Nobelpreis-Zeremonie mit/ohne Bob Dylan

Also, jetzt hat er ihn. Endlich. Also der Dylans Bob. Seinen Nobelpreis. Für Literatur. Für ihn sei diese

 

Auszeichnung wie der Flug zum Mond. Er habe es sich ja nicht träumen lassen, jemals einen derartigen Preis zu erhalten, ließ der Liedermacher den Festgästen ausrichten. Denn er war ja persönlich verhindert. "Es tut mir leid, dass ich nicht persönlich bei euch sein kann, aber bitte wisst, dass ich auf jeden Fall im Geiste bei euch bin und mich geehrt fühle, so einen prestigeträchtigen Preis zu bekommen", las Azita Raji, die US-Botschafterin in Stockholm, aus einer angeblich von Dylan verfassten Rede vor.

Dylan war bekanntlich im Oktober für seine Songtexte mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet worden. Die Schwedische Nobelpreis-Akademie schaffte es danach lange nicht, den 75-Jährigen persönlich zu erreichen, was Unmut auslöste. Zwölf Tage nach der Bekanntgabe meldete sich der Musiker dann doch noch. Seit Mitte November stand fest, dass Dylan nicht persönlich zur Verleihung des Literaturnobelpreises kommen werde. Als Grund gab er an, andere Verpflichtungen zu haben. Zeitgleich lehnte der zweifellos geniale Exzentriker auch eine Ehrung im Weißen Haus mit Präsident Barack Obama ab.

Als seine Vertreterin im Geiste schickte Dylan Rockkollegin Patti Smith nach Stockholm. Beim festlichen Bankett für die Preisträger sang die amerikanische Rockerin, die 1995 gemeinsam mit Dylan auf Tour war, mit "A Hard Rain's A-Gonna Fall" eines der wohl emotionalsten Stücke des 75-Jährigen. Mitten im Lied stockte der 69-Jährigen plötzlich die Stimme. "Es tut mir leid, ich bin so nervös", entschuldigte sich der Superstar schüchtern. Das Publikum applaudierte. Nach einer kurzen Pause konnte sie neu ansetzen und den gefühlsvollen Titel vollenden, den Dylan bereits im Alter von 21 Jahren geschrieben hatte. Nobeljuror Horace Engdahl würdigte Dylan in seiner Festrede Dylan in einem Atemzug mit Ovid und Shakespeare. Dass zum ersten Mal ein Songschreiber die Auszeichnung zuerkannt bekommen hatte, gefiel nicht allen. "Wenn die Leute in der Literaturwelt stöhnen, muss sie einer daran erinnern, dass die Götter nicht schreiben, sie tanzen und singen", erklärte Engdahl. Die Schönheit seiner Songs sei einfach „von höchstem Rang".

"Wenn mir jemals jemand gesagt hätte, dass ich auch nur die geringste Chance hätte, den Nobelpreis zu gewinnen, hätte ich gedacht, dass die Wahrscheinlichkeit etwa so groß wäre wie die, auf dem Mond zu stehen", ließ Bob Dylan in seiner Dankesrede ausrichten. Eigentlich schade, dass er gerade an diesem Tag verhindert war. Denn eines ist sicher: Die Stimme hätte dem Meister wohl nicht versagt. Aber so ist das eben mit Genie und Wahnsinn. Ovid und Shakespeare hätten sich wahrscheinlich über eine derartige Einladung gefreut und es sich nicht nehmen lassen, in diesem festlichen Rahmen vor einem erlesenen Publikum eine Rede für die Ewigkeit zu halten. Aber der Dylans Bob ist eben anders. Der träumt vom Mann im Mond und macht was er will. Es sei ihm gegönnt!

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