Frieden!? Wozu?

Zugegeben: Kolumbien liegt ganz weit weg. Luftlinie mehr als 9.000 Kilometer. Im Norden Südamerikas grenzt es an Länder

wie Brasilien, Ecuador, Peru Venezuela und Panama. Bekannt sind den meisten Bundesbürgern wohl der verrückte Torhüter René Higuita, der schon mal Torschüsse akrobatisch mit den Fußsohlen abwehrte und sich zudem gerne in den Sturm einschaltete sowie das Drogenkartell in Medellin mit Kokain-Papst Pablo Escobar. 
Weniger bekannt ist hierzulande der seit nunmehr 52 Jahren währende Bürgerkrieg in Kolumbien. Ein bewaffneter Konflikt der bislang rund 250.000 Menschen das Leben gekostet hat, sieben Millionen Menschen wurden seit 1965 aus ihrer Heimat vertrieben. Damit sollte nun endlich Schluss sein. Die Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) und die Regierung hatten über fast vier Jahre mit breiter internationaler Unterstützung  einen Vertrag ausgehandelt, die  Bevölkerung sollte diesen am Wochenende das Friedensabkommen noch legitimieren. Alles schien klar, Umfragen prognostizierten eine Zustimmung von mehr als 66 Prozent.
Dann am Sonntag um 17.30 Uhr, die Wahllokale in Kolumbien hatten seit 90 Minuten geschlossen, da veröffentlichte die Wahlbehörde die entscheidende Hochrechnung. Sie bestätigte, was kaum jemand in dem Bürgerkriegsland für möglich gehalten hatte: Die Bevölkerung lehnte den bereits als historisch betitelten Friedensvertrag ab: 50,21 Prozent stimmten für Nein, 49,78 Prozent für Ja.Ein Land in eine Schockstarre. Die einen konnten ihren unerwarteten Sieg nicht fassen, die anderen wollten die Niederlage nicht wahrhaben. Tränen auf beiden Seiten. 6,4 Millionen Kolumbianer hatten auf die Frage: "Unterstützen Sie das endgültige Abkommen zur Beendigung des Konflikts und den Aufbau eines stabilen und dauerhaften Friedens"? mit "No" geantwortet. 6,3 Millionen sagten "Si".Die Wahlbeteiligung lag bei gerade einmal 37 Prozent, zwei Drittel der Menschen war es demnach egal, ob eines der größten Länder Lateinamerikas nach 52 Jahren Bürgerkrieg weiter auf den bewaffneten Konflikt setzt oder sich endlich dem Frieden öffnet. "Es haben Wut und Rachsucht gesiegt", sagt ein Anhänger des "Si" in der Stadt Popayán im südwestlichen Departement Cauca. "Wir sind nicht bereit, uns zu vergeben und nach vorne zu schauen". Eine Menschenrechtsaktivistin ergänzt unter Tränen: "Die Hälfte von uns will lieber Krieg als Frieden." Der Ausgang des Volksentscheids sei ein Sieg der Vergangenheit über die Zukunft."Uns stehen gefährliche und völlig unsichere Wochen bevor", ist sich León Valencia, Direktor der Stiftung Paz y Reconciliación (Frieden und Versöhnung), sicher. Ja, es ist tatsächlich völlig unklar, wie es jetzt weitergeht. Die rund 7000 Farc-Rebellen befinden sich bereits in den vereinbarten 23 Rückzugsgebieten im ganzen Land und wollten am Montag unter Uno-Aufsicht beginnen, ihre Waffen abzugeben. Das ist nun vom Tisch. "Niemand hat einen Plan B, das Land steht vor einem totalen Chaos", prophezeit Alejo Vargas, Friedensforscher an der Nationalen Universität in Bogotá. Präsident Juan Manuel Santos gab sich am Abend dennoch kämpferisch: "Ich werde nicht aufgeben und bis zum Ende meines Mandats für den Frieden kämpfen." Das lässt hoffen. Und ist vielleicht auch für uns, gut 9.000 Kilometer entfernt, eine Lehre. Wir alle sollten unser Wahlrecht nicht als lästige Pflicht sehen und unsere Stimme stets zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen. Denn wenn schon bei einer Wahl zwischen Krieg und Frieden die Gewalt siegen kann, dann steht unsere Gesellschaft tatsächlich vor ganz schwierigen Zeiten und Aufgaben. Nicht nur in Kolumbien …

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