Knallbunt und Unsichtbar

Farbenfrohe Schau im Naturkunde-Museum


Manche Passanten mögen sich vielleicht fragen, was das reizvolle Farbmuster auf  den großen Bannern vor dem Naturkunde-Museum bedeuten mag. Die Antwort: Es sind die Federn einer Kragentaube, die hier für die fantasievolle Farbenpracht im Tierreich stehen, und gleichzeitig auch für das Thema der neuen Sonderausstellung des Museums. Knallbunt sind sie tatsächlich, die Tukane, Pfauen und Insekten auf den Fotos des renommierten Tierfotografen Konrad Wothe, die den Kern der neuen Schau des Museums bilden. Vom Polarfuchs in der schneebedeckten Tundra hingegen nimmt man nur die schwarzen Augen und Nase wahr; das weiße Fell verschmilzt für das menschliche Auge mit der schneebedeckten Umgebung. Eben fast unsichtbar.

Wir Menschen empfinden die bunte Pracht der Tier- und Pflanzenwelt in erster Linie als schön und bezaubernd. Doch für die Lebewesen selbst stellen die Farben ganz pragmatische Signal- und Schutzeinrichtungen dar. Tarnen, Warnen, Erkennen, Tricksen und Protzen – so lässt sich das Repertoire, das aus dem Malkasten der Natur hervorgeht, in etwa klassifizieren. Farben erfüllen für Tiere und Pflanzen also ganz unterschiedliche Zwecke; das wird in der Ausstellung anschaulich verdeutlicht. So wird klar, dass das Leben in der freien Natur zumeist leichter und sicherer ist, wenn man gut getarnt, also im Prinzip fast unsichtbar daherkommt. So wie etwa die Stabschrecke aus Madagaskar, die in Form und Farbe perfekt den dürren Ästchen gleicht, die ihr als Ruheplatz dienen.

Aber es gibt auch Situationen, in denen das grelle Herausstechen aus der Umgebung zu enormem Vorteil gereicht. Will ein Tier nämlich einen Geschlechtspartner anlocken und beeindrucken, oder Fressfeinde abschrecken, können die Farben gar nicht brillant genug sein. Wie etwa bei den extravagant gefiederten Paradiesvogel-Männchen, die mit ihrer Pracht ihre Fitness zur Schau stellen. Oder beim Pfauenhahn, der sein einzigartiges Rad schlägt. In der Vogelwelt ist schließlich meist Damenwahl angesagt. Die kleinen Pfeilgiftfröschchen aus den Regenwäldern Mittelamerikas hingegen, signalisieren mit ihren grellbunten Farben der Umwelt: Fresst mich nicht, ich bin ungenießbar! Schließlich kommt Farbe auch dort zum Einsatz, wo es um raffinierte  Methoden der Täuschung geht,  die sich im Lauf der Evolution entwickelt haben. Ein Warnsystem  funktioniert nämlich auch dann, wenn eigentlich keine Gefahr besteht. Beispielsweise sind unsere heimischen Schwebfliegen harmlos, obwohl  sie das gelb-schwarz gestreifte Kleid einer Wespe tragen und deren Giftigkeit vorgaukeln – aber die Schwebfliege selbst ist dank dieser Farbentracht bestens geschützt.

Mit Farben übermitteln Tiere und Pflanzen also Botschaften, die exakt auf einen Adressaten und dessen Verhalten ausgerichtet sind. Grellfarbige Chitinpanzer, stark durchblutete Hautpartien oder prächtig verzierte Körperanhängsel bilden ein komplexes Kommunikationssystem. Sie sind im Lauf der Evolution über Tausende von Generationen entstanden und stehen ihren Trägern also keinesfalls zufällig zur Verfügung. Einzelne Individuen erkennen sich an den ganz spezifischen Mustern oder Farben ihres Fells, Gefieders und Schnabels. Insekten verfügen über einen besonders eindrucksvollen Einsatz von Farbe: sie leuchten wie beispielsweise ein Glühwürmchen in der Dämmerung oder sie lassen nur manchmal blaue oder rote Flügel aufblitzen.

Viele Pflanzenarten setzen für ihre Verbreitung ebenfalls auf die Verlockung mit Farben. So sollen rotleuchtende Früchte Tiere einladen, sich ordentlich daran satt zu essen und später möglichst weit entfernt einige Samen wieder auszuscheiden, damit die Pflanze neue Standorte erreicht.   

Dabei nehmen Tiere Farben häufig ganz anders als wahr als wir Menschen es vermögen. Manche Tiere können ein breiteres Farbspektrum erfassen, andere dagegen ein kleineres, wie Konrad Wothe bei seinem Einführungsvortrag mit beeindruckender Medienschau dem begeisterten Publikum erläuterte. Die Worte kommen aus berufenem Mund: Wohte bereist als Naturfotograf und Tierfilmer seit vier Jahrzehnten die Welt auf der Suche nach den Wundern der Natur. Der Biologe erlernte seine Kunst bei keinem geringeren als Heinz Sielmann, der rund 25 Jahre lang ein breites  Fernsehpublikum mit seiner Reihe „Expeditionen ins Tierreich“ begeisterte. Auch Konrad Wothe produziert Filme fürs Fernsehen. Seine Fotos erzielten zahlreiche Preise, beispielsweise beim bedeutenden „Wildlife Photographer oft he Year“-Wettbewerb der BBC. Nun sind 40 seiner besten Aufnahmen, die sich mit den Farbsignalen in der Tierwelt beschäftigen, in der Ausstellung des Naturkunde-Museums zu sehen.

Das Bamberger Museumsteam hat die Schau von den Kollegen des Museums Mensch und Natur in München übernommen, wo sie bis vor kurzem präsentiert wurde. In Ergänzung zu den grandiosen Naturaufnahmen können die Besucher ausgewählte, thematisch passende Tierpräparate bewundern. Ferner geben Sehstationen Einblicke, wie einige Tiere ihre Umwelt wahrnehmen; beispielsweise wie Marienkäfer ihre Artgenossen sehen und welche für uns unsichtbaren Muster eine Blüte durch die Augen eines Schmetterlings entfaltet.

Foto von Konrad Wothe:
Interessiert betrachtet ein Meerkatzen-Weibchen die Hinteransicht eines Männchens. Denn die Intensität Blaufärbung gibt Auskunft über die soziale Stellung innerhalb der Gruppe. Foto: Konrad Wothe.

„Knallbunt und Unsichtbar“ ist noch bis zum 21. April zu den üblichen Öffnungszeiten im Naturkunde-Museum zu sehen:


Naturkunde-Museum
Fleischstr. 2
96047 Bamberg
www.naturkundemuseum-bamberg.de
Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag 10 – 16 Uhr, ab April: 9 – 17 Uhr
Geschlossen: Montags

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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