Vergesst mir ja den Clown nicht …

Das wichtigste Mitglied im Team

Jeffrey Johnson ist Anthropologe. An der University of Florida in Gainesville. Seit mehr als zehn Jahren beschäftigt er sich mit einigen ganz wichtigen Fragen des menschlichen Zusammenlebens. Kern des Problems: Wie müssen Teams idealerweise zusammengestellt werden, die längere Zeit auf begrenztem Raum effektiv zusammenarbeiten und –leben müssen? Herr Johnson analysiert dazu die Dynamiken in kleinen Gruppen von 10 bis 28 Personen, z.B. auf Forschungsstationen in der Antarktis. Die witzigste Erkenntnis: Ohne einen Clown geht auf Dauer gar nichts!

Es Schorschla musste bei dieser wissenschaftlichen Erkenntnis erst einmal laut lachen. Doch ganz so witzig ist die Geschichte gar nicht. „Was in den Teams passiert, kennt jeder: Die Gruppe schreibt einigen Mitgliedern inoffiziell Rollen zu, einer ist der Anführer, einer Partykönig und einer der Clown“, so Johnson. Und gerade letzterer spielt schon immer eine tragende Rolle. Roald Amundsen, der erste Mann, der es je zum Südpol geschafft hat, wäre wohl nie angekommen, wenn er nicht seinen humorvollen Koch dabei gehabt hätte, mutmaßt der Wissenschaftler. „Adolf Lindstrøm war ein robuster Typ, kindisch und unvoreingenommen, er hat viel gelacht und gut gekocht“, erklärt Johnson. „Jeder mochte ihn.“ Wann immer es auf der Expedition ins ewige Eis ein Problem gab, Crewmitglieder stritten oder Amundsen die Geduld verlor, habe Lindstrøm die Spannungen auflösen und die Gruppe zum Weiterziehen bewegen können.
„Er hat mehr zur norwegischen Polarexpedition beigetragen als jeder andere“, schreibt Amundsen 1911 in sein Tagebuch.

Expeditionsteams mit geringem Zusammenhalt fehlt dagegen genau diese Funktion, berichtet Johnson. Das Problem dabei ist, dass Gruppen dazu neigen, sich in möglichst homogene Untergruppen aufzuspalten. Nach dem Motto „gleich und gleich gesellt sich gern“ hängen Forscher mit anderen Forschern herum, Russen mit Russen, Amerikaner mit Amerikanern. „Deshalb braucht es die Clowns und Geschichtenerzähler – sie schaffen es mit Humor, die Untergruppen zu einem großen Team zu vereinen.“

Derzeit untersucht die US-Weltraumbehörde für ihre bemannte Marsmission das Zusammenspiel in Gruppen. Die Nasa möchte 2033 erstmals Raumfahrer auf die ungefähr 400 Millionen Kilometer lange Reise zum Mars schicken. Eine der größten Herausforderungen dabei ist der Faktor Mensch. Denn für die Mission müssen die Astronauten mindestens drei Jahre lang, Tag und Nacht auf engstem Raum zusammenleben und -arbeiten. Aus allen Bereichen haben sich übrigens Freiwillige für die Reise zum roten Planeten gemeldet – die unterschiedlichsten Charaktere, helle Köpfe mit teils sensationellen Abschlusszeugnissen. Nur als offizieller Mars-Clown hat sich bislang noch niemand beworben. Was am Ende hoffentlich nicht die gesamte Mission zum Scheitern bringen wird …

PS: Die Meinung vom Schorschla muss nicht immer mit der der Redaktion übereinstimmen.

 

 

 

 

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