Rundes Tatort-Jubiläum: Auf die nächsten 1000 Folgen!

Es ist ein Jubiläum, welches man im deutschen Fernsehen nur ganz selten zu feiern hat. Am Sonntagabend

 

wurde in der ARD der 1000. Tatort ausgestrahlt. 1000. Mal Mord und Totschlag, teils schrullige Kommissare und Kommissarinnen, irre Täter, verkorkste Charaktere auf beiden: Mal humorvoll durchgeknallt, mal düster und brutal. Ja, der Tatort im ständigen Wandel der Zeitgeschichte, sicher auch immer wieder Stoff für Diplomarbeiten, immer auch ein Spiegel der Gesellschaft.     

Zum 1000. Machte sich der Spiegel-online-Journalist Arno Frank die Mühe oder auch den Spaß, die aktuelle Jubiläumsfolge mit der Premiere zu vergleichen. Mit erstaunlichen Ergebnissen: Die Frauen waren damals  emanzipierter, die Männer soffen 1970 noch alle fünf Minuten einen Cognac.

Kurz zum Inhalt der beiden Serien: Im ersten Tatort der Fernsehgeschichte fährt Kommissar Trimmel (Walter Richter) auf eigene Faust in den Osten, um das Rätsel eines dort gestorbenen Kindes aufzuklären. Die extrem kurze Fahrt mit dem Taxi nach Leipzig hinein gehört nur zu seinem Trick, eine Panne an seinem Auto vorzutäuschen und so die Transitstrecke verlassen zu können. 2016 steigen Lindholm (Maria Furtwängler) und Borowski (Axel Milberg) versehentlich in das Taxi eines ehemaligen Elitesoldaten, der sich auf den Weg zur Hochzeit seiner Ex in Leipzig macht - und verbringen die meiste Zeit des Films auf dem Rücksitz. Das Taxi 1970 ist ein kantiger Wartburg 535, das Taxi 2016 ein Opel Omega.


Aber das sind nur Äußerlichkeiten. Gut, die musikalische Untermalung der Story ist im Grunde unvergleichbar: 1970 wird noch der Blues gespielt, heute dominieren mystische, oftmals undefinierbare Synthesizerklänge. 1970 wird ausnahmslos bei Tageslicht ermittelt, bei „Taxi nach Leipzig“ geht die Sonne gleich am Anfang unter und kaum noch auf. Düster ist eben in! In beiden Filmen steht eine Heirat kurz bevor, Herr Frank bemerkt, dass die Braut 1970 (Renate Schröter) weitaus selbständiger und aufgeklärter auftritt als die verschüchtert-trutschige Braut 2016 (Luise Heyer). Und dann natürlich noch der Alkohol- und Nikotinkonsum: Vor 46 Jahren wurde damals noch in jeder zweiten Szene eine Zigarette oder Zigarre entzündet und in jeder dritten Szene ein Cognac getrunken, gerne auch direkt aus der Flasche.

Ja, wie gesagt: Der Tatort hält uns gerne den Spiegel vor. Nach dem Motto: Ist zwar nicht schön, ist aber so! Unter dem Namen „nickleby“ beschwert sich ein Tatort-Fan im Internet: „Vor allem dieses Problembeladene nervt. Ich wünsche mir, dass es mal wieder einen "Tatort" gibt ohne dass übermäßig auf das kaputte Seelen- und/oder Privatleben der Ermittler eingegangen wird“.
Nach Meinung vom Schorschla eine durchaus verständliche Bitte. Aber leider nicht ganz zeitgemäß. Denn in unserer Welt anno 2016 ist eben vieles weit verkorkster, als man es sich gemeinhin wünschen würde. Und schon deshalb steht einer erfolgreichen Zukunft und den nächsten 1000. Tatort-Folgen nichts mehr im Wege.

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