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Tag um Opfern zu gedenken

Über 1.000 Ermordete bei Hexenverfolgung

Der perfekte Tag, um den über 1.000 ermordeten Hexenopfern zu gedenken

Gestern, am 6. August, jährte sich der Tag, an dem Johannes Junius im Jahre 1628 auf einem Scheiterhaufen am heutigen Schönleinsplatz hingerichtet wurde. Als Bamberger Bürgermeister und Ratsherr wirkte er in der Stadt für knappe 20 Jahre und war ein angesehener und honoriger Bürger. Bereits am 10. Februar 1628 war seine Frau, Helena von Junesin, auf dem gleichen Richtplatz als „Hexe“ lebendig eingeäschert worden. Was diesen Fall gleich aus mehreren Aspekten so einmalig macht, wollen wir hier erklären. Es gibt da zuerst den herzzerreißenden Abschiedsbrief an seine Tochter Veronica, der eines der wichtigsten Dokumente der europaweiten Hexenforschung darstellt. Gleichermaßen wichtig ist in diesem Zusammenhang das vorhandene schriftliche Verhörprotokoll, das die in dem Brief gemachten Aussagen eins zu eins bestätigt. Hier sind also die persönliche Opferaussage und das Protokoll seiner Ankläger vorhanden, und sie gleichen sich in manchen Sätzen bis aufs Wort. Es gibt aber auch eine Menge ungeklärter Fakten um die Entstehung dieses Briefes: Wie, zum Beispiel, konnte Johannes Junius im Gefängnis an das Papier und die Tinte kommen? Wie er selbst schreibt, musste auch der geheime Überbringer des Briefes befürchten, angeklagt und als Hexenhelfer geköpft zu werden – das dürfte in dieser Form bereits für die Zurverfügungstellung der Schreibutensilien gegolten haben, denn ihr Testament schrieben die Gefangenen im Malefizhaus in der Regel erst nach der Verurteilung, die normalerweise drei Tage vor der Hinrichtung in den Gerichtsstuben im Malefizhaus ausgesprochen wurde. 

Der Brief aber datiert vom 30. Juni 1628 und wurde damit schon knappe 39 Tage vorher begonnen. Es ist zu vermuten, dass der angesehene Bürgermeister deshalb mehrere Helfer hatte. 

Als prominenter Gefangener bewohnte Junius wahrscheinlich eine der acht größeren Zellen im Untergeschoss des „Trudenhauses“ – deshalb könnte sich auch ein Tisch und ein Stuhl in seiner Zelle befunden haben, denn die zwei Pergamente dieses Briefes weisen im Original kaum sichtbare Verunreinigungen oder gar Falten auf, die sicher entstanden wären, wenn Junius diesen Brief auf dem steinernen Zellenboden verfasst hätte. Wie er selbst schreibt, sei seine wackelige Schrift folgendem Umstand geschuldet: „Ach, und dann, Gott im höchsten Himmel erbarme sich meiner, kam der Henker, legte mir die Fingerschrauben an und drückte mir die Hände so zusammen, dass das Blut zu den Nägeln herausdrang und ich die Hände vier Wochen nicht habe gebrauchen können, wie Du auch an meiner Schrift noch erkennen kannst.“

Auch über weitere Folterpraktiken schreibt er auszugsweise: „Da haben sie mich dem Henker übergeben. Man hat mich erst ausgezogen, mir dann die Hände auf den Rücken gebunden und mich an ihnen in die Höhe gezogen. Da dachte ich, Himmel und Erde gingen unter, denn in dieser Weise haben sie mich achtmal aufgezogen und wieder fallen lassen, was mir unselige Schmerzen verursachte. Und währenddessen war ich völlig nackt, weil sie mich vorher haben ausziehen lassen.“

Was hieraus zu lesen ist, ist wahrscheinlich auch kundigen Lesern neu: Gefoltert wurde nicht nur ein einziges Mal – um sich als Hexe selbst zu bezichtigen -, sondern auch mehrmals, um vermeintliche andere „Hexer“ zu denunzieren. 

In der Folterkammer hat auch Johannes Junius andere Bürger denunziert: insgesamt 32, davon acht alleine in der „Langen Gass“, der heutigen Langen Straße. Man habe ihm einen Plan vorgelegt und er musste Straße für Straße durchgehen und alle ihm bekannten Hexen und Zauberer benennen. Grundlage hierfür war zweifelsfrei der historische Stadtplan von Petrus Zweidler, der gerade einmal 26 Jahre vorher entstanden war und dessen Existenz somit verantwortlich für das Unglück einiger Bamberger Bürger war. Trotzdem ist Johannes Junius unserer Meinung nach ein wahrer Held und Märtyrer Bambergs und wir schließen uns der Meinung von Frau Karin Dengler-Schreiber an, die schon vor ein paar Jahren vorgeschlagen hat, den einmaligen Brief dieses Helden als immaterielles Welterbe der Menschheit der UNESCO vorzuschlagen

Übrigens: Die spannendste Episode der Bamberger Hexenverbrennungen finden Sie als Ebook auf www.Hexenbrenner-Museum.com.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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