Darf denn der Papst Indianerkopfschmuck tragen

Wir sollten die Welt besser machen, nicht blöder!

 

Darf denn der Papst Indianerkopfschmuck tragen

Es wird immer irrer. Im März wurde die Musikerin Ronja Maltzahn von Fridays for Future ausgeladen, weil sie laut den Veranstaltern eine falsche Frisur trug. Sie hätte sich damit etwas „kulturell aneignen“ wollen, ohne dabei „die systematische Unterdrückung von schwarzen Menschen zu erleben“, begründeten die Veranstalter ihre Kritik an der Dreadlocks-Frisur. Ein Einzelfall postpubertärer Gutmenschen? Mitnichten! Nun hat sich in der Stadt Bern ein ähnlicher Fall zugetragen. Am 18. Juli sprang die Mundart-Band „Lauwarm“ kurzfristig bei einem Konzert in der Berner Brasserie Lorraine ein. Zum Repertoire der fünf Musiker zählen Reggae, Indie, World und Pop. Doch ihr buntes Programm kam nicht gut an – insbesondere auch wegen der Frisuren. Das Konzert wurde nach den Beschwerden beendet. In einer Stellungnahme entschuldigte sich die Veranstalterin für „Sensibilisierungslücken“. Man hätte das Publikum besser vor dem Auftritt „schützen müssen“. 

Um es noch einmal deutlich zu machen: Die Band „Lauwarm“ wird nicht dafür kritisiert, dass sie zu laut oder zu schlecht war, sondern allein dafür, dass sie als weiße Musiker teils Rastafrisuren tragen und jamaikanische Reggae-Musik spielen, obwohl sie selbst niemals die rassistische Ausgrenzung von Jamaikanern erfahren haben.

Die Veranstalter entschuldigten sich „bei allen Menschen, bei denen das Konzert schlechte Gefühle ausgelöst hat“. Man trage die Verantwortung dafür, da man die Band eingeladen habe. Die ausführliche Entschuldigung bei allen Leidtragenden endet mit den Worten: „Rassismus und andere Diskriminierungen haben keinen Millimeter Platz.“

Da muss es Schorschla ganz tief durchschnaufen. „Rassismus und andere Diskriminierungen haben keinen Millimeter Platz“. Diese Aussage kann man natürlich blind unterschreiben. Aber was hat das mit „Sunshine Reggae“ und einer zerzausten Frisur zu tun? Eine Frage, die auch in den sozialen Medien heiß diskutiert wird. Eine Userin verweist auf Bob Marley: „Würde er sagen, dass Reggae nur von Jamaikanern gespielt werden darf?! Im Ernst?!? Er selber hatte übrigens einen weißen Vater.“ Mbye Jobe schreibt: „Meine Familie in Afrika würde sich fragen: Habt ihr überhaupt Probleme in eurem Leben?“ Ein User nennt das Ganze „Kulturterrorismus“. Nutzer Daniel: „Dann möchte ich bitte nie nie wieder in der Schweiz ein Oktoberfest sehen. Nie wieder.“ Tom Berger, Co-Fraktionspräsident der FDP in der Stadt Bern, twitterte zu der Diskussion: „Jetzt mal ehrlich. Wenn Du Dich ‚unwohl‘ fühlst, weil weiße Menschen Reggae-Musik machen, könnte es dann sein, dass DU das Problem bist ...?“ Und der Geschäftsführer der Arwo-Stiftung in Wettingen fragt: „Aber ist das respektlos, wenn jemand Musik aus einem anderen Kulturkreis spielt??? Oder ist nicht genau dies eine Anerkennung für diese Musik und Kultur?“

Wechseln wir den Blick von der Schweiz nach Bamberg. Hier beginnt am Freitag das Blues- und Jazzfestival. Dem Schorschla wird es da schon etwas mulmig, denn laut Programm spielen dort weiße Männer und Frauen den Blues. Sollten Sebastian Niedermeier und seine Gärtnerstadtnachbarn vorsichtshalber eine kleine Plantage anlegen, damit die Musiker im Vorfeld dieses Gefühl des Baumwollpflückens am eigenen Leib erleben können? 

Noch ein Szenenwechsel in Sachen „kulturelles Erbe“: Papst Franziskus hat vergangene Woche die indigene Bevölkerung in Kanada um Entschuldigung für Gewalt an Kindern und Jugendlichen in kirchlichen Internaten gebeten. Bei einer gemeinsamen Veranstaltung setzte Häuptling Wilton Littlechild „Seiner Heiligkeit“ einen traditionellen Kopfschmuck auf. War es richtig, das anzunehmen?, wird seither in Pseudo-Weltverbesserer-Kreisen diskutiert. Und es Schorschla fragt sich: Wie hätte er diese Versöhnungsgeste ablehnen sollen?

Um uns herum ändert sich die Welt. Im Eiltempo. Krieg hier, prognostizierte Energiekrisen, eine nahezu unaufhaltsame Klimaerwärmung und damit verbundene Naturkatastrophen, Pandemien, Hungersnöte und und und … Kann man sich vor diesem Hintergrund ernsthaft über Haarfrisuren von Musikern aufregen? Will man nur ablenken oder sind bei diesen Menschen die „Gesunde-Menschenverstand-Synapsen“ im Hirn einfach unterbrochen? Kann auf Schlagerpartys von Bayern1 noch der 60er-Jahre-Hit „Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut“ des in Kamerun geborenen Schlagersängers Billy Mo gespielt werden, darf ein Hamburger Pärchen über die Bamberger Sandkerwa in Dirndl und Lederhose bummeln und wie sieht es aus mit einer Faschingsparty im Kindergarten mit Cowboyhut und Federschmuck? Alles gar kein Problem, meint es Schorschla. Denn eines sollten wir nie aus den Augen verlieren. Unser aller Auftrag ist klar definiert: Wir sollten die Welt immer besser machen. Nicht immer blöder! 

PS: Die Meinung vom Schorschla muss nicht immer mit der der Redaktion übereinstimmen.

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