Türkische Tipps für den „Irrgarten der Ehe“

Ja, wir widmen uns auch gleich im neuen Jahr unseren türkischen Mitbürgern. Oder besser

 

gesagt einer aktuellen Broschüre mit dem Titel "Ehe und Familienleben". Diese wurde kurz vor dem Jahreswechsel veröffentlicht und sorgte in der Türkei für Aufregung. Und in allen anderen Ländern für ungläubiges Kopfschütteln. Am Schorschla-Stammtisch waren die „Tipps für Frischvermählte“ schlichtweg der Renner. Besser als die aktuellen Playboy-weihnachts-Witze. Und das will was heißen.

Wer schon einmal geheiratet hat, kennt das Prozedere. Nach den offiziellen Formalitäten, dem klassischen Ja-Wort und einem Küsschen erhält man aus den Händen des Standesbeamten ein kleines Geschenk. Meist ein Buch mit schönen Bildern und netten Tipps. So war es zumindest beim Schorschla vor vielen Jahren im Standesamt am Maxplatz. Und so ist es auch in der türkischen Stadt Kütahya. Die dortige Ortsverwaltung hat für Frischvermählte eine kleine Aufmerksamkeit vorbereitet - eine rosafarbene Broschüre mit einer Rose auf dem Cover, darüber ein weißes Herz. Es trägt den Titel "Ehe und Familienleben". Das Werk soll es – wie im Vorwort zu lesen ist - Braut und Bräutigam leichter machen, sich im „Irrgarten der Ehe“ zurechtzufinden. Soweit, so gut. 

Doch die Ratschläge in der Broschüre sind derart hanebüchen, dass sie für neutrale Leser wie ein Satiremagazin wirkt. Einige Beispiele gefällig: "Wenn du als Ehefrau beim Sex sprichst, wird dein Kind stottern." Oder ein eher allgemein gehaltener, wenn auch zu spät kommender Tipp für den Mann, denn die Eheschließung hat ja schon stattgefunden, wenn er das Schriftwerk in der Hand hält: "Heiratet gebärfreudige, liebenswürdige Frauen, aber sie sollen Jungfrauen sein."
Polygamie sei für den Mann ganz nützlich, heißt es weiter. "Für den Fall, dass die Frau zickig ist, sollte der Mann sich nicht sofort scheiden lassen, damit diese Frau nicht auch noch zum Verhängnis für einen anderen Mann wird. Stattdessen sollte der Ehemann eine zweite Frau ehelichen, damit sie die erste Ehefrau zur Vernunft bringt."
Das Pamphlet legitimiert zudem Gewalt gegen Frauen: "Eine Frau, die sich nicht für ihren Mann zurechtmacht, ihrem Mann als Herren im Hause nicht gehorsam ist, kann geschlagen werden", steht dort geschrieben. "Manchmal sind ein, zwei Schläge ganz nützlich, das wirkt wie Medizin. Der Ehefrau wird so in Erinnerung gerufen, wer das Sagen im Haus hat."
Auch hinsichtlich der Arbeitsteilung empfiehlt die Broschüre ein, nun ja, eher konservatives Modell. "Berufliches Arbeiten ist für die Frau unnütz", heißt es weiter in den Empfehlungen. "Im Arbeitsleben kann die Frau einen noch attraktiveren Mann als ihren Ehemann sehen und sich in ihn verlieben. Sie soll daher ihre Beine übereinanderschlagen und lieber zu Hause bleiben."

Mehrere türkische Zeitungen, darunter auch die "Cumhurriyet", berichteten in den letzten Tagen über die Broschüre. Selbst wer sich mit den Entwicklungen in der Türkei auskenne, müsse den Artikel ein zweites Mal lesen, um sicher zu gehen, dass es sich nicht um Satire handele. Die herausgebende Behörde, Diyanet genannt, ist übrigens die höchste islamische Autorität des Landes. Ein Tipp vom Schorschla: Vielleicht sollte man dieses Schriftstück den Frauen rechtzeitig vor der Hochzeit zukommen lassen.

Bamberg aus einer ganz neuen Perspektive erleben!

Auf unserer mobilen Webseite haben wir ein kleines Schmankerl für Sie.
Besuchen Sie uns über Ihr Handy und erleben Sie Bamberg auf eine völlig neue Art.