Der Traum vom Traumjob

Sind wir ein Siesta-Land?

Sind wir doch einmal ehrlich. Eine Siesta, das klingt nach italienischem Lebensgefühl, nach dolce far niente, dem sprichwörtlichen süßen Nichtstun. Mittagsschlaf dagegen klingt nach Faulheit und Überforderung, nach Abseilen und Nichtsnutz. Warum eigentlich?, fragt sich jetzt auch die Vorstandschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Wegen der Hitze in den Büros! Es Schorschla meint: Nette Idee. Aber warum nur im Sommer?  

Eine Stunde, jeden Mittag? Das fordert der DGB zumindest für heiße Sommertage. Arbeitgeber sollten ihren Mitarbeitern längere Auszeiten zur Mittagszeit ermöglichen. "Bei einer Hitzewelle brauchen wir auch in Deutschland eine Siesta", sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der "Saarbrücker Zeitung". Dabei gehe es vor allem darum, "tatsächlich für einen längeren Zeitraum abzuschalten", so Buntenbach. Bei Hitze müssten Arbeitgeber besonders dafür sorgen, dass die Beschäftigten zur Ruhe finden könnten. "Da helfen zum Beispiel Ruheräume, in denen sie auch einmal für eine Stunde die Augen schließen können." Traumjob statt Alltagsstress? Warum nicht, denkt sich es Schorschla und lehnt sich erst einmal entspannt zurück.

Im Halbschlaf kommen dann die ersten Zweifel. Bedeutet eine längere Mittagspause nicht gleichzeitig einen späteren Feierabend? Wie bringt man die nötige Ruhe ins Großraumbüro? Und was macht man mit Kolleginnen und Kollegen, die am liebsten durcharbeiten würden? Ja, ganz so einfach ist das eben auch wieder nicht, den perfekten Arbeitstag zu organisieren. 

Alfred Wiater von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin hält ein Schaffenspäuschen am Mittag für durchaus sinnvoll: "Nach sogenannten Power Naps, also kurzen Nickerchen, fühlt man sich körperlich fitter. Außerdem kann man im Schlaf verarbeiten, womit man sich zuvor beschäftigt hat." Ist in diesem Falle der Mittagsschlaf dann nicht sogar Arbeitszeit? Zumindest die Hälfte? Das wäre doch ein Kompromiss: Ein Stündchen Bubu und eine halbe Stunde bezahlt bekommen. Schließlich ist man ja angeblich danach auch viel leistungsfähiger. Muss man sich eigentlich in den Schlaf ein- und ausstempeln? Damit klar ist, wann die Siesta beginnt und endet? Oder ist das verträumte Vertrauenssache? 

Womit wir schon bei den vier Jahreszeiten angekommen sind. Schlafexperten sind sich einig: Ein Mittagsschlaf lohnt sich für Arbeitnehmer immer, egal ab Januar, März, Juli oder November. Allerdings: "Hohe Temperaturen machen träge, viele schlafen während der heißen Nächte nur sehr schlecht ein und durch. Das Bedürfnis nach Mittagsruhe kann im Sommer also noch einmal größer sein." 

Schlafforscher Wiater zufolge sollte die Mittagspause dabei nicht länger als 20 oder 30 Minuten dauern, damit man nicht in einem Tiefschlaf versinkt: "Ein Mittagsschlaf ist immer nur dann sinnvoll, wenn man in der Nacht zuvor genug und lange geschlafen hat." Ansonsten gerate der Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinander, man werde schlaftrunken und die anschließende Arbeit falle schwerer, so Wiater. Der beste Ort für ein Nickerchen: "Ein ruhiger Raum, gedimmtes Licht, eine Liege." 

Das haben die meisten ja nicht einmal zu Hause, denkt sich es Schorschla. Und hofft auf den DGB. Denn nur Gewerkschaften können heutzutage noch derartige Wünsche ernsthaft äußern. Vielleicht sind wir ja tatsächlich kein Siesta-Land. Sondern ein Land von Träumern. Traurig. Aber leider wahr!

PS: Die Meinung von Schorschla muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen

 

 

 

 

 

 

 

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