Kein Orkan, nur ein paar Böen

„Also jetzt mal ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass wir das wirklich schaffen werden“. Ein derartiger Satz strahlt einfach kein großes Selbstbewusstsein aus. Ist sicher keine Motivation für das Lösen großer Aufgaben. Und dient genauso wenig, um in der Gunst der Zuhörer möglichst viele Punkte zu sammeln. Nein, das ist das Gegenteil von Führungskraft: Das klingt verdammt nach „Pessimist des Monats“!

„Wir schaffen das!“ Drei Worte. Souverän ins Mikro gesprochen. Wow. Das signalisiert Stärke. Durchhaltevermögen. Lässt sogar vermuten, dass ein Plan existiert, der zum Ziel führen wird. Oder kann. Oder könnte. Oder zumindest sollte. Lassen wir mal unseren Bundespräsidenten Joachim Gauck sprechen. Dieser gibt im großen ZDF-Sommerinterview Kanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingspolitik Rückendeckung. "Ich mag mir eine Regierungschefin nicht vorstellen, die vor das Volk tritt und sagt, wir schaffen das nicht. Also, warum sollte man eine solche Person wählen", fragt Gauck mit Blick auf das von Merkel geprägte Motto "Wir schaffen das". Die Bundeskanzlerin und er verfolgten dieselbe Linie beim Thema Flüchtlinge, sie verwendeten nur "unterschiedliche Ausdrücke". Wie überhaupt: Es steht gar nicht so schlecht um Deutschland, wie immer alle behaupten. Ganz im Gegenteil: Laut Gauck befindet sich Deutschland trotz vielerlei Problemchen und Problemen ganz und gar nicht in einer bedenklichen Lage. "Das Land ist nicht in einem Zustand wie ein sinkendes Schiff, es ist noch nicht mal in einem Zustand eines schweren Orkans, sondern es sind Böen, die uns schütteln, und es sind Böen, die die Gesellschaft auch ein wenig durcheinanderbringen." Was für ein schönes Bild: Ein bisschen Turbulenzen, etwas Wellengang, hier und da mal ein echter Brecher. Aber im Großen und Ganzen nichts weiter als raue See. Nicht mehr, nicht weniger. Erschwert wird die Lage vielleicht noch durch einige blinde Passagiere an Bord und die eine oder andere Piratenattacke. Was übrigens nichts mit der nahezu in Vergessenheit geratenen Protestpartei zu tun hat. Aber zurück zum sommerlichen Präsidententalk im Zweiten. Gauck unterstützt in diesem netten TV-Plausch auch den sicherheitspolitischen Kurs von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Der Minister habe "ganz nüchtern" klargestellt, ein Burka-Verbot und die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft seien mit ihm nicht zu machen, so Gauck. "Also da kann ich doch gut mit leben."
De Maizière habe ein umfangreiches Sicherheitspaket vorgelegt, um die die Gefahr weiterer Terroranschläge in Deutschland einzudämmen. Forderungen aus der Union, die Ganzkörperverschleierung muslimischer Frauen etwa mit Burkas zu verbieten und die doppelte Staatsbürgerschaft abzuschaffen, erteilte er aber eine Absage. „Wir schaffen das“, meint Frau Merkel. Und faltet die Hände bedächtig mit einem souveränen Lächeln zur legendären Raute. Sind ja nur ein paar Böen, kein Orkan.

 

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