Die Macht der 550

Unterschriftenaktion für Hexenmuseum

Wenn am kommenden Wochenende wieder zahlreiche Veranstaltungen in Bamberg die Besucher locken, u. a. das kirchliche Heinrichsfest bei der Alten Hofhaltung, dann wird niemand ahnen, dass an eben jener Stelle vor 391 Jahren, am 14. Juli 1628, der langgediente Kanzler des Hochstifts, Dr. Georg Haan, im Morgengrauen und im Beisein von 80 Zeugen geköpft wurde. Stunden später wurde seine Leiche zusammen mit sieben weiteren der Hexerei angeklagten Delinquenten an der Richtstätte vor den Toren der Stadt verbrannt. Sein Tod markiert den traurigen Höhepunkt einer grausamen Politik, der insgesamt knapp zehn Prozent der Bamberger Bevölkerung zum Opfer fielen.

Keiner wünscht sich solche Zeiten zurück, aber auch kaum jemand kümmert sich um eine entsprechende Erinnerungskultur. Immerhin: Mit dem Antrag der Freien Wähler auf Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse kam 2012 endlich auch politisch Bewegung in die Diskussion. Es folgten eine Themenwoche, viele Veröffentlichungen und 2015 schließlich die Installation eines künstlerisch gestalteten Mahnmals. Indes die formale Rehabilitierung der Opfer, wie in 54 anderen Städten Deutschlands längst geschehen, gibt es in Bamberg bis heute nicht. Wir wollen das ändern! Und blicken dabei ein wenig neidisch in die ähnlich große Universitätsstadt Marburg (ca. 81.000 Einwohner), die 2020 zum Themenjahr der Hexenverfolgung erkoren hat – mit politischer Willensbildung, vielen kulturellen Projekten, einer Anknüpfung an aktuelle Diskussionen um Anderssein und Ausgrenzung sowie mit einer ausdrücklich gewünschten Beteiligung der Bevölkerung.

Mit einer Unterschriftenaktion, u. a. am 13. Juli auf dem Bamberger Maxplatz, will die „Projektgruppe Hexenmuseum“ auch politisch neuen Wind in die Sache bringen. Dabei konnte im Vorfeld ein wesentlicher Punkt bereits Anfang dieser Woche abgehakt werden: Dank einer Verfügung des Oberbürgermeisters Andreas Starke wird verhindert, dass das im Zuge der Sanierung des Schlosses Geyerswörth abmontierte Mahnmal für zwei Jahre auf Nimmerwiedersehen eingelagert, sondern stattdessen an einem alternativen Standort aufgestellt wird. Deshalb wird es auf dem Maxplatz nur noch um zwei weitere Punkte gehen: Zum einen um die Befürwortung eines Hexenmuseums in Bamberg und zum anderen um eine rechtmäßig verbindliche Rehabilitierung der unschuldigen Opfer der historischen Hexenprozesse. Wenn mehr als 550 Unterschriften (1% der Bamberger Wahlberechtigten) zusammenkommen, wird sich der Stadtrat in einer seiner Sitzungen offiziell mit diesen Punkten befassen müssen. Wir rufen deshalb alle interessierten Bürgerinnen und Bürger Bambergs auf, sich auf die Seite der Opfer zu stellen und diese gute Sache mit ihrer Unterschrift zu unterstützen. Wer noch mehr tun will, kann dies am Unterschriftenstand auch gerne in Form einer Spende tun. Die Erlöse fließen zu 100% in den Aufbau des geplanten Museums.

Foto: Veranstalter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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