Schorschla, wie wird das Wetter?

Sprachassistent auf fränkisch...

Es Schorschla ist ja nicht der Geschäftstüchtigste, aber Ideen für den großen Coup hat es natürlich immer wieder. So hat es nach dem ganzen Hype um Siris und Alexas schon überlegt, ob ein fränkisch-fröhlicher Sprachassistent nicht eine lokale Marktlücke füllen könnte. Sie wissen schon: „Schorschla, hat der Greiff heute offen?“ „Schorschla, was kostet des Seidla am Spezi?“ „Schorschla, reserviere bitte einen Tisch auf sieben Uhr im Sternla-Garten!“ Das wäre doch der Hammer und würde nicht wenige WOBLA-Leserinnen und –Leser nachhaltig begeistern. „Schorschla, ist die Baustelle in der Langen Straße endlich weg?“ Oder: „Schorschla, wann ist die OB-Wahl 2020?“ 

Die Liste an Fragen und Befehlen ließe sich unendlich verlängern. Doch gerade, als diese bahnbrechende Geschäftsidee langsam Gestalt annehmen wollte und es Schorschla schon mal die rechtlichen Grundlagen einer „Woisboggs“ (fränk. Für Voicebox) recherchierte, wurde er mittels einer aktuellen Studie eines Besseren belehrt: Digitale Sprachassistenzen sind fast immer weiblich! Alles andere sei sinnlos! Sagt die Wissenschaft!

Die Künstliche Intelligenz ist ein Megathema. Maschinen lernen schneller als wir Menschen und können in kürzester Zeit Unmengen von Daten verarbeiten. Sie sind billiger, flexibler, anspruchsloser, geduldiger. Viele Mitmenschen, auch im Bekanntenkreis von Schorschla, haben ihre „Siris“ und „Alexas“ längst in die Familie integriert, sie sprechen mit Ihnen manchmal mehr als mit ihren realen Partnern. Das Schlüsselwort lautet dabei „frictionless“, reibungslos. Sie funktionieren, sind höflich, widersprechen nicht. Keine Belehrung, keine Müdigkeit, keine Migräne. Immer da. Immer freundlich. 

Sehr interessant in diesem Zusammenhang: Sprachassistenten werden von den Programmiererinnen und Programmierern bewusst als Frauen mit eigener Persönlichkeit entworfen: „Sie ist die jüngste Tochter eines Bibliothekars und eines Physikprofessors und hat einen Bachelor in Geschichte“, beschreibt James Giangola die Persönlichkeit der Google Assistant dem Magazin The Atlantic. Giangola ist Konversations- und Persönlichkeitsdesigner bei Google. Seine Aufgabe ist es, in einem Team von Programmierern, Fernseh- und Drehbuchautoren und Künstlern dafür zu sorgen, dass es Spaß macht, sich mit der Google-Assistentin zu unterhalten.  

Gerade weil Sprachassistenten sprechen, fällt es uns leicht, ihnen Eintritt auch in unsere privatesten Räume zu gewähren. Statt sie als „Geräte“ zu begreifen, wie wir es mit einem Laptop tun, machen wir sie zu Weggefährten, die zuhören, zustimmen, trösten. Weibliche Stimmen seien dabei angenehmer anzuhören. Weibliche Stimmen, schreibt der Kommunikationswissenschaftler Clifford Nass in Wired for Speech, werden als kooperativ und hilfsbereit wahrgenommen, männliche als respekteinflößend. Als weiblich oder männlich wahrgenommene Stimmen unterscheiden sich nicht ausschließlich, aber vor allem durch ihre Frequenz: Männerstimmen bewegen sich meist zwischen 85 und 180 Hertz, Frauenstimmen zwischen 165 und 255 Hertz. 

„Respekteinflößend?“ Vielleicht gibt es ja doch noch einen Markt für die Schorschla-Box als Lifestyle-Guide. „Ey, dai Seidla wiäd warm, wennsd edds nedd gscheid andsihsd“ oder „es Fässla machd in ahner halbn schdund dsu“ wären doch Hinweise, die auch im zweistelligen Hertzbereich beim Zuhörer ankommen würden. Oder was meinen Sie?

PS: Die Meinung vom Schorschla muss nicht immer mit der der Redaktion übereinstimmen.

 

 

 

 

 

 

 

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