Sicher durch den Sand

Es Schorschla gehört ja noch zu der Generation, die die echte Sandkerwa miterlebt haben. Sie wissen schon: Die guten, alten Zeiten.

Als von Sperrzeiten noch nicht einmal geträumt wurde. Als die Anwohner einfach die Nacht zum Tage machten, statt Leserbriefe zu schreiben. Als wild gefeiert wurde und trotzdem niemand Angst hatte, dass irgendetwas Furchtbares passieren könnte. Als der Katzenbuckel noch das Partyzentrum schlechthin war und man vom Schlenkerla zu den Haas-Sälen noch eine gute Dreiviertelstunde brauchte, mehr geschoben wurde, als selbst zu laufen, ganz Bamberg auf hundert Metern traf und alle paar Meter ein Getränke- oder Essensstand den weg versperrte. Ja, lang, lang ist ‚s her! Dann kam der 11. September 2001. Später die Katastrophe bei der Love Parade in Duisburg am 24. Juli 2010. Und schließlich noch der völlig irrsinnige IS-Terror. In Paris. Brüssel. Istanbul. Nizza. München. Plötzlich waren Volksfeste keine ausgelassenen Partys mehr, sondern Sicherheitsrisiken. Potenzielle Anschlagsziele. Und dementsprechend war der Tenor in den Medien. Es wurde diskutiert, ob man derartige Großveranstaltungen überhaupt noch ruhigen Gewissens durchführen könne. Und hatte gleich eine Antwort parat: Natürlich nicht! Es gebe eben keine hundertprozentige Sicherheit (mehr), das Leben solle man aber trotzdem in vollen Zügen genießen. Nur nicht unterkriegen lassen von hirngewaschenen Allah-Kriegern und gewaltbereiten jugendlichen Vollidioten aus aller Herren Ländern. Meint die hohe Politik. Und erhöhte gleichzeitig die Auflagen für traditionsreiche Kirchweihen und Familienfeste. Was Wirkung zeigte. Bestes Beispiel: Die Sandkerwa 2016. Wer am Sonntag gegen 20 Uhr durch die Sandstraße schlenderte, konnte seinen Augen kaum trauen. Ein paar vereinzelte Menschentrauben, sonst gähnende Leere. Ähnliches Bild am Leinritt. Keine Schlange beim Popcorn, auf dem Lions-Deck nur wenige Weinfreunde. Der Katzenberg wie ausgestorben, ja selbst „beim Hansi“ am Hofbräu und vor der Brudermühle freie Tische. Die Gastronomen im Sand haben allesamt schon glücklicher ausgesehen, trotz guter Live-Musik, nett anzuschauender Dirndl-Mode und herrlichem Wetter war die 66. Sandkerwa zweifellos ein gravierender Einschnitt im mehr als ausgefüllten Bamberger Veranstaltungskeller. Sicher mögen einige jubeln, die dem teils lästigen Gedränge der vergangenen Jahre ohnehin nichts abgewinnen konnten. Aber der Selbstläufer im Sand hat in diesem Sommer einen echten Dämpfer erhalten. Und es Schorschla ist gespannt auf die Fortsetzung im nächsten Jahr. Wird die 67. Sandkerwa wieder ein gemütliches Familienfest mit Hinterhofromantik und vielen Privatpartys im Freundeskreis? Oder legen die Partygastronomen einen nach und sorgen 2017 wieder für Halligalli unter bunten Fähnchen? Nur eines ist sicher: Gejammert und geschimpft wird auf jeden Fall …                     

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