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Hexengefängnis in Bamberg

Prunkvolles Malefizhaus

Warum in Bamberg ein neuartiges, prunkvolles Hexengefängnis errichtet wurde

Unter Fürstbischof Johann Gottfried I. von Aschhausen, der das Hochstift Bamberg ab 1609 regierte (ab 1617 zeitgleich auch Würzburg), wurde es in Bamberg zunehmend bedrohlicher für vermeintliche Hexen und Hexer. Als Hardliner erneuerte er die Katholische Liga und versuchte den Protestantismus einzudämmen. Er residierte im Bamberger Geyerswörthschloss. Sein wichtigster Berater war Weihbischof Dr. Friedrich Förner, von dem folgendes Zitat schriftlich überliefert ist: 

„Was soll ich über unser Bamberg sagen? Dort wird es kaum eine Gasse geben, in der, wenn nicht mehrere, so doch wenigstens eine solche Krankheitenaustreiberin und Zauberin oder angebliche Wahrsagerin zu finden ist.“ 

Gefoltert wurde zu seiner Zeit in der „Büttelstube“ (=Marterkammer) auf dem Domberg. Gefangen gehalten wurden die angeklagten Hexen damals in den dunklen Kerkern innerhalb der „Alten Hofhaltung“. In den Jahren 1612/1613 und 1617/1618 starben etwa 300 Personen in den Flammen der Scheiterhaufen. Allein im Jahr 1617 wurden 102 Menschen in Hexenprozessen in Bamberg hingerichtet. 

Offensichtlich waren genügend Kapazitäten vor Ort vorhanden, um monatlich durchschnittlich 8-9 Hexen zu verbrennen. Was also veranlasste den fürstbischöflichen Nachfolger Johann Georg II., den Fuchs von Dornheim, das prunkvolle und bestimmt sehr kostspielige Malefizhaus errichten zu lassen? 

Die Antwort findet man in den erhaltenen Verhörprotokollen der zweiten Verfolgungswelle. In diesen wird die unglaubliche Zahl von ca. 3.000 Personennamen erwähnt, die man aus den geschundenen Opfern in der Folterkammer herausgepresst hatte. Angeblich trafen sich diese Personen regelmäßig im nahen Hauptsmoorwald zum Hexentanz. Da einzelne „Hexen“ – schriftlich belegt – bis zu 30 mal in der Folterkammer gequält wurden, kann man sich, mit ein wenig Empathie, ausmalen, dass diese armen Menschen einfach alles eingestanden, was die Folterknechte und Hexenkommissare von ihnen hören wollten. Es kam ja nur darauf an, in welche Richtung man das Verhör lenkte. Bei damals knapp 12.000 Einwohnern von Bamberg war somit quasi jeder vierte Bürger in direkter Lebensgefahr. Genau dieser Gedanke musste federführend gewesen sein, um das einmalige Hexengefängnis zu erbauen, dort, wo heute die Franz-Ludwigstraße existiert. 

Schon die Tatsache, dass es in dem Gebäude zwei Gerichtsstuben und 26 Zellen gab, weist darauf hin, dass die Planung in Richtung Massenvernichtung ging. Hexerei war das schlimmste Verbrechen: ein „crimen exceptum“, das nur durch die Todesstrafe gesühnt werden konnte. Folter dagegen galt als die Krone des Beweises, und auch hier wurden im heutigen Welterbe ganz neue Standards gesetzt, die so nirgends anders in Europa praktiziert wurden … mehr dazu erfährt der interessierte Leser in Teil sechs dieser Serie – am nächsten Mittwoch.

Hier gehts zur Online-Petition: DIE MACHT DER 550

https://bit.ly/2XRBcB3

Bildinfo: Wer den „Hexenmuseums-Infostand“ in der Innenstadt verpasst hat, kann sich auch online unter https://bit.ly/2XRBcB3 für das Projekt registrieren.

Foto: B. Oelsner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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