UnFAIRantwortlich

Nach 16 Tagen und 306 Wettbewerben sind die Spiele in Rio de Janeiro schon wieder Geschichte. Am Sonntag um exakt 22.18 Uhr Ortszeit erklärte IOC-Präsident Thomas Bach die ersten Olympischen Spiele in Südamerika offiziell für beendet, acht Minuten später erlosch die Flamme im Maracanã-Stadion.

"Das waren wunderbare Spiele in der wunderbaren Stadt", erklärt IOC-Präsident Thomas Bach. Die Brasilianer hätten "mit unwiderstehlicher Lebensfreude die Welt inspiriert".
Die Schlussfeier als farbenfrohes und buntes Spektakel, die Athleten lachen, tanzen, hüpfen, singen, jubeln, albern herum, schwenken Fahnen, küssen ihre Medaillen, winken trotz strömenden Regens in die TV-Kameras. Sie machen gute Miene zum bösen Spiel, schreiben die Kritiker in ihren Kommentaren.  Und sie haben nicht Unrecht. Denn Dopingaffären und –ermittlungen, korrupte oder unfähige Kampfrichter, Ticketskandale, Schwarzhandel und und und: Es gibt viele Punkte, die man bei den 32. Olympischen Spielen in Tokio 2020 deutlich verbessern kann. Es Schorschla möchte sich an dieser Stelle mit ein paar Sätzen den Themen Fairness und Stimmung in den Stadien widmen. Halbleere Ränge aufgrund überhöhter Ticketpreise und unsäglicher Geschäftemacherei einzelner IOC-Funktionäre sind ja schon ärgerlich genug, aber das Auspfeifen von Athleten ist im Grunde nicht tragbar. Gut, bei Dopingsündern, die sich durch Gerichtsurteile nach Rio geklagt hatten, mag man die Unmutsäußerungen des Publikums ja noch verstehen. Aber bei sportlichen Wettkämpfen den Kontrahenten des Lokalmatadoren auszubuhen, das hat mit olympischen Gedanken leider gar nichts zu und ist bei allem Nationalstolz auch unwürdig und unentschuldbar für eine internationale Großveranstaltung. So geschehen im Stabhochsprung als der Goldfavorit Renaud Lavillenie, bei jedem Versuch ein unsägliches Pfeifkonzert erdulden musste - eine Schande und ein Tiefpunkt der Spiele stand zu lesen. Der Brasilianer Thiago Braz da Silva stand bei der Siegerehrung tatsächlich ganz oben. Er lieferte den Wettkampf seines Lebens mit einem Sprung über 6,03 Meter, konnte die Siegerehrung in Rio de Janeiro aber nicht unbeschwert genießen, da auch hier sein Kontrahent hilflos den Verbalattacken der Brasilianer ausgeliefert war und in Tränen ausbrach. Da hatte selbst Da Silva Mitleid, hob die Arme zu einer versöhnlichen Geste, und applaudiert demonstrativ, als Lavillenie aufs Podest steigt. Der faire und stolze Goldgewinner klatscht gegen sein eigenes Publikum an – eine befremdliche Szene. Ja, am Ende des Wettkampfs tags zuvor hatte Lavillenie in bitterem Zynismus den Daumen Richtung Tribüne gezeigt und in den Katakomben nach dem Wettkampf ein paar dumme Sätze gesagt. "Für die Olympischen Spiele ist das kein gutes Image", meinte er zu den Pfiffen und zog einen Vergleich mit den Propaganda-Spielen der Nazis vor 80 Jahren in Berlin: "1936 war die Menge gegen Jesse Owens. Wir haben so etwas seitdem nicht mehr erlebt. Wir müssen damit umgehen."
Kurze Zeit später nahm er die Sätze zurück. "Ich entschuldige mich für den unpassenden Vergleich, was die Stimmung anbelangt, in dem hitzigen Moment habe ich die Tragweite der Aussage nicht bedacht", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Interessant findet es Schorschla die Tatsache, dass Lavillenie Franzose ist. Denn seit Jahren ärgert sich der Schreiber dieser Zeilen, mit welcher Selbstverständlichkeit dort Sportler anderer Nationen bei Duellen mit Landsleuten immer wieder in ihrer Konzentration gestört werden. Da werden in Roland Garros bei den French Open Doppelfehler der Gegner regelmäßig vom Publikum beklatscht, da wird vor zweiten Aufschlägen Lärm gemacht und die Spieler immer wieder provoziert. Nicht falsch verstehen. Das Verhalten der brasilianischen Fans soll nicht schön geschrieben werden. Es ist ein Skandal. Aber an den Pranger stellen sollte man die euphorischen und heißblütigen Fans am Zuckerhut nicht. Nur mal kurz nachdenken. Jeder dieser Spitzensportler aus aller Herren Länder leistet Herausragendes um das Volk zu unterhalten – jeder in seinem Rahmen. Und dafür hat er unseren Applaus und unsere Anerkennung verdient. In Rio, in Paris und überall sonstwo auf unserem Globus. Sport soll und muss die Nationen verbinden – Nationalstolz hin oder her. Jede Medaille darf gefeiert werden, jeder Sieg, jede Teilnahme an einem Finale oder an der Veranstaltung selbst. Pfiffe und Buhrufe haben dagegen nichts in den Stadien verloren. Das ist ein verrat am Sport. Oder anders ausgedrückt: Einfach nur „UnFAIRantwortlich“!
           

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