Vom gläsernen Menschen und dem Mindestabstand im Karussell

Corona im Kopf

Ja, es kommt langsam wieder Leben ins Land. Die ersten Geschäfte öffneten am Montag ihre Pforten, das sonnige Wochenende nutzten viele zum Angrillen. Oftmals mit den Nachbarn inklusive Zaungesprächen auf Distanz, aber auch mit zufällig vorbeikommenden Freunden am Gartentürchen. Wir tragen pflichtbewusst unsere Mund-Nase-Masken, es soll Banken in unserem Welterbe geben, da schützt der dienstbeflissene Sicherheitsmann sogar den externen Geldautomaten vor Oben-ohne-Kunden. Ein Wahnsinn. Halt Corona!

Langsam steigt der Virus gefühlt in die Gehirne. Global. Da spekuliert der US-Präsident über die Möglichkeit, sich Desinfektionsmittel ins Blut zu spritzen. Was die Keime draußen killt, könnte doch auch drinnen für Ordnung sorgen. Und Sonnenlicht im Körper könnte auch helfen, meint Donald Trump. Das wäre doch gewaltig und gehöre unbedingt überprüft, sinniert der mächtigste Mann der Welt.

Zurück ins Merkel-Land: Hier, wo Bratwurstgrillen mit Bekannten im Schrebergarten erlaubt ist, im eigenen am Haus gelegenen Grünstreifen aber streng sanktioniert wird, haben wir auch Millionen von Corona-Experten. Eingeteilt in zwei Gruppen: Die einen würden sich am liebsten noch strengeren Einschränkungen unterwerfen, verurteilen Mitbürger, die auch mal ohne systemrelevante Aufgabe vor die Tür treten, als Kriminelle und verantwortungslose Egoisten. Die anderen halten Covit19 für eine Bagatelle, sehen die aktuellen Einschränkungen der Grundrechte als Vorstufe und Testlauf einer diktatorischen, menschenverachtenden und von Willkür geprägten Regierungsform. Das freie Leben stehe auf dem Spiel. Der Mittelstand. Jede Form von Datenschutz und persönlicher Entfaltung. Der gläserne Menschen als Wunschbild der Mächtigen.

Die Wahrheit liegt wohl wie so oft im Leben irgendwo zwischen diesen beiden Extremen. Doch wer übernimmt die Verantwortung für den alltagstauglichen Kompromiss? Wer gibt den Weg vor, der uns so unbeschadet wie nur irgendwie möglich durch diese Krise führt? Wer erlaubt was zu welchem Zeitpunkt? Und hat noch dazu den Mut, mögliche Fehler so schnell wie möglich wieder zu korrigieren?

Es Schorschla möchte aktuell nicht in der Haut der Entscheider stecken. Trotzdem ein Tipp: Setzen wir doch auf unseren gesunden Menschenverstand, unser über Jahrzehnte erprobtes Bauchgefühl. Wir müssen es (leider) akzeptieren, dass dieser Virus unser aller Leben im Moment komplett im Griff hat. Mit Überzeugung vorgelebte Disziplin sollte uns Schritt für Schritt eine Rückkehr in den geregelten Alltag ermöglichen, langsam – aber sicher – sollte man das ganz normale Leben wieder hochfahren. Erst kleinere, dann größere Geschäfte, natürlich auch die Gastronomie, etwas später die Hotelerie, den Sport und natürlich auch die Reiseindustrie. Alles mit bedacht, alles mit einem Höchstmaß an Logik. Denn das Volk ist mental angegriffen und verzeiht keine unsinnigen oder willkürlichen Vorgaben. Weshalb ausländische Erntehelfer einfliegen, wenn alle Grenzen geschlossen sind? Der Shutdown kostet die unterschiedlichsten Wirtschaftszweige Milliarden, da kann man doch auch mal ein Jahr auf frischen Spargel verzichten. Warum nicht den 35 Fördertopf aufmachen und die Landwirte – oder in diesem Falle Großgrundbesitzer – angemessen entschädigen?
 Die Vorzeichen für den Sommer 2020 stehen leider auf Minus: Kein „Bamberg zaubert“, kein „Tucher Blues & Jazz“, keine Sandkerwa, kein Annafest, keine Bergkerwa, keine großen Open-Air-Konzerte, vorerst auch keine Kirchweihen. Wobei in Holland, genauer gesagt in Apeldoorn, Schausteller gerade an einem Corona-Volksfest mit den gültigen Abstandsregeln tüfteln. Mit Holzstäben wird gemessen, ob die Fahrgeschäfte beim Drehen der Gondeln den Mindestabstand garantieren, wo die Gaukler und Losbuden platziert werden müssten und wie viele Besucher einen Festplatz überhaupt betreten dürften. Nur mit dem Autoscooter gibt’s Probleme: Denn kontaktloses im Kreis fahren ist hier natürlich ganz und gar nicht im Sinne des Erdfinders!

 

 

PS: Die Meinung vom Schorschla muss nicht immer mit der der Redaktion übereinstimmen.

 

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