu Recht, haben diese „Gallier“ in den letzten Wochen doch einiges in Bamberg bewegt. Sie haben das Großprojekt „Polizeiamt“ durch ihren Protest vom Hauptsmoorwald an den „Tännig“ vertrieben und sie haben sich gegen einen ursprünglich für Bamberg doch überdimensional bemessenen Gewerbepark aufgelehnt. Mit Erfolg!

So gibt es ihn also: Den Gewinner. Die BI. Aber wie viele Verlierer bleiben zurück? Die Stadt? Der OB? Der Stadtrat? Das lokale Handwerk? Oder vielleicht doch ganz Bamberg? Fragen, die zum jetzigen Zeitpunkt (noch) nicht beantwortet werden können. Denn der Sinn und Zweck dieser hochdemokratischen Abstimmung lässt sich erst in naher oder ferner Zukunft erkennen. Wie reagiert die BIMA? Kauft die Stadt das riesige, teils kontaminierte Gelände auch ohne lukrative Baupläne? Einigen sich die beiden Parteien – Sieger und Verlierer – doch noch auf einen sinnvollen Kompromiss? Oder dominieren erst einmal Neid und Missgunst, gepaart mit etwas Überheblichkeit und Schadenfreude? Oder übernimmt ein Privatinvestor die Regie, plant und realisiert einen neuen Stadtteil in Eigeninitiative?
Es Schorschla ist Vollblutdemokrat und sieht diesen Bürgerentscheid mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es freut sich, dass die Bürgerschaft in unserem Land die Mittel hat, um sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen. Nein, nicht mit uns! Dieses „sich wehren können“ ist ein Privileg, auf welches wir unglaublich stolz sein dürfen.
Wie alles im Leben hat aber genau dieser bürgerrechtliche Luxus auch seine Schattenseite. Denn wo verläuft die Grenze des Protests? Was ist Schikane, was ehrlicher Widerstand? Wobei wir das Thema Hauptsmoorwald längst verlassen haben. Wie weit darf eine Gewerkschaft in den Verhandlungen mit Arbeitgebern gehen, was sind die eigentlichen Aufgaben eines Betriebsrats? Möchten Sie eine Mobilfunkmast auf dem Dach Ihres Nachbarn oder die ICE-Trasse am eigenen Gartentürchen?
Diese Liste ließe sich endlos weiterführen und sie macht deutlich, dass es immer mehrere Wahrheiten gibt, unzählige Blickwinkel auf ein und dasselbe Projekt. Ja, es soll auch Menschen geben, denen es am Sonntag bei ihren Kreuzchen überhaupt gar nicht um Bäume, Altlasten oder die Zukunft unserer Weltkulterbestadt gegangen ist. Sie wollten vielmehr „einen Denkzettel verpassen“, Herrn Starke, verschiedenen Lokalpolitikern, vielleicht auch der Stadt im Gesamten. Ohne Rücksicht auf Verluste – einfach mal so. Volle Breitseite. Wie schnell dabei der gute Umgangston verloren geht, konnte man auf Facebook in den letzten Tagen manchmal sogar live und in Echtzeit mitlesen.
Es Schorschla appelliert an dieser Stelle an alle Beteiligten. Das gesamte Thema MUNA und die Entwicklung dieser Fläche sind einfach zu wichtig, um sie zum Schauplatz kleingeistiger Provinzpolitikduelle zu machen. Vielmehr können beide Parteien in den kommenden Tage und Wochen Größe beweisen und am runden Tisch einen sinnvollen, naturnahen und zukunftsweisenden Kompromiss aushandeln. Denn wenn man jetzt aus Sturheit, Neid und taktischem Kalkül wichtige Entscheidungen auf die lange Bank schieben wird, bleiben am Ende nur Verlierer zurück. Und das hat Bamberg nicht verdient!

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