675 Jahre Impfpass

Ursprung in Mailand und Venedig

675 Jahre Impfpass

Ein kleines gelbes Büchlein beschert aktuell gut 50 Prozent der deutschen Bevölkerung zumindest etwas Freiheit und Normalität: Der Impfpass. Ja, einige wenige von uns sammeln ihre Stempel auch in einem weißen Faltblatt, wer mit der Zeit geht, hat diesen Schutznachweis elektronisch auf dem Handy gespeichert und kann sich per QR- Code gegen Quarantäne, Lockdown oder Ausgehbeschränkungen wehren. Wie lange aber gibt es schon derartige „Gesundheitspässe“? Seit wann lassen sich die Menschen ihr vermeintliches Wohlergehen offiziell dokumentieren? Es Schorschla hat sich schlau gemacht und ist vom Ergebnis immer noch überrascht. Denn was sich heute „3G“ nennt, hat seinen Ursprung vor gut 675 Jahren. 

Die italienischen Stadtstaaten Mailand und Venedig waren die Vorreiter in Sachen Gesundheitsvor- bzw. nachsorge. Sie wissen schon: Getestet und genesen. Geimpft lag damals noch in weitere Ferne. Aber bereits im Jahr 1347 wurde in den damaligen Handelsmetropolen damit begonnen, sich effektive Maßnahmen auszudenken, um den grassierenden „schwarzen Tod“ durch Unterbrechung der Kontaktketten einzudämmen. Gefährliche Überlegungen, standen diese Denkmodelle doch im offenen Gegensatz zur Lehre der Kirche, die Epidemien nicht als ansteckende Krankheiten deutete, sondern kurzerhand zur Strafe Gottes erklärte. So nannten offizielle Pestordnungen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stets als wichtigste und erste Maßnahme gegen die Krankheit das mehrmals am Tag auf Knien abzuleistende Gebet sowie eifrige Buße.

Ja, die Norditaliener erwiesen sich als vorausschauend und intelligent. Sie erkannten, dass man aktiv Einfluss nehmen konnte auf die Eindämmung der Seuche, die regelmäßig bis zu einem Drittel der Bevölkerung betroffener Städte und Landkreise dahinraffte. „Die Isolation der Kranken, die Quarantäne für krankheitsverdächtige Personen, die Reinigung (Purga) verdächtiger Waren, die absolute Passagesperre (Bando) für Kaufleute aus infizierten Orten, alle diese Einrichtungen sind im Wesentlichen in Oberitalien während des 15. Jahrhunderts entwickelt worden“, schrieb die Ärztin und Medizinhistorikerin Vera Waldis in einem Aufsatz.

1546 erdachte Girolamo Fracastoro, ein Arzt, Dichter, Philosoph und Universalgelehrter aus Verona, erstmals eine wissenschaftliche These, wie sich die Verbreitung solcher Krankheiten physisch erklären ließ: „Pestsamen“ könnten auch ohne unmittelbaren Kontakt zu Erkrankten diese Seuche verbreiten. Deshalb müsse man Kranke isolieren, den Verkehr einschränken, das öffentliche Leben einer betroffenen Region per „Lockdown“ unterbinden, Leichen verbrennen und dazu alles, was mit ihnen in Berührung kam.

Die ersten Genesenen- und Gesundheits-Atteste in Europa werden im 18. Jahrhundert ausgestellt, sie garantieren Reisenden auch in Zeiten epidemischer Krankheiten viele Freiheiten. Aus dem frühen 18. Jahrhundert stammen auch die frühesten Berichte über Impfungen gegen die Pocken: Man blies gemahlenen Blutschorf mit lebenden Viren in eine offene Wunde. Überlebte das der Geimpfte, war er danach immun – und da das etwa 90 Prozent der Patienten gelang, wagten es immer mehr, denn die Pocken töteten bis zu 50 Prozent der auf normalem Wege Erkrankten.

Vordenker in diesem Prozess war der englische Landarzt Edward Jenner, der die Methode entwickelte, die als Prinzip letztlich auch noch heutigen Impfungen zugrunde liegt: Er infizierte seine Patienten ab 1796 stattdessen mit Kuhpocken-Erregern. Diese töteten Kühe, verursachten bei Menschen aber nur Nebenwirkungen – und gaben dem Immunsystem so das lebensrettende Signal, sich gegen alles zu wehren, was irgendwie an die verspritzten Krankheitserreger erinnerte. Es wirkte, und daher entstand wenige Jahre darauf eine neue Art amtliches Testat: der Impfpass.

Pest. Pocken. Cholera. Katastrophale hygienische Bedingungen in den Arbeitervierteln sorgten zu Beginn des 19. Jahrhunderts für globale Pandemien. 1826 kam es in Indien zu einem Choleraausbruch, die Krankheit verbreitete sich bis 1837 über China nach Japan, über die Weiten Russlands durch Mitteleuropa und von Großbritannien aus nach Nordamerika. Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Menschen, verloren qualvoll ihr Leben, plötzlich entstanden überall Behörden und Ministerien, deren Auftrag die Bewahrung der Gesundheit ganzer Nationen war.

Was sich im Grunde bis heute nicht geändert hat. Garantierte 1611 der venezianische Pest-Freibrief Signor Marcantonio Zezza freies Reisen in Norditalien und dem Gebiet der heutigen Schweiz – das war viel in Zeiten, als man meist von A nach B noch laufen musste – so beschwert uns der aktuelle Impfpass in Zeiten von Covid-19 weltweites Reisen. Offizieller Herausgeber des gelben Büchleins ist übrigens die Weltgesundheitsorganisation WHO: Die Globalisierung der Gesundheit! 

PS: Die Meinung vom Schorschla muss nicht immer mit der der Redaktion übereinstimmen.

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