Aus alt mach neu!

Alljährlich wird ja das Unwort des Jahres gewählt. Das wissen Sie. Es Schorschla hätte diesbezüglich

 

einen ganz besonderen Vorschlag. REPARIEREN. So ein Quatsch, werden Sie sich denken. Aber ich erkläre Ihnen den Hintergrund sehr gerne. Am besten an einem Beispiel aus dem Alltag. Sie sind gerade beim Hausputz, fahren mit dem Staubsauger hinter die Couch, als es einen Schlag macht, ein Funke aus dem Gerät springt und die Sicherung rausfliegt. Ein klares Signal. Das Ding hat seinen Geist aufgegeben. Früher, sagen wir mal vor zehn Jahren, hätte man das Gerät zum Kundendienst gebracht und nachschauen lassen, was den Kurzschluss verursacht hat. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Heute ärgert man sich kurz, denkt sich „ist ja schon ein paar Jahre alt und die Garantie längst abgelaufen, greift zum nächsten Prospekt eines Elektrofachmarktes und kauft einfach ein neues Modell. Völlig zu Recht: Denn reparieren ist richtig teuer geworden, bei größeren Geräten summieren sich Kundendienstanfahrt und Arbeitsstunden schnell zu einem hohen dreistelligen Bereich. Und dann hat man ja immer noch ein altes Gerät, an welchem morgen schon das nächste Teil das Zeitliche segnen kann. Also agieren wir aus unserer Sicht logisch, fahren unser Staubsauger in den Wertstoffhof und freuen uns kurze Zeit später über einen formschönen und modernen Ersatz, der auch noch einiges mehr kann - was wir aber nie nutzen!    
So wachsen die Müllberge in den angeblich so fortschrittlichen Industrienationen. Wobei, falsch. Die Müllberge wachsen in ärmeren, so genannten Entwicklungsländern, denn dorthin verschiffen wir unseren Sondermüll. Soweit, so schlecht!

Einmal mehr die Skandinavier, genauer gesagt die Schweden, haben dieser Wegwerfgesellschaft jetzt den Kampf angesagt. Mit einem so einfachen Gesetz, dass man sich schämen möchte, dass dies nicht irgendeinem unserer superschlauen Politiker in Berlin eingefallen ist. Man senkt im Pipi-Landstrumpf-Land kurzerhand Mehrwertsteuern auf Reparaturen. Für Fahrrädern, Kleidung, ja sogar für Schuhe. Schuster bleib bei Deinen Leisten. Die Strategie des Verbraucherministeriums ist Teil des Haushalts, der im Dezember verabschiedet werden soll. Stimmt das Parlament zu, tritt zum Jahreswechsel ein umfangreiches Maßnahmenpaket in Kraft, das das Konsumverhalten nachhaltig ändern soll. "Wir möchten einen Anreiz schaffen, seine Dinge reparieren zu lassen, anstatt sie wegzuwerfen und neu zu kaufen", erklärt der zuständige Verbraucherminister Per Bolund der Nachrichtenagentur dpa. "Viele Menschen sagen, dass sie gern nachhaltiger konsumieren möchten."

Für die Steuererleichterungen hat die Regierung 750 Millionen schwedische Kronen (umgerechnet rund 76,5 Millionen Euro) eingeplant. Das ist für unsere Hauptstadtverhältnisse ein Portkassenbetrag. Damit aber nicht genug. Bolund wörtlich: "Wir glauben, dass die Dienstleister mehr zu tun bekommen, also werden mehr Menschen in diesem Bereich arbeiten, und die wiederum zahlen Einkommensteuer." Und auch den Handel mit Gebrauchtwaren möchte die schwedische Regierung fördern. Immer mehr Menschen wollten secondhand kaufen, sagt Bolund. Eine Gruppe erarbeite zurzeit, ob Projekte wie Carsharing und Mitfahrangebote auf andere Bereiche ausgedehnt werden können. Auch das habe einen doppelten Effekt: Wer ein Auto borgen müsse, statt ein eigenes vor der Tür stehen zu haben, fahre oft weniger Auto.
Die Strategie der Regierung stoße schon jetzt auf viel positives Echo, freut sich der Verbraucherminister: "Wir bekommen sehr viel Unterstützung." Er sei selbst überrascht, dass so viele Menschen dies als wichtiges Thema ansehen. "Es ist eine Gelegenheit, unser Verhalten zu ändern und gleichzeitig der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt neue Impulse zu geben." Schade nur, dass das in Deutschland noch niemand bemerkt hat.

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