Angi 4.0: Wir schaffen das!

„Aller guten Dinge sind drei“. Heißt es. Aber die Parteien mit dem großen „C“ in unserer Republik

 

möchten diese Lebensweisheit nun etwas variieren. Natürlich nach oben. Angela Merkel, Langzeitkanzlerin, stellt sich einmal mehr zur Wahl. Und weiß schon jetzt: „Das vierte Mal ist das schwerste“!

Das war er also, der "geeignete Zeitpunkt". Sonntag, 20.11., 19.03 Uhr, Klingelhöferstraße 8, Berlin, Foyer der CDU-Zentrale. Angela Merkel kündigt ihre Kanzlerkandidatur offiziell an. Sie habe "unendlich darüber nachgedacht", diese Entscheidung sei "alles andere als trivial - weder fürs Land, noch für die Partei, noch für mich persönlich". Im Falle ihrer Wiederwahl werde sie die vollen vier Jahre machen - dann wäre sie 16 Jahre Kanzlerin, so lange wie Helmut Kohl.
Bereits am Mittag machte die Meldung von „Angi 4.0“ die Runde: Merkel hatte hinter verschlossenen Türen unter Parteifreunden ihre Entscheidung kundgetan. Erst wird getuschelt, anerkennend und erleichtert auf die Tische geklopft, geklatscht und dann  gejubelt. In der SPD sprechen sie sich gegenseitig Mut zu, die Genossen sehen den "Mythos der Unbesiegbarkeit" Merkels längst verschwunden. Die Grünen freuen sie sich auf eine "harte politische Auseinandersetzung", setzen auf das Thema Klimaschutz fest. Die Linke warnt schon einmal präventiv vor einer neuen Großen Koalition und die AfD – wie sollte es anders sein - hetzt ein bisschen gegen Merkel.
Dann sieht auch CSU-Chef Horst Seehofer den richtigen Zeitpunkt gekommen. Kurz vor fünf Uhr tritt er in der Münchner Parteizentrale vor die Kameras. Er sei sich "seit langer Zeit sicher" gewesen, dass Merkel kandidieren werde. In den vergangenen Tagen habe er mit ihr darüber gesprochen: "Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht und dass sie sich entschieden hat." Jetzt gelte es noch, inhaltliche Differenzen zu klären. Markus Söder kommentiert die Personalie noch nüchterner: "Das muss man zunächst mal mit Respekt entgegennehmen, aber nicht automatisch mit Euphorie."

Am Abend auf der Couch bei Anne Will macht Merkel deutlich, dass sie sehr viel über die Entscheidung nachgedacht habe. "Kannst du deinem Land noch was geben? Bist du noch neugierig genug? Reicht deine Kraft, das zu machen? Oder kannst du das nicht tun?" Jetzt freue sie sich darauf zu sagen, "ja, ich werde mich nochmal in diesen Wahlkampf begeben".
Dieser könnte ein ganz harter werden. Bei der SPD steht mit Martin Schulz, derzeit noch Präsident des Europäischen Parlaments, ein echter Herausforderer in den Startlöchern – charismatisch, adrett, sympathisch. Durchaus wählbar. Dazu ein paar unvermeidbare Störfeuer, aus Bayern, aus der GAL-Szene, sicher auch von den Linken. Obendrauf dann noch die Stimmungsmache der „Alternative für Deutschland“, Parolen nach Trump-Vorbild, leider allzu erfolgreiches Stammtischgeschwätz für die zumindest aus ihrer Sicht ewig Benachteiligten.      
Eine Wiederwahl vorausgesetzt, bekommt es unsere Angela in den nächsten Jahren schon mit illustren Typen zu tun. Trump, Putin, Erdogan – dazu vielleicht noch eine Marine Le Pen als Nachbarin:  Da wundert es nicht, dass die "New York Times" unsere Kanzlerin bereits als "Verteidigerin des freien Westens" feiert?
"Wir haben schon harte Zeiten", sagt Merkel. "Das hat ja für mich auch eine Rolle gespielt." Sie habe sich gefragt, ob sie noch die Kraft und Gesundheit für solche Auseinandersetzungen habe. Allerdings habe sie dann auch entschieden, dass sie nicht einfach sagen könne, ihr sei nun alles zu kompliziert. Sie könne einiges dazu beitragen, um deutlich zu machen, dass ein starkes Europa in deutschem Interesse sei. "Was für mich den Ausschlag gegeben hat ist, dass ich mir sicher bin, dass ich die Entscheidungen gewissenhaft, nach bestem Wissen und Gewissen gefällt habe."
Zehn Monate vor der Bundestagswahl und zwei Wochen vor dem Essener CDU-Parteitag ist nun die „K“-Frage im Unionslager vom Tisch. Andere müssen und werden schnell nachziehen. Die Frage, die seit Sonntag im Raum steht, lautet: Gibt es für unser Land eine sinnvolle Alternative zu Frau Merkel? Eine Frage, welche auch bei Anne Will nicht geklärt werden konnte. Auch nicht von dem bekennenden Merkel-Gegner und Psychoanalytiker Maaz, der in seinen Ausführungen kein gutes Haar an der bisherigen Arbeit der Kanzlerin ließ, auf konkrete eigene Vorschläge angesprochen aber nur kopfschüttelnd erklärte, dass dies nicht seine Aufgabe sei und letztendlich schlussfolgerte: „Ja, ich glaube auch, dass Merkel "wahrscheinlich" im nächsten Jahr erneut gewählt wird“.
Eine Stimmung, die auch es Schorschla teilt - und all seine oft nörgelnden Stammtischbrüder.    Wobei sich diese natürlich nicht so gewählt ausdrücken können wie ZEIT-Chefredakteuer Giovanni di Lorenzo, der den „Anne-Will-Talk“ rhetorisch brillant abschloss: "Ich möchte einfach mal die Frage stellen, wie würden wir heute diskutieren und in welcher Stimmung, wenn Frau Merkel gesagt hätte, ich mache das nicht." Es wäre "weiß Gott die schlimmere Alternative gewesen".

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