Der O-Ton

Gespräch mit Wolfgang Heyder

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Heute im Gespräch: Sport- und Veranstaltungsmanager Wolfgang Heyder 

Viele haben Ziele, an denen sie nicht mehr arbeiten können

Man nennt ihn nicht nur in Bamberg respektvoll „Mr. Basketball“. Sein Engagement, seine Erfahrung und seine Kontakte im nationalen und internationalen Basketball waren zweifellos die Eckpfeiler für viele Meistertitel und eine wohl einmalige Basketball-Euphorie in der Domstadt. Da wunderte es nicht, dass die Rückkehr von Wolfgange Heyder in die Organisation Brose Bamberg im vergangenen Jahr von vielen Freak-City-Fans Hoffnungen für einen erfolgreichen Neuanfang geweckt hat. Wie der aktuelle Stand beim einstmals bundesweit führenden Jugendkonzept der Bamberger ist und wie der Basketballexperte die Brose-Bamberg-Mannschaft einschätzt, erklärt er dem WOBLA in einem Gespräch. 

WOBLA: Die Arbeit mit Jugendlichen war schon immer Ihr Steckenpferd. Wie kann man in aktuellen Corona-Zeiten sinnvoll mit dem Nachwuchs trainieren und wie sehen Sie Vorschriften wie Hallensperrungen und die Einstellung von Amateurligen?

Wolfgang Heyder: Natürlich hat Corona unsere Pläne und Aktivitäten komplett begrenzt. Vieles, was wir umzusetzen oder neu entwickeln wollten, wurde durch die Pandemie ausgebremst. Leider haben ja auch so gut wie keine Wettkämpfe stattgefunden. Es ist klar und nicht zu diskutieren, dass alle Wettkämpfe abgesagt wurden, das Thema Kontaktbeschränkungen in jeglicher Hinsicht hätte man einfach nicht anders realisieren können. Kritisch sehe ich aber das Schließen der Hallen und Fitness-Studios und das damit verbundene komplette Bewegungsverbot für Kinder und Jugendliche, was gerade im Winter die ohnehin angespannte Situation und Stimmung noch weiter belastet. Dabei könnte meiner Ansicht nach der Sport die Lösung einiger Probleme sein.

Die offiziellen Vorgaben geben ja Anlass zur Diskussion ...

… und sie werfen Fragen auf: Warum kann aktuell kein geplantes Training mit zwei bis vier Personen ohne jeglichen Kontakt mit einem klaren Hygienekonzept stattfinden? Weder in Fitness-Studios noch für sonstige Sportarten. So dürfen im Moment nur die Auswahlspieler – das sind über alle Altersklassen 15 – alleine mit einem Trainer trainieren. Auch hier die Frage: Warum nicht alle? Ansonsten aktivieren wir die Jugendlichen zum Laufen. Das geht nicht bei jedem Wetter und leider nur alleine. Und wir bieten Online-Trainingsangebote – sicherlich ein Bindungsinstrument, aber mit begrenzter Wirkung!

Die Regierung setzt auf Impfungen und Ausgehverbote, das Thema Gesundheitsprävention spielt dagegen keine Rolle. Wie werden sich der Bewegungsmangel, das fehlende Training und fehlende soziale Kontakte auf die „Generation Corona“ auswirken?

Wir alle sehen und leugnen keineswegs die Gefährlichkeit des Virus. Im Gegenteil. Aber leider gibt es nach wie vor keine differenzierten strategischen Ansätze, wie z.B. den intensiven Schutz der Alten- und Pflegeheime. Die Regierung setzt auf Lockdown 1,2,3,4, light oder hard, und dann die Impfstoffe. Das ist zu wenig, was auch viele Virologen kritisieren!

Vorgaben, die auch die Gesellschaft nachhaltig verändern.

Ich habe eine Studie des DOSB gelesen. Schon heute sind fast 20 Prozent der Mitglieder aus den Vereinen ausgetreten. Man befürchtet, dass der Leistungssport 30 Prozent Einbußen hinnehmen muss, was gerade auch im sozialen Bereich unserer Gesellschaft sehr weh tun wird. Denn die Vereine sind wichtige Anker unserer Gesellschaft. Ich sehe die Hinwendung zum E-Sport sehr kritisch und hoffe, dass die Verbände diese Entwicklung nach Corona wieder umdrehen können. Als Verantwortlicher im BBV für Jugend und Leistungssport werde ich sehr dafür kämpfen, dass wir im Frühsommer noch einen Wettkampfbetrieb – eventuell im 3/3 – hinbekommen. In diesem Punkt herrscht auch Einigkeit mit dem DBB.

Wie ist die Stimmung bei den ambitionierten Nachwuchssportlern? 

Die Stimmung ist natürlich gedrückt, viele haben Ziele und Ambitionen, an denen sie nicht mehr arbeiten können. Sie sind zur Passivität gezwungen, Bewegung ist nur bedingt möglich, die sozialen Kontakte sind auf ein Minimum reduziert und das nun schon über Monate. Man muss sich vorstellen: eine ganze Generation Jugendlicher und Kinder, die täglich trainiert hat, wird von heute auf morgen auf null gesetzt. Dazu kommt das Unverständnis, dass Auswahlspieler, was das auch immer im Jugendalter heißt, alleine mit Trainer trainieren dürfen, und der Rest nicht! Hier agiert die Exekutive extrem unklug. Denn der Sport ist nicht das Problem, sondern er könnte ein Teil der Lösung sein. Die Übungsleiter stehen Gewehr bei Fuß für ein solches Einzeltraining. Ich bleibe dabei: Nur undifferenziert zusperren und verbieten, ist keine wirklich intelligente Lösung und wie man wahrnimmt: Leider auch nicht sehr wirkungsvoll!

Kurz eine Frage zum Spitzensport: Vom vielzitierten „Bamberger Weg“ ist aktuell beim ehemaligen Serienmeister Brose Bamberg nicht viel übrig geblieben. Wie schätzen Sie das aktuelle Team ein, das zumindest national noch hinter den Erwartungen zurückliegt?

Es ist ja bekannt, dass ich es sehr bedaure, dass es einen Bamberger Weg nicht gibt. Überlegt man, dass 12 ehemalige Bamberger, die hier in der Jugend ausgebildet wurden, in den verschiedensten Bundesliga-Clubs erfolgreich spielen, nur eben in Bamberg nicht, dann ist das schade und erschwert es natürlich, diese Identität zu entwickeln, die ja eigentlich gewünscht ist. Blickt man in die Bundeshauptstadt, sieht man sechs Berliner im Alba-Kader auf dem Spielfeld stehen. Das sind nicht nur Toptalente, aber ich bin von diesem Weg schon sehr fasziniert. Von der Bamberger Profimannschaft bin aktuell zu weit weg und kann die Entwicklung und die Möglichkeiten nicht einschätzen. Klar ist, dass jedes Team zur Entwicklung Zeit braucht. Die vielen Personalwechsel zu diesem frühen Zeitpunkt machen diese Aufgabe erfahrungsgemäß nicht einfacher. Aber das Team hat entsprechendes Talent, seine Möglichkeiten sehe ich nach wie vor im oberen Drittel der Liga. Was aber auch durch das Budget im oberen Teil der BBL garantiert sein sollte!

Sie sind stets optimistisch und sehr rational: Mit welchen Gefühlen blicken Sie in die Zukunft, wann wird sich unser Alltag wieder normalisieren? Was sind für Sie die Eckdaten in diesem noch jungen Jahr und was sollte die Politik ändern, um die Pandemie und die Fallzahlen nach und nach in den Griff zu bekommen? 

 Natürlich hoffen wir alle auf ein Stück Normalität. Wohlwissend, dass das nur geht, wenn die Infektionszahlen sinken und vor allem die Krankenhäuser und das Gesundheitssystem entlastet werden. Ich bin sehr optimistisch, dass mit der Impfkampagne, die aber funktionieren muss und wärmeren Temperaturen, der Virus nach und nach verschwindet. Virologen sprechen davon, dass im Winter die Infektionsrate 20 Mal höher ist als im Sommer

... Ich wünsche mir, dass die Exekutive ihre Hausaufgaben macht, zumal ja Bürger und Wirtschaft leider massiv eingeschränkt werden. Der Schutz der Alten- und Pflegeheime muss genauso funktionieren und als Cluster im Mittelpunkt aller strategischen Konzepte stehen. Ebenso wie das Impfen: Wir reden von zu wenig Impfstoff, bisher sind aber gerade 55 Prozent der Dosen verimpft. Mein großer Wunsch ist, dass so früh wie möglich wieder Sportbetrieb stattfinden kann. Dieser hat höchste gesellschaftliche Relevanz. Wir müssen unsere vielen Vereine stützen. Die Kollateralschäden, was die Gesundheit weiter Teile der Bevölkerung betrifft, sind jetzt schon absehbar, die erheblich sinkenden Mitgliederzahlen ein weiteres Problem. Ich hoffe sehr, dass die Öffnung der Gastronomie und der Kultureinrichtungen differenziert nach klaren Hygieneregeln und nicht pauschal passiert und dass hier nach Lösungen und nicht Verboten gesucht wird. Ich kenne keinen Veranstalter, Gastronom oder Fitness-Studio-Betreiber, der nicht konstruktiv und kreativ an Lösungen mitarbeitet. Ich hoffe sehr, dass die Pandemie nicht als Profilierungsplattform für den ein oder anderen Politiker für den Bundestagswahlkampf herhalten muss.

 

 

 

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